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Von Tim Zülch
19.01.2011

Das Recht zu gehen – und zu bleiben

Antirassismus-Aktivisten aus Europa und Afrika ziehen von Mali nach Senegal zum Weltsozialforum

Für Bewegungsfreiheit und gegen die Abschottung Europas findet Ende Januar eine Karawane von Mali nach Senegal statt. Rund 250 Aktivistinnen und Aktivisten aus Europa und Afrika machen mit.

Dreißig Leute sitzen in einem Raum im Erdgeschoss einer Bremer Kommune. Einige haben trotz reichlich Kaffee bereits müde Augen, andere rutschen ungeduldig auf ihrem Stuhl hin und her. Die Redeliste ist noch lang. Es ist das letzte gemeinsame Treffen, bevor sich rund 50 Aktivistinnen und Aktivisten aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden Ende Januar Richtung Bamako in Mali aufmachen. Dort werden sie auf rund 200 westafrikanische AktivistInnen treffen, um gemeinsam eine Karawane zu bilden, die in Richtung Senegal und schließlich zum Weltsozialforum ziehen wird. Die inhaltlichen Diskussionen sind bitter nötig und die Logistik des Projekts ist komplex. Geredet wird bis tief in die Nacht, zum Weiterdiskutieren nach dem Treffen ist der Mailverteiler da.

Ein »Neuer Internationalismus« stehe auf dem Programm, erläutert Dieter Behr, der aus Wien angereist ist. Er ist in verschiedenen globalisierungskritischen und antirassistischen Zusammenhängen aktiv und hat sich intensiv mit der Situation von LandarbeiterInnen im spanischen Andalusien auseinandergesetzt. Gerade schreibt er seine Dissertation zu gewerkschaftlichem Antirassismus in der Landwirtschaft. Die Karawane sei ein Startpunkt, sagt er. Es gehe nicht um eine einmalige Aktion, sondern um eine stetige und verbindliche Kooperation mit afrikanischen Gruppen. Dazu habe man das Netzwerk Afrique-Europe-Interact gegründet. Eine gleichnamige Webseite wurde eingerichtet und die Karawane firmiert unter diesem Namen.

Die malische Organisation AME ist der Hauptpartner der europäischen AktivistInnen. AME unterstützt aus Europa und anderen afrikanischen Ländern abgeschobene MigrantInnen. Viele, die sich auf die Reise in den reichen Norden machen, haben alles verkauft, was sie besaßen, um die Schlepper zu bezahlen und eventuell haben sie sich verschuldet. Wenn sie sich dann – nach einer Abschiebung – wieder auf malischen Boden befinden, stehen sie vor dem Nichts. In ihren Familien gelten sie oft als Versager. Die AME hilft mit Medizinern, JuristInnen, Notunterkünften und eventuell mit Geld für die Fahrkarte in den Herkunftsort.

Zusammen mit der AME werden die Aktivistinnen und Aktivisten in Bussen über die mauretanische Grenzstadt Nioro nach Dakar reisen. Auf der Strecke wollen sie in Dörfern und Städten Theaterstücke aufführen, Aktionen veranstalten und zu Gesprächen einladen. Sie wollen über Rassismus in Europa reden, aber auch konkrete Information und Alternativen für Migrierende anbieten. »Wir kämpfen für das Recht zu gehen – und das Recht zu bleiben«, so Dieter Behr. Am 6. Februar – dem Beginn des elften Weltsozialforums – ist die Ankunft in Dakar geplant.

Bruno Watara wohnt in Berlin und ist dort im Bündnis gegen Lager bei der Flüchtlingsselbstorganisierung »The Voice« aktiv. Der 47-Jährige war im Oktober mit drei anderen auf einer Vorbereitungsreise in Mali. Tief beeindruckt von dem Engagement der Menschenrechtler der AME kehrte er zurück. Täglich kommen in Bamako die Abgeschobenen und Abgewiesenen aus Europa, Marokko und Mauretanien an. Die Karawane müsse, so Watara, neben der Kritik der Abschottungspolitik Europas auch die Gründe von Flucht und Migration in Afrika beleuchten. »Europa nimmt alles aus Afrika«, sagt er. Afrikanische Diktatoren würden ihre Länder aussaugen und dieses Geld könnten sie in Europa ungestraft und lukrativ anlegen. »Wir sind gegen diese Kollaboration der Europäer mit den afrikanischen Despoten.« Nötig sei eine bikontinentale Basisbewegung. Darum sei die Karawane so wichtig.

Nach dem Weltsozialforum 2006 entstanden viele neue Kooperationen, nicht nur innerhalb Afrikas, sondern auch zwischen afrikanischen und europäischen Basisinitiativen. Jüngster Schritt war die Gründung des Netzwerks Afrique-Europe-Interact, an dem derzeit Gruppen aus Deutschland, Mali, den Niederlanden und Österreich beteiligt sind. Es hat die Protest-Karawane mit organisiert.

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