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Von Caroline M. Buck
20.01.2011
Kino

Zurück in die Zukunft

»Good Food Bad Food – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft« von Coline Serreau

Gute Erde fühlt sich an wie Couscous. Gute Erde sieht aus wie Ölkuchen. Gute Erde ist krümelig und von feinen Wurzeln durchzogen. Gute Erde enthält Würmer, Krabbeltierchen und Mikroben, die sie auflockern und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Gute Erde sieht nicht aus wie die fetten, festen Schollen, die beim armtiefen Umpflügen von Feldern gleich nach der Ernte entstehen und schnell von Luft und Sonne steinhart getrocknet werden.

Gute Erde, und das ist eine der zentralen Thesen dieses Films, ist in den industrialisierten Landwirtschaften dieser Welt zu einer Seltenheit geworden. Weil der Mensch, der Kampfstoffe ersonnen hatte und nach Kriegsende neue Absatzmärkte für das Know-how aus seinen Laboren suchte, auf die industrielle Produktion von Herbiziden und Pestiziden verfiel. Und damit nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die des Planeten zermürbte.

Die Industrie hatte versprochen, dass man mit ausreichend Dünger, mit neuen Giften und neuen Züchtungen, mit schwerem Gerät und Monokulturen ungeahnten Ausmaßes – und schließlich mit gentechnisch genau auf die angeblichen Bedürfnisse des Menschen ausgerichteten Mutationen - jedem noch so kargen Boden oder schwierigen Klima beikommen und bald die ganze Welt ernähren könne. Weil Idealisten das glauben wollten, ist guter Boden – und nicht nur der – weltweit längst eine Seltenheit. Auch das Elend kleiner Farmer durch neue Abhängigkeiten von Saatgutlieferanten und deren chemischen Produkten ist noch größer geworden.

Der Dokumentarfilm »Good Food Bad Food – Anleitung für eine bessere Landwirtschaft« hält dagegen. Zeigt engagierte Verbände, die statt auf eine vor allem den Profit multinationaler Konzerne maximierende, global agierende Agrarindustrie auf lokale Lösungen setzen, auf alte Samensorten statt auf die Hybride, die Marktführer Monsanto und Konsorten weltweit aggressiv vermarkten. Der Verdrängung einheimischer, lokal klima- und bodentauglicher Pflanzen und Tiere durch standardisierte Züchtungen setzt die französische Filmemacherin Coline Serreau (bekannt für ihre Geschlechterrollenkomödie »Drei Männer und ein Baby«) Gespräche mit den Gründern einer Reihe agrarökologischer Initiativen entgegen.

Einige der von ihr interviewten Aktivisten dürfen längst in keinem Film zum Thema ökologischer Landbau mehr fehlen. Die indische Alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva zum Beispiel, Initiatorin einer Samenbank alter Reissorten und anderer traditioneller Nahrungspflanzen, die, routiniert medientauglich dozierend, unter anderem das auch für Serreau zentrale Argument von der Rolle der Frau als Bewahrerin der Fruchtbarkeit und Vielfalt in der traditionellen, händischen Agrarkultur (nicht nur) Indiens vorbringt.

Ähnlich kamerafreudig, aber seltener auf der Leinwand zu sehen sind Claude und Lydia Bourguignon, die sich die wissenschaftliche Analyse und nachhaltige Verbesserung von Böden auf die Fahnen geschrieben haben – ein Feldzug, von dem der Mikrobiologe Claude Bourguignon mit gutem Anschauungsmaterial und viel gallischer Verve berichtet, obwohl der verzweifelte Zustand der meisten Böden selbst im klassischen Feinschmeckerland Frankreich eigentlich Grund zum Werfen einer ganzen Wäschekammer an Handtüchern und diverser Flinten ins längst genveränderte Korn wäre.

In Brasilien stößt Serreau auf eine Interessenvereinigung landloser Landarbeiter, die sich den Boden zum Bewirtschaften erkämpften und den ökologischen Anbau (wieder-)entdeckten, und in der Ukraine auf eine Ex-Kolchose, die biologische Landwirtschaft angeblich schon seit 1978 betreibt. In Marokko und Burkina Faso filmt sie Mitarbeiter von Colibris, der Bewegung »für Boden und Humanismus« des in Frankreich hochdekorierten Pierre Rabhi (der den Film koproduzierte), und in Indien Mitarbeiter des Projekts Kokopelli, die traditionelle Methoden zur Düngung der Böden wiedereinführen und Kleinbauern lehren, sich mit einheimischem Saatgut aus der Abhängigkeit von den Konzernen zu befreien.

Wer zwei Stunden extrem nervöse Handkamera durchhält, gefühlige Musik und einen etwas forciert wirkenden Feminismus, wird mit interessanten Einsichten belohnt über Saatenvielfalt, Bio-Diversität und die Abhängigkeit der »modernen« Landwirtschaft von Erdölderivaten, deren Verfügbarkeit mit dem Erdöl versiegen wird – und mit ihr die Produktivität der industriell ausgebeuteten, verdichteten, von Erosion bedrohten Ackerflächen.

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