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Von Kurt Stenger 21.01.2011 / Wirtschaft

Rekommunalisierung befördert Öko-Strom

Bislang 23 Neugründungen von Stadtwerken

Die Rekommunalisierung der Energieversorgung bietet gute Chancen für den Ausbau der Erneuerbaren.

In der niedersächsischen Gemeinde Wangerland, nördlich von Oldenburg an der Nordseeküste gelegen, gibt es beste Bedingungen für umweltfreundliche Energieerzeugung. Seit 1996 steht hier der Windpark Bassens, der rund 10 000 Haushalte mit Strom versorgen kann. Die 45 Windräder sollen nun aber durch einen modernen, leistungsfähigeren Windpark ersetzt werden, an dem sich Bürger, Landwirte und die Kommune beteiligen können. Mit im Boot ist der Versorger FriesenEnergie GmbH – die Tochter der 2010 gegründeten Gemeindewerke Wangerland bietet ausschließlich Öko-Strom (60 Prozent Wind, 40 Prozent Wasser) an. Um den reibungslosen Transport des Windstroms gegenüber der Kohle- und Atomkonkurrenz zu gewährleisten, beabsichtigt die Kommune zudem, das Stromnetz künftig in Eigenregie zu betreiben. Die Wegenutzungsverträge mit dem derzeitigen Betreiber, dem Energiekonzern EWE, enden im Dezember 2012. Die Gewinne der Gemeindewerke sollen in den Bau neuer regenerativer Anlagen fließen, aber auch in die Konsolidierung des Kommunalhaushaltes.

Wangerland gilt als eine Vorzeigegemeinde bei der Rekommunalisierung des Energiebereichs, die bundesweit vorankommt. Laut einer aktuellen Studie des Vereins Bürgerbegehren Klimaschutz (BBK) hat es in diesem Zusammenhang bisher 23 Neugründungen von Stadt-, Gemeinde- oder Regionalwerken gegeben, elf weitere befinden sich in der konkreten Gründungsphase. Viele Gemeinden prüfen derzeit, die Stromnetze wieder in die öffentliche Hand zu überführen – allein 2011 werden etwa 950 und 2012 etwa 1200 Konzessionsverträge enden.

Nach BBK-Angaben bringt die Rekommunalisierung auch die erneuerbaren Energien voran. Bei dem größten Teil der Stadtwerksneugründungen liegt ihr Anteil am Vertrieb höher als im bundesweiten Durchschnitt, heißt es in der Studie. Vier Stadtwerke bieten sogar 100 Prozent Öko-Strom an, vier weitere mindestens 50 Prozent. »Dabei ist das Engagement für erneuerbare Energien aber durchaus ausbaufähig«, meint BBK-Sprecher Stefan Taschner. Das gelte für den Öko-Anteil am Stromvertrieb genauso wie für die Errichtung eigener Anlagen zur Stromerzeugung und auch den Netzbetrieb. Letzterer wird zunehmend wichtig, weil das deutsche Stromnetz gemäß den Erfordernissen der dezentral gewonnenen erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren massiv umgebaut werden muss.

In Sachen Rekommunalisierung ist Baden-Württemberg mit acht Neugründungen von Stadtwerken führend, während Ostdeutschland hinterherhinkt: Hier gab es bisher erst eine einzige Neugründung – in Schmalkalden (Thüringen).

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