27.01.2011
Fragwürdig

Gerechtigkeit für die Miami Five?

Irma Sehwerert über die doppelte Moral im Justizwesen der USA m/ Irma Sehwerert ist die Mutter von René González, einem der fünf politischen Gefangenen (Cuban five) aus Kuba in US-Gefängnissen

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ND: 2001 wurden fünf Kubaner wegen der Überwachung gewaltbereiter Exilgruppen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. International ist die Gruppe als »Cuban Five« beziehungsweise »Miami Five« bekannt. Frau Sehwerert, Ihr Sohn René hat mit 15 Jahren die geringste Einzelstrafe erhalten. In voraussichtlich zwei Jahren wird er aus der Haft in den USA entlassen. Wie stellen Sie sich den Tag seiner Rückkehr vor?
Sehwerert: Es wird eine immense Feier sein, ein großer Freudentag für das gesamte kubanische Volk. Nach einer jahrelangen politischen Kampagne ist jeder der fünf Männer für eine kubanische Mutter so etwas wie ein eigener Sohn geworden.

Das ist die politische, öffentliche Seite. Wie werden Sie Ihren Sohn persönlich empfangen?
Wir werden im engeren Kreis, in der Familie feiern. Und ich werde ihm eine Suppe kochen, die er sehr mag. Manchmal haben wir in Briefen darüber gescherzt. »Mama«, hat er dann geschrieben, »erzähl nicht überall rum, dass ich Suppen mag, sonst bekomme ich nach meiner Rückkehr nichts anderes mehr vorgesetzt.«

Wenn Ihr Sohn aus der Haft entlassen sein wird, verbüßen die anderen vier Gefangenen weiter längere Haftstrafen, unter Umständen lebenslang. Wie geht René damit um?
René belastet das sehr, und auch wir denken immer daran und es macht uns traurig. Lassen Sie mich eines klar sagen: Wir kämpfen darum, dass die Fünf gemeinsam aus der ungerechten Haft entlassen werden. Und wir haben noch immer einen restlichen, einen letzten Funken Hoffnung, dass etwas geschieht und alle fünf Gefangenen freikommen. Auf jeden Fall wird René diesen Kampf persönlich unterstützen können, wenn er wieder in Freiheit ist. Er wird besser und überzeugender von seinen Motiven und Erfahrungen berichten können.

Welche juristischen Möglichkeiten sehen Sie bis dahin noch?
Ich sehe da kaum noch Optionen. Aber wir geben nicht auf. Ende dieses Monats wird erneut eine Petition bei der Vorsitzenden Richterin eingereicht werden, die beiden lebenslangen Strafen gegen Gerardo Hernández zurückzunehmen. Er hat das höchste Strafmaß. Die Anwälte arbeiten an dieser Initiative sehr hart ...

... obgleich Sie immer wieder betonen, dass es eigentlich ein politischer Fall ist.
Ja, das ist er, und deswegen ist die Solidarität so wichtig. Nur die Solidarität wird die Fünf befreien können. Es wird sich nur etwas bewegen, wenn international der Druck auf die US-Regierung erhöhnt wird und wenn den Herrschenden in Washington immer wieder klar gemacht wird, dass Menschen weltweit von diesem Fall wissen. Das Bild der USA wird dadurch schließlich schwer beschädigt. Vor allem, wenn man an den sogenannten Krieg gegen den Terror denkt.

Kubanische Medien haben deswegen auch auf einen parallelen Prozess verwiesen, der in Texas gegen den ehemaligen CIA-Mann Luis Posada Carriles stattfindet.
Was für ein Hohn! Posada Carriles kann in den USA frei herumlaufen, obwohl er in Kuba und Lateinamerika Terror gesät und gemordet hat. Unsere fünf Söhne und Ehemänner, die unser Land vor solchen Taten schützen wollten, sind in Haft. Das ist eine Schande für die USA.

Fragen: Harald Neuber