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Statt KSK-Soldaten sollten endlich mehr Diplomaten nach Afghanistan geschickt werden.
Foto: Bundeswehr
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Auch wenn es unzulässig ist, Völker- und Menschenrechte sowie die Situation der afghanischen Bevölkerung sowie die der in den Krieg geschickten deutschen Soldaten an den Rand zu stellen – in unserer Gesellschaft wird fast alles in einer Kosten-Nutzen-Relation betrachtet. Was also kostet uns das »Abenteuer« Afghanistan?
Nebst Opfern auf beiden Seiten Milliarden. Sehr viel konkreter kann die Bundesregierung die reale Summe nicht beziffern. Addiert man offizielle Afghanistan-Ausgaben vom Verteidigungs-, Entwicklungs-, Außen- und Innenministerium, kommt man auf rund 6,5 Milliarden Euro. Über zwei Drittel verschlingt das Militär. Doch damit hat man nur einen Bruchteil der realen Kosten aufgelistet.
Die Differenz zum Tatsächlichen beginnt schon beim Sold der bislang fast 90 000 Soldaten und den Gehältern der rund 1300 Polizisten, die Bund und Länder an den Hindukusch schickten und schicken. Medizinische Behandlung der »bewaffneten Botschafter«, Entschädigungen und Witwenrenten, Anschaffung und Wertminderung von Material, zusätzliche Sicherheitskosten ob wachsender Terrorgefahren, Entwicklungs- und andere Hilfe für Nachbarländer wie Pakistan und Usbekistan sowie die Zinsen hinzugerechnet... Folgt man dem DIW-Szenario, das einen Rückzug ab 2014 zur Grundlage hat, kämen rund 26 bis 47 Milliarden Euro zusammen.
Das ist einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zu entnehmen, in der verschiedene politische und militärische Szenarien durchgerechnet werden. Falls sich Deutschland 2011 zurückzieht, stünde unterm Strich eine Summe zwischen 18 und 33 Milliarden Euro.
Doch das gestern verabschiedete Mandat beinhaltet keinen sofortigen Abzug. Den fordern nur die LINKEN (siehe unten) und einige wenige »Verirrte« anderer Parteien. Jedes Jahr, das die Bundeswehr länger im Kriegseinsatz bleibt, kostet den deutschen Steuerzahler 2,5 bis 3 Milliarden Euro. Offiziell weißt die Bundesregierung jedoch für das Jahr 2010 nur 1,059 Milliarden Euro Kriegskosten aus.
Doch an einen schnellen Ausstieg glaubt niemand, der vor Ort mit den sehr differenzierten afghanischen Realitäten umgeht. Auch nicht US-General David Petraeus. Der kommandiert die US-Truppen in Afghanistan und alle in der ISAF vereinten Verbündeten. Er warnt – wie die meisten verantwortlichen Militärs – vor zu lautem Abzugsgerede. Denn, so fasste es Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) – das ist der, der Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt wissen wollte – zusammen: »Wir haben die Uhr und die Taliban die Zeit.« Insgesamt, so ist spürbar, gibt es auch nach der vor knapp einem Jahr stattgefundenen Londoner Afghanistan-Konferenz kein Konzept für die Zukunft des Landes. Die Verantwortlichen beider Seiten finden noch immer – nach zehn Jahren! – keine Balance zwischen militärischem, politischem und wirtschaftlichem Engagement.
Unstrittig ist inzwischen, dass es politische Verhandlungen mit den Taliban und anderen Aufständischen geben muss. Auch eine Machtteilung wird vom Westen für unabdingbar gehalten. Doch dazu wollen die USA militärisch eine starke Ausgangsbasis schaffen. Im vergangenen Vierteljahr wurden laut US-Angaben 365 Kommandeure der Aufständischen und 1300 ihrer Kämpfer getötet. Die Anzahl der Gefangenen soll in derselben Größenordnung liegen.
Zu den militärischen Erfolgen der Besatzer tragen weniger große Offensiven bei. Vor allem in Helmand und Kandahar hat sich gezeigt, dass Siege nicht von Bestand sind, wenn es nicht gelingt, nach den Militäroperationen eine geachtete staatliche Verwaltung aufzubauen. Dazu gehören vor allem eine vertrauenswürdige Polizei sowie eine gesetzestreue Justiz. Es ist offensichtlich eine Tatsache, dass sich die Masse der Bevölkerung unter der – zwar drakonischen, doch verlässlichen – Ordnung der Taliban sicherer fühlt.
Die USA setzen in ihrer Sicherheitsstrategie vor allem auf sogenannte »Night Raids«. Dazu wurde die Kapazität der US Special Forces im vergangenen Jahr nahezu verdreifacht. Auch die deutsche KSK-Elite ist mit von der »Partie«. Während Unterhändler der westlichen Staaten und der Kabuler Regierung tags auf Suche sind nach Gesprächspartnern, mit denen sich über Schritte zur Versöhnung reden lässt, überfallen nachts Spezialeinheiten erkannte Führern der Aufständischen. So soll es weitergehen, man trainiert bei den Einsätzen afghanische Elitekämpfer. Kabuls Armee verfügt bereits über sieben derartige Spezialeinheiten.
80 Prozent der Kommandoeinsätze verlaufen ohne Schießerei, sagt der deutsche Brigadegeneral Josef Blotz, der selbst solche nächtlichen Attacken absegnet. Allein in den letzten drei Monaten 2010 hat die ISAF bei solchen Operationen 2500 »böse Jungs« festgenommen oder getötet. Der General weiß allerdings auch, dass viele Einsätze neben dem ISAF-Kommando geplant und durchgeführt werden.
Kommandoeinsätze, so sagt sogar Afghanistans Präsident Hamid Karsai, seien politisch kontraproduktiv. Damit meint er freilich nicht die, die jenseits der Grenze in Pakistan »laufen«. Davon kann es nach seiner Ansicht nicht genug geben, denn dort sei der Hort der Hardliner-Taliban. Nein, »Night Raids« in seinem Land verbreiteten nur Angst und Schrecken vor allem unter der ländlichen Bevölkerung, sie verhinderten den Aufbau von Vertrauen, sagt der Präsident und stellt die heranziehende grundsätzliche Schicksalsfrage: Afghanistan als Republik oder islamisches Kalifat?
Doch mit wem soll man verhandeln, wenn nächtliche Killer die Anzahl der Autoritäten auf der anderen Seite reduzieren? Gerade sie muss man als Partner beim Aufbau eines neuen Afghanistan mit einem Mindestmaß an demokratischen Rechten gewinnen. Um zumindest einige der unkontrollierten Aktionen zu unterbinden, verbot Karsai nicht lizenzierte private Sicherheitsunternehmen.
US-Militärs und Geheimdienstler verweisen darauf, dass man in Afghanistan die »Überlebensdauer« von Taliban-Führern auf zwei bis drei Monate gekürzt habe. Ein Nebeneffekt: Das Alter der Kommandeure sank auf unter 30 Jahre. Die Aktionen der so geführten Einheiten lassen immer häufiger jegliche Besonnenheit vermissen, immer öfter wird der Tod unbeteiligter Zivilisten in Kauf genommen.
Das alles steht so nicht in den Papieren, die man den Bundestagsabgeordneten zum Teil sogar als Verschlusssache aushändigt. Nicht einmal die ausweglose Situation, in der sich die Bundeswehr befindet, wird erklärt. Nur dank des massiven Einsatzes von US-Truppen im Bereich des Regionalkommandos Nord konnte die Bundeswehr ihre Positionen um Kundus halten. Inzwischen gilt schon die Sicherung einer Kreuzung an zwei Nachschubstraßen als militärischer Erfolg. Und der wird verdammt teuer erkauft.
Die Volksvertreter, die für den Krieg in Afghanistan im Bundestag abgestimmt haben, haben sich gegenüber ihren Wähler verfassungswidrig verhalten.
Über 80% der Deutschen wollen den Krieg nicht, sondern die Bundeswehr sollte sich schnellsten aus Afghanistan zurück ziehen.
Hinsichtlich der Verachtung des Volkes durch seine Volksvertreter bezeichne ich die BRD als einen Unrechtstaat. Man läßt sich heuchlerisch vom Volk wählen und dann wendet man sich gegern den Willen des Vokes.
Für mich ist das ein unerhörter Vorgang
Matti, der Vorgang ist unerhört. Unerhört aber im doppelten Sinn. Der Vorwurf, daß hier Verfassungsbruch geschiet, wird nicht erhört werden. Die Mehrheit der Abgeordneten negiert bei jeder Sitzung das Grundgesetz. Es untersagt nämlich Fraktionszwang Dem Fraktionszwang geben sich aber die Emdebees (syn. für Prostituierte) aller Farbschattierungen gerne hin, Tun sie es nicht, gibt es eine Abmahnung, tun sie es doch, wird ihnen fristgerecht (zur nächsten Wahl) gekündigt. Wäre das nicht so,wäre doch die ganze Demokratie im Eimer
Seit fast 200 Jahren haben alle Aggressoren dort bis zu ihrem bitteren Ende die afghanischen Völker massakriert. Taliban ist auch so ein Mythos geworden.
Wer behauptet, die BRD sei deshalb ein Unrechtsstaat, liegt doch ganz offensichtlich schief. Abstimmungsverhalten von Bundestagsabgeordneten und vermeintliche Volkmeinung stimmen doch oft nicht überein.
Im Grundgesetz Art 38(1) steht: "Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages ... sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen."
Außerdem:
Wer eine Partei wählt, deren Politiker/Funktionäre behaupten, dass Deutschlands Freiheit am Hindukusch verteidigt werde, darf dann nicht erwarten, dass da etwas andres herauskommt im Bundestag.
Wer eine Partei wählt, die die Abschaffung der Kopfnoten in der Schule verspricht, darf nicht erschüttert sein, wenn die Kopfnoten wirklich verschwinden, sobald diese Partei an die Macht gelangt ist.
Und wer in Berlin bald die Grünen wählen will, weil sie so schön grün sind, darf dann nicht schimpfen, wenn plötzlich - entgegen der Volksmeinung - für Berlin generell maximal 30 km/h gelten werden.
Das hat nichts mit Unrechtsstaat zu tun.
Otto41
Man kann ja die Sache etwas relativieren. Dann haben wir es eben nicht mit einem Unrechtstaat zu tun, sondern eben mit einem Unrechtsparlament. Kommt aber aufs gleiche heraus.
Wer sich für den Krieg als Volksvertreter im Bundestag entscheidet, hat sich gegen das eigene Volk entschieden, weil über 90% der Deutschen den Krieg in Afghanistan nicht will. Und wer sich bei dieser wichtigen Sache enthält wie die verlogenen Grünen, den sollte man aus dem Bundestag jagen. Was dort im Bundestag vor dem Volk sich abspielt, ist einfach nur widerlich. Aber das Deutsche Volk, der Michel, hat eben nichts Anderes verdient. Das Deutsche Volk ist eben alternativlos.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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