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Von Hendrik Lasch, Dresden 31.01.2011 / Umwelt

Bürger für Flusslandschaften

7000 Teilnehmer bei »Fackeln für die Elbe« / Saale-Kanal auf der Kippe?

Bei einer bundesweiten Aktion haben 7000 Menschen gegen den Ausbau der Elbe und anderer Flüsse protestiert. Während die Planung für eine Staustufe in Tschechien läuft, steht der Saalekanal wohl auf der Kippe.

»Staustufe Elbe 21« steht auf dem Schild, das ein Teilnehmer der Aktion »Fackeln für die Elbe« in Dresden trägt. Was dem Stuttgarter sein Bahnhof und der Protest gegen die Zerstörung durch einen überteuerten Umbau, das sollte – so die Botschaft des Schilds – dem Elbeanwohner der Fluss und der Widerstand gegen die Zerstörung durch Ausbau sein. Stuttgarter Dimensionen hat der Protest gegen den Bau von Staustufen, Kanälen und verschotterten Ufern zwar noch nicht erreicht, rund 7000 Menschen hätten an der Aktion »Fackeln für die Elbe«, die am Samstag abend in 45 Orten entlang von Elbe, Saale, Donau und Schwarzer Elster stattfand, aber teilgenommen, sagt Iris Brunar vom BUND in Sachsen-Anhalt: »Wir sehen das als Erfolg.«

Erfreut registriert Brunar, dass nicht zuletzt in kleineren Städten viele Menschen mit Fackeln und Laternen an den Fluss gekommen seien: 500 in Dessau, 400 in Coswig, 240 in Torgau. Das eben abgeflossene Hochwasser habe es als Motivation nicht gebraucht. Zwar gehöre zu den Botschaften der Aktion, dass ökologischer Hochwasserschutz wichtiger sei als der teure Ausbau von Wasserstraßen. Lobend verweist der BUND etwa auf eine 400 Hektar große, neu angelegte Überschwemmungsfläche bei Lenzen (Brandenburg). Vielen der Teilnehmer, sagt Brunar, gehe es aber »generell um den Erhalt intakter Flusslandschaften.«

Die Protestaktion, zu der BUND, Umweltinitiativen, Vereine, Parteien und Kirchen aufrufen, richtete sich in diesem Jahr vor allem gegen drei Großprojekte, die Flusslandschaften stark in Mitleidenschaft ziehen: die Elbvertiefung bei Hamburg, den Bau einer Staustufe in Tschechien und den geplanten Saale-Seitenkanal kurz vor deren Mündung in die Elbe.

Dabei zeichnen sich unterschiedliche Entwicklungen ab. Die Pläne für die Staustufe unterhalb von Decin, die seit Jahren in Schubladen lagen, werden von der aktuellen tschechischen Regierung stark forciert. Konkrete Pläne liegen seit einigen Wochen in Tschechien aus; heute abend findet im Ratskeller in Dresden eine öffentliche Informationsveranstaltung mit Vertretern der Wasserwirtschaftsbehörde und des Prager Verkehrsministeriums statt.

Sehr kurzfristig abgesagt wurde dagegen ein für Dienstag in Bernburg geplanter so genannter Scoping-Termin zum Saalekanal. Die Magdeburger Wasser- und Schifffahrtsdirektion verweist auf »aktuelle Entwicklungen«, die es »nicht sinnvoll« erscheinen ließen, den Termin durchzuführen. Hintergrund könnten Überlegungen im Bundesverkehrsministerium sein, Ausbauprojekte nur noch an ausreichend stark befahrenen Flüssen zu finanzieren. Der BUND prophezeit seit langem, an der Saale werde ein »Geisterkanal« geplant, weil die wechselnden Pegelstände der anschließenden Elbe keine Nutzung mit großen Schiffen zuließen. Man könne es sich, sagt BUND-Expertin Brunar, »schlicht nicht leisten, jetzt dort ein teures Planfeststellungsverfahren zu beginnen«.

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