Von Caroline M. Buck
31.01.2011

Gewalt

Kino: »Tal der Wölfe«

Der türkische Film »Tal der Wölfe – Palästina« ist der vierte Spielfilm-Ableger einer populären türkischen Fernsehserie. Und hierzulande für Jugendliche verboten. Warum die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ihrer Jugendschutzfunktion nachkam und nun die Altersgrenze »ab 18 Jahren« vergab, ist nachzuvollziehen. Ein Film, der sich seine psychopathischen Bösewichte in den Kommandozentralen der israelischen Armee sucht. Der einen moralfreien jüdischen Über-Manager vom »heiligen Blut« dozieren und von einem Groß-Israel vom Euphrat bis zum Nil träumen lässt. Ein Film, der den Davidstern zum zentralen Emblem einer gnadenlosen Unterdrückung macht und sich am Ende gar als Aufruf zu einer hochgerüsteten dritten Intifada lesen lässt. Dies alles musste gerade in Deutschland alle Alarmglocken schrillen lassen.

Ob der Film darüber hinaus Anlass zu einer Verfolgung gemäß dem Volksverhetzungs-Paragraphen des Strafgesetzbuches gibt, wie im Vorfeld vereinzelt gefordert wurde, scheint angesichts seiner schlichten Machart eher fraglich. Da fährt Polat Alemdar, ein düsterer Schönling, nach Ostjerusalem – als Rächer für die Toten der (realen) Gaza-Flotille, bei deren Entern durch die israelische Armee im Mai 2010 neun türkische Aktivisten starben. Nicht nach Israel sei er gekommen, sondern nach Palästina, verkündet er gegenüber israelischen Wachtposten provokant, und macht auch keinen Hehl aus dem Ziel seiner Mission: Moshe Ben Eliezer wolle er töten (töten, nicht festnehmen, wie der Kölner Verleih in seinem Kurzinhalt des Films beschönigt), den Verantwortlichen für die Enter-Aktion der israelischen Marine.

Zusammen mit seinen Helfershelfern bildet Polat Alemdar also eine türkisch-muslimische Variante jener notorischen Mossad-Kommandos, die im Ausland auf Jagd nach anti-israelischen Terrorverdächtigen gehen. Ein Feuerwechsel folgt dem nächsten, und nie bleibt weniger als ein Dutzend Tote zurück. Da werden Häuser zerstört, Büros zerlegt, Märkte unter Feuer genommen, Helikopter reihenweise gesprengt und Kollateralschäden ohne jedes Zögern in Kauf genommen – von beiden Seiten. (Wäre Israels Armee nur halb so inkompetent, wie der Film schildert, so hätte es den Staat wohl nur sehr kurz gegeben.)

Die FSK verglich »Tal der Wölfe – Palästina« mit einem Gewalt verherrlichenden Kriegsfilm. Auf Anwürfe, er sei anti-semitisch oder jedenfalls anti-israelisch, ging sie nicht ein. Tatsächlich ersetzt der Davidstern hier alle anderen israelischen Hoheitszeichen. Eine jüdische Reiseleiterin mit US-Pass irrt durch die Schusswechsel, lernt Empathie mit den geknechteten Palästinensern und wird um ein Haar von »eigenen« Leuten hingerichtet – denen sie vorhält, sie seien alle keine guten Juden. Da gab es dann doch Gelächter aus den Reihen der zumeist türkischstämmigen Zuschauer in der besuchten Berliner Vorführung. Am Ende allerdings auch einigen Applaus.