Von Anouk Meyer
02.02.2011

Was darf's denn sein?

Kinderträume: Seine schönsten Miniatur-Kaufmannsläden zeigt das Märkische Museum

Von Steffen Schmidt Dividenden werden den Aktionären des
Handelswaren im Kleinstformat: Kaufladen, Kolonialwaren aus Holz, um 1905

Im Kolonialwarenhandel gibt’s Gewürze, Gurkenfass und Waschmittel, am Blumenstand »Flora« körbeweise Pflanzen, und beim Hutmacher locken Regale voll hübscher Kopfbedeckungen, Hutschachteln und Federn – alles im Kleinstformat. Seine 40 schönsten Miniaturläden zeigt das Märkische Museum seit dem 30. Januar in der Ausstellung »Was darf’s denn sein? Kinderträume Kaufmannsläden« und erzählt zugleich von 200 Jahren Berliner Spiel- und Handelsgeschichte.

Vom puppenstubengroßen Stoffladen aus der Biedermeierzeit über Gemischtwarenladen und Fleischerei bis zum begehbaren Kaufmannsladen, in dem die Kinder Verkäufer spielen können, stammen sämtliche Mini-Läden aus der beachtlichen Spielzeugsammlung der Stiftung Stadtmuseum. Viele der Lädchen hatte der Berliner Architekt und Sammler Peter Jürgen Haug auf Trödelmärkten gefunden und mit Zubehör ausgestattet. Ordentlich restauriert, werden sie nun im Obergeschoss des Märkischen Museums in einem neu erschlossenen Rundgang zur Schau gestellt und veranschaulichen nicht nur den Wandel der Spielkultur, sondern legen im Verein mit Werbeschildern, Grafiken und Fotos auch Zeugnis ab von der Geschichte des Handels.

Denn auch in Berlin entwickelten sich aus den traditionellen Wochenmärkten erst allmählich die großen Markthallen, aus Krämerläden und Kolonialwarenhandlungen wurden mit der Einführung der Selbstbedienung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Supermärkte und Kaufhallen. Mit Originalprodukten und schönen alten Blechwerbeschildern stellt die Schau typische Altberliner Unternehmer wie Bolle oder den Spirituosen- und Getränkehändler Meyer vor, der mit dem Slogan »Keine Feier ohne Meyer« um Kunden warb. In Gemälden, alten Fotografien und Exponaten wie dem »Hertie-Spiel« wird die Entstehung der großen Warenhäuser wie Wertheim oder Tietz dokumentiert, in denen man neben Haushaltsprodukten auch serienmäßig hergestellte Kleidung kaufen konnte. Bunte Illustrationen mit Mode- und Frisurentrends markieren den Vorläufer heutiger Frauenzeitschriften, eine Vitrine mit Hüten, Borten und Schleifen zeigt, wie es früher beim »Putzmacher« aussah.

Auch auf die Entwicklung der Zahlungsmittel, vom Tauschhandel über Münzen und Papiergeld bis zur Kreditkarte geht die detailreiche Ausstellung ein. In Vitrinen lässt sich Spielgeld und echtes Geld aus Ost und West vergleichen. Daneben sind alte Nationalkassen und ein Waffel-Automat zu bewundern sowie die Haushaltsbücher der Berliner Kaufmannstochter Ursula Kleinmichel, die das Stadtmuseum erstmals präsentiert. Die akribisch geführten Bücher, die von 1943 bis 1992 reichen, erzählen die Lebensgewohnheiten einer selbstständigen Frau durch bewegten Zeiten hindurch.

Mit der neuen Schau will das Museum die ganze Familie ansprechen: Neben Kuratorführungen gibt es Kurse, in denen man sich einen eigenen Kaufmannsladen basteln kann, und vieles mehr. Zur Eröffnung am Samstag ab 16.30 Uhr können die jungen Besucher Körbe flechten und Gewichte schätzen; der bespielbare Kaufmannsladen steht den Kleinen grundsätzlich offen.

Vom 30.1. bis auf weiteres, geöffnet Di., Do.-So. 10-18 Uhr, Mi. 12-20 Uhr; Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, Mitte, Programm und Infos unter: www.stadtmuseum.de

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken