04.02.2011
Personalien

Der Zuhörer

Nikolaus Schneider - der Ratsvorsitzende der EKD besucht die ISAF-Truppe

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»Ich bin gekommen, um zuzuhören«, sagt Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche. Der 63-Jährige ist zusammen mit dem evangelischen Militärbischof Martin Dutzmann und dem EKD-Friedensbeauftragten zu Besuch bei den Bundeswehrtruppen in Afghanistan. Im Gespräch mit Soldaten und Hilfsorganisationen wollen sich die Geistlichen selbst ein Bild machen vom ISAF-Einsatz, den der Bundestag vor einer Woche um ein weiteres Jahr verlängerte.

Man gewinnt den Eindruck, als wolle Schneider sich mit besonders vorsichtigen Äußerungen von seiner populären Amtsvorgängerin Margot Käßmann abgrenzen. »Nichts ist gut in Afghanistan«, hatte Käßmann in ihrer Weihnachtspredigt 2009 in Hannover gesagt, und: »Waffen schaffen offensichtlich auch keinen Frieden.« Sie löste damit eine große Debatte aus. Eine Einladung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in das Kriegsgebiet nahm sie nicht wahr.

Schneider, seit 2003 auch Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, hatte Käßmanns Amt nach deren Autofahrt unter Alkoholeinfluss zunächst kommissarisch übernommen. Als er im November vorigen Jahres offiziell von der Synode der EKD zum Ratsvorsitzenden gewählt wurde, kündigte er an, sich wie Käßmann keineswegs nur in kirchlichen Belangen äußern, sondern sich auch bei politischen Themen einmischen zu wollen. In der Folge kritisierte er etwa die Energiepolitik der Regierung und die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze. Doch den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr scheint Schneider derzeit nicht grundsätzlich in Frage zu stellen: »Wie weit kann das neue Konzept des offensiveren Vorgehens der Bundeswehr zu einem Erfolg geführt werden? Und wie weit können wir als evangelische Kirche da ethisch mitgehen?«, fragte er sich nach Informationen von epd an seinem ersten Besuchstag bei der Truppe.

Sich einzumischen versprach Schneider den Soldaten, wenn die politische Debatte im Bundestag über den Einsatz genutzt werde, um andere politische Spiele zu spielen. »Dafür sind Sie nicht hier. Dafür hält man seine Knochen nicht hin. Sie können sich darauf verlassen: Dazu werden wir etwas sagen.« Regina Stötzel

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