09.02.2011

Fall Assange kann sich hinziehen

Endgültige Entscheidung in Wochen oder Monaten?

London (dpa/ND). Wikileaks-Gründer Julian Assange hat am Dienstag seinen Kampf gegen eine Auslieferung von Großbritannien nach Schweden fortgesetzt. Zum Auftakt des zweiten und letzten Verhandlungstages in dem Auslieferungsprozess in London wurde der frühere schwedische Oberstaatsanwalt Sven-Erik Alhem vernommen. Alhem, der als Entlastungszeuge für Assange aufgeboten wurde, hatte sich in Medienberichten kritisch über die Herangehensweise der schwedischen Justiz an den Fall geäußert.

Die Göteborger Staatsanwältin Marianne Ny wirft Assange vor, im August in Stockholm zwei Frauen sexuell belästigt und eine von ihnen vergewaltigt zu haben. Dabei geht es um die Frage, ob Assange gegen den Willen der Frauen und mit Gewalt durchgesetzt hat, dass der grundsätzlich einvernehmliche Sex ungeschützt erfolgte.

Eine Entscheidung des Gerichtes über die Auslieferung noch am Dienstag war unwahrscheinlich. Angenommen wurde, dass der Belmarsh Magistrates Court seinen Spruch erst später bekannt gibt. Unabhängig vom Ausgang wird erwartet, dass die unterlegene Seite Berufung einlegt, so dass die endgültige Entscheidung noch Wochen oder sogar Monate dauern könnte. Assange wird in dem Prozess von einem ganzen Stab von Anwälten aus Großbritannien, Australien und Schweden vertreten. Sein schwedischer Anwalt Björn Hurtig legte dem Gericht am Dienstag eine schriftliche Stellungnahme vor. Er habe in seiner juristischen Karriere noch keinen Vorwurf erlebt, der auf schwächeren Füßen stehe, hieß es darin.

Die Strategie der Verteidigung zielt vor allem auf die Tatsache, dass es in Schweden bisher keine Anklage gegen Assange, sondern nur ein Ermittlungsverfahren gibt. Eine Auslieferung nur zum Zwecke einer Beschuldigtenvernehmung sei nicht verhältnismäßig.

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