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Von Mark Wolter
12.02.2011

Auf der Piste mit dem Lawinenkommissar

Wintersport im Dreiländereck: Nauders im österreichischen Tiroler Oberland

Bild 1
Auf der Piste mit Blick auf Nauders im Dreiländereck – direkt links des Ortes verläuft die Grenze zur Schweiz und zu Italien.

Schnee ist nicht gleich Schnee. So weit, so einfach. Aber dann wird es schwieriger: Gerhard Pedrolini sticht seine Schaufel in die tiefe Schneedecke. »Er ist nicht einfach nur weiß. Es gibt ganz verschiedene Arten und Konsistenzen«, sagt er und buddelt sich in ein großes Loch. Mit den Fingern kratzt er die untereinander liegenden Schichten frei, sucht nach Bruchstellen und prüft die Reibungsfestigkeit. »Lose Schneeblättchen können als Gleitschicht für die folgende Periode gefährlich werden«, erklärt Pedrolini grob vereinfacht und schätzt den Hang mit erfahrenem Blick auf der Fünfer-Skala ein. »Maximal Lawinenwarnstufe drei.«

Bild 2
Lawinenkommissar und Bergführer Gerhard Pedrolini prüft Konsistenz und Reibungsfestigkeit des Schnees für sein Schichtprofil.

An diesem Tag ist das Skifahren auf den Pisten von Nauders ungefährlich. Mit Gerhard Pedrolini sowieso, denn der von der Höhensonne gebräunte 39-Jährige ist nicht nur Lawinenkommissar in dem Tiroler Wintersportort am Dreiländereck, sondern auch schon seit 20 Jahren Skilehrer und noch länger Bergführer. Pedrolini kennt das Gebiet genau – auch abseits der für die Ski- und Snowboardfahrer angelegten 70 Pistenkilometer, der Langlaufloipen und der begehrten längsten Rodelbahn Tirols, die aus 2200 Metern Höhe über acht Kilometer ins Tal führt.

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Nauders ist das größte Dorf am Reschenpass, der einst als Handelsweg das Salzburger Land mit den Häfen am Mittelmeer verband. Heute ist der Alpenübergang, den sich Österreich, Italien und die Schweiz teilen, vor allem eine Wintersporthochburg. Mit Schöneben und der Haider Alm in St. Valentin auf der italienischen Pass-Seite stehen insgesamt 120 Kilometer präparierte Pisten zur Verfügung. 24 Lifte bringen die Skifahrer auf bis zu 2850 Höhenmeter, ein Skibus fährt sie kostenlos von einer Talstation zur nächsten.

Neben Abfahrten, Buckelpisten und »Funparks« mit Halfpipe und Sprungrampen für Freestyler und Boarder gibt es rund um Nauders auch andere Möglichkeiten, den Winter zu genießen. Wer nicht auf die Piste will, kann Schneeschuhwandern, Eisklettern oder auch Eissegeln auf dem zugefrorenen Reschensee, der seine Besucher mit einem besonderen Wahrzeichen begrüßt. Mitten aus dem Wasser oder der Eisfläche im Winter ragt der Turm einer alten Pfarrkirche, der wie ein stilles Mahnmal an die einstigen Dörfer Graun und Reschen erinnert, die der Flutung des künstlichen Stausees 1950 zum Opfer fielen. Auf die Entscheidung der damaligen Regierung aus industriellen Gründen und ohne Recht auf Realersatz ist man in den ersatzweise angelegten Dörfern bis heute nicht gut zu sprechen.

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Geht es nach Gerhard Pedrolini, ist der schönste Weg den Winter zu genießen, abseits von allem Menschengemachten – dort wo es keine Wege gibt. Er deutet in Richtung des 3000 Meter hohen Großen Schafkopf im Rücken der Lärchenalm, auf den kein Lift hinaufführt. Gerne geht er dorthin, wo es für andere ohne das nötige Wissen zu gefährlich wird. Ständig beobachtet Pedrolini die verschneiten Hänge. Bei jedem Windumschwung oder Helikoptergeräusch zückt er sein Fernglas. Neben seinem Ehrenamt in der Lawinenkommission, in das ihn der Bürgermeister auf Grund seiner Erfahrung berufen hat, ist er auch freiwilliger Bergretter. Regelmäßig besucht der dreifache Familienvater Kurse für Notfallmanagement, Kameradenrettung, Schneeanalyse und auch rechtliche Fragen. Ein Rucksack mit Lawinenpieper, Schutzairbag, der Schaufel und einer Sonde zum Aufspüren Verschütteter ist immer in der Nähe. »Es ist ein gefährlicher Job«, erzählt Pedrolini. »Man ist dann im Einsatz, wenn man zu jedem anderen sagt: Geh lieber nicht raus.«

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Sind die Bedingungen unbedenklich, führt Pedrolini Urlauber auf Erlebnistouren über die Berge rund um den Reschenpass, weit weg von präparierten und markierten Pisten. Mit Schneeschuhen oder Tourenski geht es die verschneiten Hänge hinauf, bevor man mit einer Abfahrt im jungfräulichen Tiefschnee belohnt wird. »Das ist der Traum eines jeden Skifahrers«, schwärmt Pedrolini. »Die perfekte Mischung.«

Langweilig wird dem nun schon seit 20 Jahren Urlauber betreuenden Skilehrer nicht – auch weil er immer neue Leute kennenlernt. Seit günstige Flugangebote die Pisten in Tirol schnell und bequem erreichbar machen, kommen die Winterurlauber mittlerweile nicht nur aus den herkömmlichen Nachbarländern, sondern aus vielen Ländern Europas nach Nauders.

So hat er nicht nur Stammgäste wie Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit oder Gregor Gysi getroffen, sondern war auch schon mit einem Finanzminister aus Liechtenstein oder einem Gas-Oligarchen aus Moskau auf einer seiner Erlebnistouren. »Nun kann ich sogar ein paar Worte auf Russisch«, sagt Pedrolini, der seine Erfahrungen mit den abwechselnden Gästen schätzt. »Das macht es immer wieder interessant.« Kein Tag und keine Tour gleicht der anderen. So wie jeder neue Schnee.

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