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Von Martin Kröger 15.02.2011 / Berlin / Brandenburg

Aufwasch nach Wasserentscheid

Initiatoren erwarten vollständige Offenlegung der Verträge / Wowereit erwägt, mehr zu zeigen

Die »Sache« ist für Thomas Rudek noch nicht zu Ende gebracht. Der Verfasser des Gesetzestextes für den Volksentscheid für die Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge bei den Berliner Wasserbetrieben (BWB) hätte zwar nach dem großartigen Abstimmungserfolg vom Sonntag allen Grund, sich zurückzulehnen. Aber für ihn sei der »Kampf« erst gewonnen, wenn es eine günstige Rekommunalisierung der BWB zurück in Bürgerhand gegeben habe. »Zunächst müssen wir aber darauf achten, dass unser Gesetz richtig und vollständig angewandt wird«, sagt Rudek, der im gleichen Atemzug noch einmal einen Dank an die 665 713 Berliner ausspricht, die für den ersten erfolgreichen Volksentscheid in der Hauptstadt gesorgt hatten.

Dass der rot-rote Senat tatsächlich alle Nebenreden und Beschlüsse zur Teilprivatisierung veröffentlicht hat, glaubt Thomas Rudek indes nicht. Er wittert angesichts der Debatte um jüngst aufgetauchte Papiere, die der Finanzsenat jedoch am Freitag als »konzerninterne Papiere« deklariert hatte, neuerliche »juristische Tricksereien«: »Wenn die Behörden glauben, dass sie mit ihrer Geheimniskrämerei weitermachen könnten, dann hat das jetzt Rechtsfolgen.«

Ob und wie das durch den Volksentscheid verabschiedete Gesetz konkret wirkt, war gestern unklar (siehe rechts). Von Seiten der privaten Eigner RWE und Veolia war erwartet worden, dass sie vor das Landesverfassungsgericht ziehen. Auf ND-Nachfrage erklärte aber der Vorsitzende der Geschäftsführung von Veolia Wasser, Michel Cunnac, dass sein Unternehmen darauf verzichte. Stattdessen setzt Cunnac auf Verhandlungen: »Ich wiederhole gerne, dass ich dem Land Berlin seit eineinhalb Jahren anbiete, Gespräche über die Modernisierung der Verträge zu führen.«

Auch der rot-rote Senat selbst zieht offenbar nicht mehr in Erwägung, zu klagen. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) betonte gestern zwar erneut, dass er den Gesetzestext für verfassungswidrig halte, er selbst neige aber nicht dazu, den Verfassungsgerichtshof anzurufen. Offiziell müsse jedoch der Senat darüber befinden. Eine Sitzung des Senats ist für den heutigen Dienstag geplant.

Für Aufsehen sorgte gestern der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er erwog gegenüber dpa, weitere Dokumente offenzulegen. »Wenn es dem Rechtsfrieden dient, sollen die auch veröffentlicht werden, sofern es rechtlich möglich ist«, sagte Wowereit. Außerdem zeigte er sich offen für eine unabhängige Überprüfung, ob alle geforderten Verträge bereits auf dem Tisch liegen. Ähnlich äußerte sich der Landeschef der LINKEN, Klaus Lederer, der zudem vorschlug, auch eine juristische Prüfung des Volksentscheid-Gesetzes vorzunehmen.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (LINKE) hatte zuvor indes gegenüber ND noch einmal darauf hingewiesen, dass der Senat »im November alle Teilprivatisierungsverträge vollständig offengelegt« habe. Dass sich im Abstimmungsergebnis »ein gewisses Misstrauen« gegenüber dem Senat zeige, räumte Wolf ein. Dennoch bewertete er den Volksentscheid auch als Signal dafür, dass die Bürger die Renditen für die Privaten nicht länger hinnehmen wollen. Wolf betonte, das Zeichen sei angekommen.

Neben Gesprächen mit RWE über den Kauf von deren Anteilen, die bereits begonnen hätten, will Wolf darüber hinaus die preistreibenden Faktoren aus den Verträgen streichen lassen. Außerdem setzt der Wirtschaftssenator auf die Prüfung des Trinkwasserpreises durch das Bundeskartellamt, die noch im Frühjahr abgeschlossen werden könnte.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Berliner Wasser

    Die Geheimverträge zur Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe im Jahr 1999, unter Verantwortung des CDU-SPD-Senats unterzeichnet, erregten seit langem den Unmut der Berliner. Etwa 280 000 Berliner hatten dafür in einem Volksbegehren unterschrieben, welches der Berliner Wassertisch initiierte.
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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 15. Feb 2011 13:37

    Eigentlich

    erwarten die BerlinerInnen eine sürbare Senkung der Gebühren

    • Permalink

  • Gockeline, 15. Feb 2011 15:16

    Zu verdanken ein paar mutigen Einzelpersonen!

    es zeigt wie Politik mit dem Bürger umgeht.
    Geheimverträge sollen geheim sein und bleiben,
    dass der Bürger nicht versteht was da abgeht.
    Dass er nicht protestieren kann.
    Es zeigt wie Politik ihre Buchhaltung macht
    mit lauter Buchungstricks.
    Nicht nur in Berlin so,sondern in allen Städten und Gemeinden, wo sie mit ihren Cross-Border-Verträge an Geld kommen wollten und wir heute mit Steuererhöhungen bezahlen müßen.
    Keiner will aufdecken ,welche Fehler wir heute bezahlen müßen,die unsere Politiker gemacht haben..
    Der Bund zieht immer mehr Geld zu sich und läßt die Städte und Gemeiden mit leeren Kassen alleine stehen.
    Die Gesetze die unsere Regierung macht,
    bezahlen Land +Stadt und Gemeide.
    Es zeigt wie alle Politiker kaum eine Buchhaltung beherrschen.
    Meist sind sie immer auf einem Auge blind.

    • Permalink

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