Jörg Meyer
25.02.2011

Abwertung eines Berufs

Der Verlegerverhandlungsführer Werner Hundhausen sagte am Mittwoch angesichts eines Fototeppichs mit Journalistenfotos, der den Weg zum Verhandlungsraum schmückte: »Wir trampeln nicht auf Journalisten rum«, und reiste ab. Wirklich nicht?

Grund für den Gewerkschaftsprotest war das Verlegerangebot, das eine Tarifabsenkung von bis zu 25 Prozent vorsieht. Urlaubsgeld fällt weg, Neue bekommen weniger, wer den Job wechselt, bekommt weniger, die überbetriebliche Altersvorsorge soll eingeschränkt werden – ein ganz schöner Klopper, den journalistisch neutral zu beschreiben beinahe die Worte fehlen, schreibt der Journalist.

Die Zeitungsverleger argumentieren mit ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage. Sicherlich: Die Abozahlen sinken beständig, doch wird nicht allerorten dem Aufschwung gehuldigt? Dann gehen bekanntermaßen auch die Werbezahlen hoch. So schlecht kann es also nicht sein. Das gerne bemühte Argument »Qualitätssteigerung« seitens der Arbeitgeber gilt auch nur bedingt. In den letzten Jahren wurden von über 15 000 Zeitungsredakteuren über 2000 entlassen. Mehr Qualität mit weniger Leuten also? Wie sollen Journalisten recherchierte und entspannt lesbar geschriebene Beiträge hervorbringen, wenn die Redaktionen schrumpfen, die Arbeit immer weiter verdichtet wird? Wenn keine Zeit ist, einen Artikel so zu schreiben, das mehr darin steht als im x-ten Internetnachrichtenportal? Den nachrichtlichen Einheitsbrei jedenfalls holen sich die Leser und Leserinnen lieber kostenfrei im Internet – verständlich. Die Abozahlen bleiben unten, und Werbung für qualitativ guten Journalismus ist so eine Schnellschreibe schon lange nicht.

Ein neuer Verhandlungstermin wurde am Mittwoch nicht vereinbart. Um was sollen die Redakteure auch verhandeln? Zehn statt 25 Prozent Verschlechterung? Die Gewerkschaften DJV und dju haben zudem keine Eile. Bis ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen ist, ist der alte in der Nachwirkung, und Ende Mai endet die Friedenspflicht bei den Druckern. Die Verleger können es noch verhindern, sich dem Zorn der Branche gegenüberzusehen, wenn sie von ihren Forderungen abkommen und ein Angebot unterbreiten, das den Namen verdient.

Werbung in eigener Sache

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