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»Bild«-Aufrag am 23., Vollzugsmeldung am 24. Februar
Foto: ND-Faksimile
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Karl Theodor zu Guttenberg ist »Bild« und »Bild« ist Karl Theodor zu Guttenberg. So langsam finden sich zwei da in einer Nibelungen-Bund zusammen. Eisern hält das Springer-Blatt dem des Plagiats seiner Doktorarbeit überführten Verteidigungsminister die Treue. Während sich in der restlichen Medienlandschaft so gut wie alle Kommentatoren einig sind, dass Guttenberg als Minister nicht mehr tragbar ist, titelt »Bild« in seiner gestrigen Ausgabe: »Ja, wir stehen zu Guttenberg!« Für die Solidaritätsadresse an den Freiherrn müssen die 87 Prozent der Leser herhalten, die am Tag zuvor bei einer (kostenpflichtigen!) Telefonabstimmung für den Verbleib Guttenbergs im Amt votierten. Dies ist der vorläufige Höhepunkt der Pro-Guttenberg-Kampagne des Blattes.
Doch wer stimmt da aus Volkes Mitte für den Spross eines alten Raubritter-Geschlechts? Es stimmt schon, für einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft gilt: Guttenberg ist einer von uns, einer, der mehr Schein als Sein ist, der in seinem Lebenslauf aus einem Praktikum bei einer Zeitung eine freie journalistische Tätigkeit macht, aus mehrwöchigen Praktika »berufliche Stationen in Frankfurt und New York«, der den Doktortitel schon führte, als seine Dissertation noch gar nicht gedruckt war (legal mit einer Ausnahme-Genehmigung der Universität Bayreuth). Dennoch: Guttenberg ist keiner aus der viel beklagten Ellenbogengesellschaft. Seine Ellenbogen sind gut gepolstert, damit niemand in der Masse Schmerz verspürt, wenn er von ihm zur Seite geschoben wird. Bereits Anfang der Woche gefiel knapp 200 000 Nutzern des Online-Netzwerkes Facebook die Gruppe »Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg«, Tendenz steigend. Am Pranger stehen dort auch die Medien (natürlich alle außer »Bild«), denen vorgeworfen wird, einen Volkstribun zu beschädigen und aus Neid Gift gegen den »Bild«-Günstling zu versprühen. Das ist die Ideologie der Blender, die sich in kollektivem Selbstmitleid ergehen, wenn einer der Ihren beim Schwindeln ertappt wurde. Was Guttenberg ihnen vorlebt, ist das von »Bild« kräftig beworbene Dieter-Bohlen-Prinzip. Wie in dessen Casting-Show »Deutschland sucht den Superstar« gewinnt am Ende nicht der Beste, sondern der, dessen Inszenierung dem Publikum am besten verkauft werden kann. In der Gesellschaft der Blender ist Guttenberg der primus inter pares.
Und weil bei der Kampagne für Guttenberg Misstöne stören, blendet »Bild« seit Tagen Negatives über den Politiker entweder aus, wird versucht, dessen Kritiker wahlweise lächerlich zu machen oder ihnen eine Verschwörung gegen »Deutschlands beliebtesten Politiker« unterstellt. Auch in seiner Online-Ausgabe bild.de betreibt das Springer-Blatt diese Strategie, doch verwandelte sich beim internetaffinen Teil der Leserschaft der anfängliche Erfolg in den letzten Tagen in eine Niederlage. Eine wachsende Mehrheit votiert mittlerweile auf bild.de gegen Guttenberg: Von mehr als 600 000 Stimmen entfielen (Stand Mittwoch) nur noch 36 Prozent auf den »Bild«-Liebling. Das Telefoncasting dagegen funktionierte wie geplant. Allerdings waren nur rund 270 000 Leser bereit, Geld auszugeben. Gestern veröffentlichte »Bild« einen Auszug aus den telefonisch und per Fax eingegangenen Leserstimmen. Was auffällt: Unter den abgedruckten Stellungnahmen befinden sich ausschließlich solche aus dem Westteil der Republik, darunter eine Vielzahl aus Bayern.
Ob also, wie »Bild« vorgaukelt, dieses Leser-Voting auch Volkes Meinung widerspiegelt, ist zweifelhaft. Und dies nicht nur deshalb, weil keine der Umfragen auch nur im mindesten Maße als repräsentativ gelten kann, denn weder bilden die Befragten einen Querschnitt der Bevölkerung noch ist die Möglichkeit der Mehrfachabstimmung ausgeschlossen. Ersteres gilt auch für die Pro-Guttenberg-Kampagne bei Facebook. Initiator der Facebook-Gruppe ist der Unternehmer Tobias Huch. Bei Verbraucherschützern genießt dieser – gelinde gesagt – nicht den allerbesten Ruf. Dem 29-Jährigen wird u. a. Abzocke bei dubiosen Gewinnspielen im Internet vorgeworfen. Wie das Weblog »spiegelfechter« (spiegelfechter.com) berichtet, spielen sich Huch und die »Bild«-Zeitung beim Thema Guttenberg gegenseitig die Bälle zu: »Bild« verweist seine Leser auf Huchs Facebook-Kampagne, dieser wiederum revanchierte sich, indem er seine »Gemeinde« zur Teilnahme an der »Bild«-Telefon- und Faxaktion aufrief.
Zweifel gibt es laut »spiegelfechter« mittlerweile auch an der tatsächlichen Zahl der Guttenberg-Fans auf Facebook. Spekuliert wird, das Guttenberg-Groupies gegen Geld mobilisiert wurden. Allerdings können, so der Betreiber von »spiegelfechter« Jens Berger, gewerbsmäßige Anbieter kaum so viele Unterstützer in so kurzer Zeit zusammenbringen. Merkwürdig sei jedoch, dass es zwar mehr als 200 000 Unterstützer bei Facebook gebe, aber nur knapp 600 bei dem auf der Seite beworbenen Twitter-Feed. Bei Facebook ist Tobias Huch kein Unbekannter. Im vergangenen Jahr machte er Schlagzeilen mit der Ankündigung, eine Facebook-Gruppe mit dem Ziel zu gründen, die deutschen Single-Charts zu manipulieren.
Das Treue-Bündnis zwischen dem adeligen Minister und dem Boulevardblatt kommt nicht von ungefähr. Wie kein anderer Politiker vor ihm hat er via »Bild« Politik gemacht und dazu auch seine Familie eingespannt; seine Frau Stephanie zu Guttenberg ist Botschafterin der »Bild«-Aktion »Ein Herz für Kinder«. Im Gegenzug erfuhr der Verteidigungsminister vorab von »Bild« Details aus den Vorwürfen gegen das Führungspersonal auf dem Segelschulschiff der Bundesmarine »Gorch Fock«. Ein Geschäft, das sich für beide Seiten auszahlte: Guttenberg konnte den Kapitän des Schiffes als Bauernopfer abservieren und »Bild« hatte diese Reaktion des Ministers exklusiv.
Hinter dieser anscheinend unverbrüchlichen Liaison steckt aber nicht nur das politische Interesse, einen ausgewiesenen Konservativen emporzuschreiben, der Springer-Konzern profitiert offenbar auch wirtschaftlich davon. Wie die »Financial Time Deutschland« gestern meldet, plant die Bundeswehr eine groß angelegte Werbekampagne für den Dienst in der Truppe nach der Aussetzung der Wehrpflicht. Die Zeitung beruft sich auf Angaben des Ministeriums, wonach die Kampagne im März beginnen und bei den Zeitungen »Bild«, »Bild am Sonntag« sowie dem Online-Ableger bild.de laufen soll.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) stürzt über die Plagiats-Affäre. Knapp zwei Wochen nach dem Bekanntwerden der Affäre verkündete er nun seinen Rücktritt. Mehr
Wie das Neue Deutschland mit Kritikern umgeht ist unter aller Würde. Bevor der vom neuen Deutschland geliebte Gregor Gisy den Mund so voll nimmt, sollte er doch seine Doktorarbeit mal öffentlich zur Überprüfung vorlegen.
...ist bereits 100.000-fach geschehen.
Die Anerkennung auf "Gleichwertigkeit" von Bildungsabschlüssen der DDR-Bürger allgemein, Zitat: "Auf der Grundlage von Artikel 37 Abs. 1 des Einigungsvertrages in Verbindung mit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 10./11. Oktober 1991, zuletzt geändert am 30. Juni 2000, können Absolventen von zivilen Hoch-, Fach- und Ingenieurschulen der ehemaligen DDR e i n e n A n t r a g auf Feststellung der Gleichwertigkeit ihres Bildungsabschlusses stellen (Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur). Zitatende.
Das heisst dass alle akademischen Bildungsabschlüsse von DDR-Bürgern, selbst Fachschulabschlüsse von z.B. ErzieherInnen, sowohl von einer Prüfungskommission in der DDR, als auch die Anerkennung des Abschlusses zunächst durch die "Ausländerbehörde"!!! der BRD später durch das Wissenschafts- bzw. Kultusministerium des jeweiligen Bundeslandes geprüft worden ist.
Also wird sich der, Ihr Zitat: "vom ND so geliebte Gregor Gysi" wohl entspannt zurücklehnen können. Die Doktorarbeit ist übrigens VÖ u.a. an der Humbold Uni Berlin.
Bevor Sie hier gegen Gysi für zu Guttenberg ins Feld ziehen, vielleicht erstmal nachdenken und vor allem beim Thema bleiben, Hier: Verschmelzung von "freier Presse" (Bild) mit staatstragenden Figuren/Parteien.
Der Artikel greift wichtige Aspekte des Themas auf.
Wenn man davon ausgeht, dass der Doktor nicht blind und taub ist, so verfolgt er doch strategische Ziele:
- Weshalb ist gerade der adlige Baron als Verteidigungsminister so wichtig?
- Warum soll er die Berufsarmee aufstellen, führen und welche Aufgaben soll
- später erfüllen.
Alles Fragen die einer Antwort bedürfen.
so perfide und plump diese meinungsb*ldende springer journaille auch konstruiert ist so unkompliziert wird sie von der masse aufgesogen und entsprechend wiedergegeben... hätte man diesen springer doch bloß enteignet.
u.a. schreibt ntv heute: 'Laut einem Medienbericht hatte die Rhön Klinikum AG, in dessen Aufsichtsrat Guttenberg bis 2002 saß, einen Lehrstuhl der Uni finanziert.'
auch tausende fakeprofile bei gesichtsbuch oder gefakte meinungsumfragen, bei der es sich wohl um eine cdu/csu-intere handeln muss, ... sind für deutschland sicher kein imagegewinn. dieser unseriöse und unglaubwürdige lackaffe gehört endlich abgesägt und zu den pappkameraden nach afghanistan versetzt!
1990 erschienen auf einmal bei unseren Demos viele Deutschlandfahnen!
Heute wissen wir: 300000 Stück hatte die CDU Zentrale ganz uneigennützig bereitgestellt. Soviel zur Meinungsbildung.
Die Hauptsache verschwindet hinter dem Getöse um Guttenberg: der Ausbau der Bundeswehr zu einer Interventionsarmee, auch zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen
Guttenberg wird gehalten, weil er es schafft, den Krieg als eine akzeptable Möglichkeit zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen erscheinen zu lassen und die Bundeswehr auf die Funktion einer Interventionsarmee hin zu trimmen. Köhler musste zurücktreten, weil er offen über diese Absicht redete. Guttenberg wird gehalten. Albrecht Müller.
Die Umstellung der Bundeswehr auf eine Söldnerarmee ist genau dem Umstand, professionell militärisch intervenieren zu können, geschuldet. Obwohl die aktuellen Ereignisse gerade zeigen, wie wichtig eine Armee mit Wehrpflichtigen ist, steht dazu in der deutschen Presse fast nichts. Und die Opposition thematisiert diese wichtige Frage auch nicht ausreichend.
Schon gar nicht wird darüber nachgedacht, dass Guttenberg seinen Aufstieg und seine „Durchhaltefähigkeit“ der internationalen und ideologischen Einbindung verdanken könnte. Die USA wollen offensichtlich die neu zu gewinnende Schlagkraft der Bundeswehr und den Abbau der Schranken. Darauf arbeiten sie schon lange hin. Das mithilfe von Rot und Grün zustande gekommene Engagement der Bundeswehr und der NATO im Kosovo Krieg war ein erster wichtiger Schritt zum Einsatz der Bundeswehr out of area, also außerhalb des NATO-Bereichs und nur zur Verteidigung. Afghanistan war ein weiterer Schritt. An Guttenberg hält man fest, weil er die weiteren Schritte vorbereiten soll.
Eine solche Einschätzung entspricht nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien sondern der Beobachtung der Wirklichkeit.
www.nachdenkseiten.de
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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