Von Benjamin Beutler
26.02.2011

Japan greift nach Boliviens »weißem Gold«

Regierungsvertreter verhandeln in La Paz über Teilhabe an großem Lithium-Vorkommen

Der Poker um Boliviens Lithium-Vorkommen geht in die nächste Runde: Eine gut 40-köpfige japanische Delegation aus Regierungsvertretern und Automanagern zeigte sich bei einem Besuch höchst interessiert.

Japanische Autohersteller wie Toyota gehören in Sachen Entwicklung von Elektroautos zu den Weltmarktführern. Für die Herstellung der Batterien wird das seltene Leichtmetall Lithium in großen Mengen benötigt. Man sei sich bewusst, dass Lithium »ein strategisches Element« ist, um Strom als künftige Antriebsenergie nutzen zu können, sagte Japans Vizeminister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Kaname Tajima, bei einem Besuch in Bolivien. Dort, im Salzsee Salar de Uyuni, gibt es eines der größten Lithiumvorkommen der Welt.

Boliviens Bergbaubauminister hatte den japanischen Gästen am Donnerstag in einem Seminar die Vorstellungen der Linksregierung über eine partnerschaftliche Lithium-Industrialisierung auf Augenhöhe näher gebracht. Zu Beginn des Seminars hatte Präsident Evo Morales seinen Wunsch nach einer »strategischen Allianz« hervorgehoben. Für Bolivien mit seiner langen Geschichte des Rohstoff-Raubbaus, dem der Aufbau eines tragfähigen Binnenmarktes wegen des »Rohstoff-Fluches« nicht gelungen ist, sei der alleinige Export von Primärgütern »beendet«, so der Präsident. Der Traum des Andenlandes sei »nicht der Export von Lithium-Karbonat«, sondern die Entwicklung einer eigenen Autoindustrie vor Ort. Er hoffe auf einen »Lithium-Toyota made in Bolivia«.

In der Vergangenheit wurden in Sachen Lithium schon Absichtserklärungen mit Südkorea und Iran unterzeichnet. Auf der japanischen Seite stieß die bolivianische Vorsicht bei der Wahl seiner Geschäftspartner auf Verständnis. Auch Japan habe lange gebraucht, um seine heutige industrielle Stärke auszubilden, erinnerte Tajima. »Diese Erfahrungen wollen wir offen mit Bolivien teilen«, so der Minister. Man werde »Humankapital und Technologie« an Boliviens Ingenieure weitergeben. Auto- und Batteriefabriken entstünden aber nicht »von heute auf morgen«, bremste Tajima.

Die bolivianische Regierung, die für den Start der »zweiten Phase« der Lithium-Förderung einen Zentralbank-Kredit von 485 Millionen US-Dollar aufnehmen will, steht unter doppeltem Druck. Zum einen fordert die neokonservative Opposition der alten Rohstoff- und Landeliten die schnelle Vergabe von Abbaulizenzen an internationale Multis, damit Bolivien den Milliardenmarkt nicht verschlafe. Zum anderen hat die Regierung mit ihren Versprechungen von einem raschen Wohlstandsgewinn durch das »weiße Gold« große Erwartungen unter den neun Millionen Bolivianern geweckt. Sie hoffen, dass sich die Geschichte der Ausbeutung nicht wiederholt.

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