Von Bernd Kammer
26.02.2011

S-Bahn beschleunigt ein wenig

Der Winterfahrplan ist ab Montag beendet, Bahnen fahren wieder mit Tempo 80 / VBB fordert »tatsächliche Verbesserungen«

Es gibt noch gute Nachrichten für S-Bahn-Fahrgäste: Nicht nur, dass sie gestern vom Streik verschont blieben, sie können ab Montag auch wieder zügiger unterwegs sein. Die Zuckelei mit Tempo 60 ist vorbei, der Winter-Notfahrplan wird zu den Akten gelegt.

Die S-Bahn wollte zwar auf Nummer sicher gehen und ihn noch ein wenig verlängern, doch Senat und Brandenburger Landesregierung als Besteller und Finanziers ihrer Leistungen setzten sich durch. »Es muss gefahren werden, was möglich ist«, heißt es beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der den Nahverkehr koordiniert. So wird ab Montag wieder zum »normalen« Notfahrplan zurückgekehrt, der vor dem 24. Januar galt und dem Tempo 80 zugrunde liegt.

So fahren die Ringbahnlinien S 41/S 42 im Berufsverkehr wieder alle fünf Minuten, Richtung Potsdam, Spandau und Wartenberg gilt tagsüber ein 10-Minuten-Takt. Die Linie S 25 fährt alle 20 Minuten von Teltow Stadt nach Hennigsdorf, Fahrgäste der S 5 in Richtung Strausberg Nord müssen nicht mehr in Strausberg umsteigen. Die Linie S 3 verkehrt im Berufsverkehr wieder im 10-Minuten-Takt bis Erkner. Die S 9 aus Schönefeld endet nicht mehr an der Greifswalder Straße, sondern in Pankow.

»Der Winterfahrplan hat unseren Fahrgästen die erhoffte Stabilität und Zuverlässigkeit im Zugverkehr gebracht«, konstatierte der Chef der S-Bahn Peter Buchner. Die Pünktlichkeitsquote der Züge stieg von 70 auf 97 Prozent. Wovon auch die S-Bahn profitierte: Der Senat kürzte seine Zuschüsse im Februar nur um 4,5 Millionen Euro, im Januar behielt er noch 12 Millionen von den monatlich knapp 20 Millionen Euro ein.

Ob die S-Bahn auch bei Tempo 80 so pünktlich ist, hängt stark vom Wetter ab. Derzeit ist es günstig für die Pünktlichkeit. Trockene Kälte lässt die Bremssandanlagen nicht gleich einfrieren. Sollte sich das ändern, könnten die gleichen Probleme wie im Dezember auftreten und die Bahnen dürften wieder nur Tempo 60 fahren. Der neue Notfahrplan wäre Makulatur. Eine technische Lösung für das Problem mit dem Bremssand gibt es noch nicht. Zwar sollen die Anlagen bis Mitte des Jahres eine Füllstandsanzeige erhalten, aber wie sie beheizt werden können, ist noch unklar. VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz forderte gestern von der S-Bahn, schnell die notwendigen Investitionen zu veranlassen, »damit im nächsten Winter ein erneuter Tempo-60-Fahrplan verhindert wird«. Außerdem müsse das Unternehmen jetzt Farbe bekennen und erklären, wann es mehr Fahrzeuge bereitstellen kann, »damit es zu tatsächlichen Verbesserungen kommt«.

Denn weiterhin kann die S-Bahn nur 420 aus zwei Wagen bestehende Viertelzüge einsetzen, für einen Normalbetrieb wären 552 notwendig. Für die Fahrgäste hat deshalb das Ende des Winterfahrplans einen kleinen Haken: Die Züge werden wieder kürzer. Weil für den ab Montag geltenden dichteren Takt mehr Bahnen nötig sind, können sie beispielsweise auf dem Ring oder der S 7 nicht mehr mit acht Wagen fahren.

An diesem Wochenende können die Fahrgäste noch einmal einen Einzelfahrschein als Tageskarte nutzen. Zum sogenannten Entschuldigungspaket des Unternehmens gehört auch, dass sich Besitzer von Jahreskarten, die auch den November umfassen und bar bezahlt wurden, ab März einen Monatsanteil erstatten lassen können.