Von Jirka Grahl, Oslo
26.02.2011

Irrflug gen Sotschi

Daniela Iraschko gewinnt den Skisprung der Frauen, der 2014 auch olympisch werden soll

Der Anblick gefiel Wolfgang Loitzl. Als der Österreicher gestern Nachmittag bei der Qualifikation im Lift zur Midstu-Schanze saß, zeigte ihm ein Betreuer von unten ein rot-weiß-rotes Plakat im Zuschauerraum: »Da Wolfgang, schau: Wir grüßen unsere Adlerweibchen!« Der Vierschanzentourneegewinner von 2009 versuchte zu entziffern »Hol dir den Sieg, Danie!« las er vor, dann hielt er den Daumen hoch.

Zwei Stunden später herrschte auf der neu erbauten Normalschanze am Holmenkollen dichter Nebel, als 43 Frauen aus 15 Ländern begannen, den zweiten jemals vergebenen WM-Titel zu erringen, immerhin vier Frauen mehr als 2009. Noch dazu war der Wind wie so oft am Holmenkollen noch aufgefrischt, – äußerst widrige Bedingungen für die Skispringerinnen, die hier die Argumente liefern wollten für ihre Forderung, 2014 ins olympische Wettkampfprogramm aufgenommen zu werden. IOC-Präsident Jacques Rogge wird darüber Anfang Juni befinden.

Nun, zumindest haben die Frauen mit den Männern gemeinsam, dass der Wind das Klassement ganz schön durcheinander würfeln kann. Im ersten Durchgang, landete Titelverteidigerin Lindsey Van aus den USA bei kläglichen 75 Metern. Die Silbermedaillengewinnerin von der WM in Liberec 2009, Ulrike Gräßer vom VSC Klingenthal, lag nach dem ersten Durchgang auf dem dritten Platz und staunte: »Ich habe mich schon gewundert, als Lindsey Van vor mir nur 75 Meter gesprungen ist. Ich hatte einen wirklich guten Sprung, aber in der Luft bin ich ganz schön durchgeschüttelt worden.« Im zweiten Durchgang erwischte es auch sie: Bei 79 Metern setzte sie ihre Ski auf, eine Riesenenttäuschung, denn damit fiel die 23-Jährige auf den 19. Platz zurück. »Ich bin bitter enttäuscht«, sagte sie später. »Heute werden sicher noch ein paar Tränen fließen.«

»Schade, dass sich die Damen hier nicht ordentlich präsentieren können«, befand Herren-Bundestrainer Werner Schuster. Allerdings zeigte sich in Oslo, dass es wie bei den Männern auch Ausnahmeathletinnen gibt, denen das Wetter nichts anhaben kann – vorzgsweise kommen diese aus Österreich. Daniela Iraschko, die 27-Jährige aus der Steiermark, die erste und bisher einzige Frau, die schon die 200-m-Marke erreicht hat, gewann den Wind-und-Nebel-Wettbewerb. Sie führte nach dem ersten Durchgang mit 97 Metern und ließ sich auch im zweiten Sprunglauf nicht beirren: Sie landete erneut bei 97 Metern. Kurz fasste sie sich ans Knie, dass ihr zuvor so viele Probleme bereitet hatte, dann genoss sie die Goldmedaille, die ihr viele schon bei der WM-Premiere vor zwei Jahren gewünscht hatten. Für Daniela Iraschko kann Olympia kommen.

Skispringen, Frauen, Normalschanze

Gold: Daniela Iraschko (Österreich) 231,7 Pkt. (97,0/97,0 m)

Silber: Elena Runggaldier (Italien) 218,9 (97,5/93,5)

Bronze: Coline Mattel (Frankreich) 211,5 (92,0/97,0)

9. Faißt (Baiersbronn) 185,1 (88,0/92,0), 19. Gräßler (Klingenthal) 171,4 (94,0/79,5), 31. Seyfarth (Ruhla) 71,2 (80,5); 35. Häfele (Willingen) 58,8 (75,0)