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400 Linke protestierten am Sonnabend für den räumungsbedrohten Friedrichshainer Schenkladen.
Foto: Tim Zülch
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Während sich ein Demoteilnehmer ein Shirt mit dem dürrem »Storch Heinar« als Motiv, einer Persiflage auf »Thor Steinar«, über die Daunenjacke gezogen hat, erscheinen andere in klassisch schwarzem Outfit. Rund 300 Leute ziehen am Sonnabend vom Boxhagener Platz zur Petersburger Straße. Dort befindet sich seit zwei Jahren der Bekleidungsladen »Tromsø«. »Wir demonstrieren gegen ihn schon zum fünften Mal«, sagt Gigi von der Initiative gegen Rechts in Friedrichshain.
Die Polizei hat die Straßenseite, auf der sich der Laden befindet, abgesperrt und ist massiv mit Zivilpolizei und Hundestaffel vor Ort. »Wir sind ausreichend vertreten«, gibt sich der Polizei-Pressesprecher vor Ort kurz angebunden. Vom Laden sieht man nicht viel, die Rollläden sind heruntergelassen, ein paar Farbeier haben ihre Spuren an der Fassade hinterlassen. »Für den Betreiber ist der Laden ein Prestigeobjekt«, sagt Gigi. Obwohl eigentlich fast kein Kunde mehr den Weg in den Laden findet, halte der Betreiber an ihm fest – immerhin ist es der letzte Bekleidungsladen in Berlin, der die bei Rechtsextremen beliebte Marke führt.
Der »Tromsø« in der Petersburger Straße wurde vor zwei Jahren eröffnet. Schnell formierte sich Widerstand, woraufhin der Vermieter dem Betreiber Skytec GmbH schon kurz nach Eröffnung die Räume kündigte und sich von dem Geschäft mit »patriotischer Bekleidung« distanzierte. Der Vermieter sah sich »arglistig getäuscht«. Im vergangenen Dezember bestätigte das Landgericht Berlin die Kündigung, wogegen der Betreiber Berufung einlegte. In dem Laden wird ausschließlich Bekleidung von »Thor Steinar« verkauft. Die Marke ist bei Rechten beliebt, da Symbole enthalten sind, die Nazisymbolen ähneln. Allerdings ist die Marke in der rechten Szene selbst in Verruf geraten. Laut Frank Metzger vom antifaschistischen Pressearchiv (Apabiz) sei ein Grund die starke kommerzielle Ausrichtung der Herstellerfirma Mediatex GmbH mit Sitz in Königs Wusterhausen. Trotzdem gehöre die Marke nach wie vor zum »rechten Schick«, berichtet Metzger.
»Im Prinzip haben sich in Bezug auf den Laden alle richtig verhalten«, sagt Gigi von der Initiative gegen Rechts. Der Vermieter hat schnell reagiert, der Bezirk hat sich klar positioniert, das Gericht hat mitgespielt. Nun hofft sie, dass auch das Kammergericht sich gegen den Laden ausspricht. Im gegenteiligen Fall könnte der Mietvertrag nämlich bis 2019 gültig bleiben.
Im Anschluss an den antifaschistischen Protest sammelte sich kurz darauf eine bunte Schar vor dem Schenkladen in der Scharnweberstraße 29 in Friedrichshain. Eine Sambagruppe spielt. Kurz vor 17 Uhr setzt sich der Zug aus rund 400 Teilnehmern von Technobeats geschaukelt in Bewegung. Der räumungsbedrohte Schenkladen hat neue Räume in der Jessnerstraße gefunden, es ist eine Umzugsdemo.
Der Vermieter sieht in dem sozialen Projekt Schenkladen ein kommerzielles Gewerbe, das Gericht folgte seiner Argumentation in der ersten Instanz. Nun hat sich der Gerichtsvollzieher für den 3. März angekündigt. »Wir sind froh, dass wir die neuen Räume gefunden haben«, sagt Benny vom Schenkladen, der die Demonstration angemeldet hat. »Vielleicht gibt es bei einem positiven Ausgang der Berufung bald zwei Schenkläden in Friedrichshain.« Für den Räumungstag, dem 3. März, ist um zehn Uhr eine Kundgebung vor dem alternativen Hausprojekt angemeldet.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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