Von Fabian Lambeck
02.03.2011

Vom Sonnyboy zum Buhmann

Selbst sein ausgezeichnetes Verhältnis zur Presse konnte Guttenberg nicht mehr retten

Lange Zeit galt Karl-Theodor zu Guttenberg als Liebling der deutschen Mainstream-Medien. Vor allem seine gute PR-Arbeit und die enge Kooperation mit der »Bild« verschaffte ihm überragende Popularitätswerte. Doch schließlich konnte ihn auch Springers Krawallblatt nicht mehr retten.

Karl-Theodor – der Sonnyboy unter den sonst eher farblosen Vertretern der deutschen Politikerkaste. Nahezu perfekt beherrschte der ambitionierte Minister die Klaviatur der Medien. Auch dank seiner adligen PR-Beraterin Anna von Bayern. Unvergessen der vorweihnachtliche Flug des Ehepaars Guttenberg ins umkämpfte Afghanistan. Im Tross der Reisegruppe befand sich mit Johannes B. Kerner sogar ein waschechter Talkshow-Moderator. Hofberichterstattung auf höchstem Niveau.

Selbst der sonst so kritische »Spiegel« widmete dem Traumpaar eine Titelstory: »Die Fabelhaften Guttenbergs«. Doch bei der medialen Hätschelei tat sich vor allem ein Blatt hervor: Springers »Bild«. Dort übernahm man die Medienpartnerschaft für »Gutti«, wie man ihn liebvoll nannte.

Aber das Mediengeschäft folgt eigenen Gesetzen. Die Begeisterung der Journalisten kann ebenso schnell umschlagen. Das musste auch Guttenberg erfahren. Kaum hatte die »Süddeutsche Zeitung« am 16. Februar die Plagiatsvorwürfe öffentlich gemacht, da rückten die Medien von ihm ab. Die Zeitungen überschlugen sich mit Meldungen über neue Plagiatsfunde in seiner Dissertation. Selbst ihm sonst so gewogene Blätter wie die »Frankfurter Allgemeine« (»Die von ihm vertretenen Werte sind beschädigt«) oder die »Zeit« (»Guttenberg verhöhnt das Leistungsprinzip«) gingen auf Distanz.

Lediglich »Bild« hielt in wahrer Nibelungentreue zum überführten Betrüger. »Ja, wir stehen zu Guttenberg!«, hieß es noch am vergangenen Donnerstag auf der Titelseite des Blattes. Eine von »Bild« initiierte Anruf- und Faxaktion mit über 260 000 Teilnehmern hatte angeblich ergeben, dass 87 Prozent für einen Verbleib des Ministers votierten. Dumm nur, dass ein zeitgleich im Internet durchgeführtes »Bild-Voting« ein ganz anderes Stimmungsbild zeichnete. Von den immerhin 640 000 Usern hatten sich 55 Prozent für einen Rücktritt des »Lügenbarons« ausgesprochen.

Letztendlich konnte auch »Bild« die verlorene Ehre des Ministers nicht wieder herstellen. Doch der Gestrauchelte erwies seinem Hausblatt noch einen letzten Liebesdienst und informierte zuerst die »Bild«-Redakteure über seinen unmittelbar bevorstehenden Rücktritt. Adel verpflichtet eben.