Von Andreas Heinz
10.03.2011

Ein Pfad der Geschichte durch Mitte

Ausgangspunkt Petriplatz / Schau zum Thema »Archäologie und Stadtentwicklung«

Wenn Matthias Wemhoff durch Berlins Mitte läuft, schlägt sein Herz höher. »Hier ist der Untergrund voller Geschichte gepackt«, schwärmt der Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte. In Berlin ist er auch als Landesarchäologe unterwegs und begeistert von den vielen Funden, die im hauptstädtischen Boden stecken. »Gerade das Mittelalter kann hier wieder ans Tageslicht geholt werden«, so der 47-Jährige. »Etwas Gleichartiges ist in kaum einer anderen deutschen Stadt zu finden.«

Deshalb plant der Mittelalterspezialist gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen Pfad der Geschichte durch den Bezirk Mitte. »Ausgangspunkt könnte der Petriplatz in der Urzelle Berlins, dem alten Cölln, sein. Hier wollen wir auch ein archäologisches Zentrum errichten.« Der Neubau soll nach den Vorstellungen des Historikers ein Schau- und Arbeitsplatz für Besucher und Wissenschaftler werden. Etagenweise könne so das Mittelalter anschaulich dargestellt werden.

Im unteren Bereich des Gebäudes die Funde, darüber Werkstätten und Ausstellungsräume. Außerdem ein Bereich, der allein den Wissenschaftlern vorbehalten ist. Mit dem Bau soll spätestens 2014 begonnen werden. Finanziert werden soll das Ganze laut Landesarchäologe mit Mitteln aus EU-Förderprogrammen zum Beispiel für touristische Infrastruktur. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz werde sich beteiligen. Geschätzte Kosten: rund 15 Millionen Euro. In Kürze werde eine Ausstellung zum Thema »Archäologie und Stadtentwicklung« eröffnet.

Von dem archäologischen Zentrum aus könne dann ein Pfad der Geschichte durch den Bezirk Mitte führen. Weitere Anlaufpunkte: die Fundamente des Schlosskellers, die Funde vor dem Roten Rathaus (Tuchhalle des alten gotischen Rathauses), das Areal rund um die Marienkirche, Jüdenhof und Molkenmarkt, das Marx-Engels-Forum und die Breite Straße. »Hier liegt noch jede Menge Geschichte im Boden – vom Mittelalter bis zum Barock«, weiß Wemhoff. An der Oberfläche finde sich kaum etwas.

Der mittelalterliche Große Jüdenhof beispielsweise bestand laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bis 1937 als Ensemble von zwölf Wohnhäusern um einen quadratischen Hof zwischen Jüden- und Klosterstraße. Der einzige öffentliche Zugang befand sich zwischen den Häusern Jüdenstraße 46 und 47. In den Jahren 1937/38 verschwanden die Häuser 1 bis 5 für den Neubau der Städtischen Feuersozietät (heute Neues Stadthaus). 1950/51 wurden die Reste des im Krieg schwer beschädigten Jüdenhofs abgetragen.