Von Otto Köhler
12.03.2011
Gastkolumne

Schwamm drüber

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Der Publizist, Jahrgang 1935, ist Mitherausgeber der Zweiwochenschrift »Ossietzky«.

Der Freiherr hat mutmaßlich auch noch Humor. Vorgestern beim Großen Zapfenstreich zu seiner Ehrung ließ sich der Große Betrüger von seiner Bundeswehr den aus dem geistigen Eigentum von Deep Purple stammenden Song »Smoke on the Water« aufspielen. Das Lied handelt von einem Irren, der bei einem Konzert mit seiner Signalpistole in die Decke schießt und so einen ganzen Gebäudekomplex in Brand setzt und zerstört.

Das wollen wir hoffen. Ich zuallererst. Vor siebzig Jahren kletterte ich als dummer kleiner Junge am Tag der Wehrmacht in der Schweinfurter Kaserne auf deutschen Schützenpanzern herum und ließ mich von Soldaten auf den Arm nehmen. Bis ich endlich – erst 1947 als Heranwachsender – zu begreifen begann, welches Elend, welche Verbrechen Hitlers Wehrmacht über die Welt gebracht hat. Seither verachte ich deutsche Soldaten. Gerade auch, als Hitlers Generale neue Soldaten für den gar nicht so neuen Staat produzierten.

Karl-Theodor zu Guttenberg galt als kompetent und zuverlässig bei vielen Menschen draußen im Land. Auch bei mir gilt er noch immer als ein Mann, dem gelingt, was er in die Hand nimmt, vor allem die Reform der Bundeswehr. Die Reform des Sozialstaates, das wissen wir, war seine Zerstörung. Warum soll es bei einer Reform der Bundeswehr anders sein? Die Wehrpflicht hat er mit großem Erfolg abgeschafft. Zum ersten April braucht die Bundeswehr 2000 neue Rekruten, herumgekriegt hat sie bisher nur 433 Freiwillige unbekannten Intelligenzgrades.

Drei waren es ganz schnell weniger, als der Minister am Tag der Entdeckung seines Plagiats in der ersten Panik nach Afghanistan floh, und so die Aufmerksamkeit des Feindes auf den Stützpunkt lenkte, in dem er erst einmal Asyl fand.

»Ich habe mein Haus bestellt«, erklärte der Sichverteidigungsminister, als er schließlich doch vom Amt zurücktrat. Er musste, das war richtig, erst einmal die drei Soldaten beerdigen, die ohne seine Flucht noch leben könnten.

Doch aus Bayern setzt es Hoffnung: »Du bist einer von uns, Du bleibst einer von uns. Wir wollen, dass Du wieder zurückkehrst in die deutsche Politik.« So erhob der Seehofer, Horst, im Passauer Sportpalast unter tosendem Beifall seine Stimme. Und er rief aus, wie stolz er darauf sei, dass »aus unserer großen Familie der CSU kein Wort der Kritik« am Karl-Theodor zu hören war.

Denn der Freiherr zu Guttenberg vermag es selbst, sich angemessen zu kritisieren. Als der bedeutende Defraudant von seinem Amt zurücktrat, erläuterte er, er habe einen »Fehler« gemacht – gemeint war: mit der Einreichung eines Plagiats als Dissertation.

Bis zum Hindukusch hat man von dieser durchlauchtigsten Darstellungsweise gelernt. Am Morgen des Großen Zapfenstreiches hieß es im Deutschlandfunk, die deutschen Soldaten hätten einen »Fehler« gemacht, als sie das Feuer eröffneten und eine Frau erschossen. Das hat der regionale Polizeichef des nordafghanischen Distrikts Char Darah erklärt. Guttenbergs ehemalige Soldaten hatten zuvor behauptet, eine Patrouille sei angegriffen worden und habe das Feuer erwidert. Fehler gemacht. Schwamm drüber. Und Großer Zapfenstreich.

Lasst uns auf das Comeback des Betrügers hoffen. Damit er weiter sein Haus bestellt und die Bundeswehr energisch und kompetent zugrunde richtet.