Von Stefan Otto
15.03.2011

Miete als Rausschmeißer

Zebrano-Theater in Friedrichshain soll schließen

Hans-Kaspar Aebli ist kein Mann der lauten Worte. Wenn er die Befürchtung ausspricht, dass er mit seinem Zebrano-Theater wohl aufhören müsse, dann klingt das bedächtig. Obwohl er guten Grund hätte, sich lauthals über die Mieterhöhung aufzuregen. Zehn Euro nettokalt für den Quadratmeter kann er mit seiner kleinen Spielstätte in der Lenbachstraße nicht aufbringen. Darum hebt sich heute Abend letztmalig der Vorhang.

Sechs Jahre gab es dann die Bühne unweit des Bahnhofs Ostkreuz, die man durch die gleichnamige Bar in der Sonntagstraße betritt. »Unser Programm pendelt zwischen Kiezbühne und Auftritten von Künstlern, die auch in größeren Häusern Erfolg haben«, erklärt Aebli sein Konzept. Heute spielt dort Dota Kehr alias »die Kleingeldprinzessin«. Dann schließt das Theater. »Wir sollten eigentlich schon Ende Februar draußen sein«, meint Aebli, »doch es gab zugesagte Termine mit Künstlern, die wir noch erfüllen wollten.«

Geschichten über die Gentrifizierung in Berlin sind bereits tausendmal erzählt worden. Das Zebrano ist ein Beispiel dafür, dass es nicht nur Wohnraum trifft, sondern auch kulturelle Orte. Im Juli vergangenen Jahres kaufte die schwedische Immobilienfirma Akelius das Haus. Nun ist für das Theater der befristete Mietvertrag ausgelaufen, und das neue Angebot sah eine Mieterhöhung von knapp vier Euro je Quadratmeter vor. »Ein Café auf der Sonntagstraße kann das vielleicht erwirtschaften, aber wir nicht«, klagt Aebli.

Die Bezirkspolitik versuchte zu intervenieren. Aber es sei nicht einfach, auf ein privates Mietverhältnis einzuwirken, erklärt Jan Stöß (SPD), Kulturstadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, den erfolglosen Versuch einer Mediation. Auch Aebli winkt ab: »Ein Konzern wird sich nicht durch ein schlechtes Gewissen erweichen lassen.« Zuletzt gab es ein Angebot, das bei 9,50 Euro lag. Für den Theatermacher ist das nicht mehr als »ein bisschen Schminke«. Leben und leben lassen bedeutet auf dem Berliner Immobilienmarkt bekanntlich nichts.

Noch hofft Aebli allerdings auf Gönner, mit deren Unterstützung er den Theaterbetrieb aufrechterhalten kann. Außerdem hat Stadtrat Stöß eine Projektunterstützung in Aussicht gestellt. Denn er weiß: Wenn das Zebrano-Theater schließt, dann verlieren zahlreiche Künstler eine Anlaufstadion.

Dort präsentiert auch das Literaturmagazin »Storyatella« halbjährlich seine neue Geschichten. »Mit der Premierenveranstaltung bekommen wir einen Teil der Druckkosten für die nächste Ausgabe rein«, erklärt Herausgeber Frank Nussbücker die Finanzierung des Heftes, das eine Auflage von 1000 Stück erreicht. Im Zebrano werden die Einnahmen geteilt – 70 Prozent geht an die Künstler, 30 Prozent ans Theater. »Bei Kleinkunstbühnen ist das so üblich«, meint Aebli. Daran will er auch nicht rütteln.

Den Abgesang für die Spielstätte bereitet heute Dota, »die Kleingeldprinzessin«. Der Name stammt aus ihrer Zeit als sie Musik auf der Straße machte und durch die Welt tingelte. Wenn sie jetzt mit der Gitarre auf der Bühne steht und ein Bossa-Nova-Stück spielt, dann haftet ihr noch immer der Hauch des Improvisierten von der Straße an. Sie ist dort, wo die Hochglanzwelt noch nicht ist; und doch erreichen ihre Songs auf »Youtube« Klicks wie sonst nur bekannte Musiker. Manchmal wird sie von einer Band begleitet, dann tritt sie als »Dota und die Stadtpiraten« auf.

In einem teuren und aalglatten Friedrichshain werden sie künftig nur noch selten anzutreffen sein – Stadtpiraten bevorzugen ein anderes Milieu. Sie ziehen weiter.

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