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Von Volkmar Draeger
23.03.2011

Wenn der Vorhang fällt

Im Gropiusbau porträtiert Margarita Broich Kollegen nach der Vorstellung

Dietmar Bär, auch bekannt als Kölner Tatort-Kommissar
Dietmar Bär, auch bekannt als Kölner Tatort-Kommissar

Im Sport die Regel: Interviews mit Champions nach ihrem Sieg und außer Atem, um ihnen unmittelbare Aussagen zu entlocken. Im Schauspiel stehen die Akteure nach dem Fall des Vorhangs noch mehr oder weniger lange unter dem Eindruck ihrer Leistung. Zum Reden wird man sie kaum bewegen, fotografieren aber kann man sie schon. Das tut Margarita Broich seit knapp einem Jahrzehnt und erlebt mit den Ergebnissen gerade ihre erste Ausstellung. Dem Martin-Gropius-Bau sind in Zusammenarbeit mit den Berliner Festspielen Einblicke von seltener Intimität übereignet, die im umgebauten zweiten Obergeschoss bei freiem Eintritt besichtigt werden können.

Freilich hatte es Broich einfacher als Nur-Fotografen und wohl schwer durch die Erwartungen ihrer Kollegen, ist sie doch »vom Fach«. Nach dem Studium in Fotodesign arbeitete sie, Jahrgang 1960, als Theaterfotografin bei Claus Peymann in Bochum, absolvierte dann die Schauspielausbildung an der Hochschule für Künste in Berlin, gehörte dem Schauspielhaus Frankfurt/Main und dem Berliner Ensemble an, gastierte in namhaften Häusern, wirkt seit 2002 hauptsächlich in Film und Fernsehen. Viele Stars sind ihr als Motiv »zugeflogen«: Das Vertrauen ihrer Kollegen mache es leichter. Angefangen hat alles mit einem Selbstporträt: Nach einer Aufführung von Christoph Schlingensiefs »Rosebud« an der Volksbühne sah sie sich im Garderobenspiegel, blutverschmiert noch, mit starren Augen, in sichtlicher Anspannung, zwischen Bühnenwelt und Leben. Seither interessiert sie der Blick auf den Akteur nach getaner Arbeit, wenn, sagt Broich sportiv, der Körper noch dampft wie bei einem Reitpferd auf der Zielgeraden. Von den spontan, ohne spezielles Licht und großen technischen Aufbau entstandenen Fotos sind gut 60 ausgestellt, wandfüllend oder als kleinere Studie. Glückliche Zufälle nennt Margarita Broich, die Doppelbegabung, sie bescheiden.

Wenn Schlingensief nach einer Premiere in Zürich eine Wand nach oben zu drücken scheint, mutet das wie vorletztes Aufbäumen gegen ein tragisches Schicksal an. Auf einer Holzbank unterm Prachtfoto des Teatro La Fenice erholt sich Thomas Quasthoff nach einem Konzert in der Komischen Oper. Schmal, feinnervig, scheu, ein schwarzes Mal auf der Wange, schmiegt sich Sophie Rois an eine Rosengardine. Auch Otto Sander trägt noch Kostüm und Maske des Monologs »Das letzte Band«, hat indes schon die Zigarette in der Hand, lächelt leicht abwesend in die Kamera: lebenskrumm, weise, schalkhaft, gutmütig. Konzentriert spannt Birgit Minichmayr im leuchtenden Rot der Buhlschaft nach dem Salzburger »Jedermann« ab, zwischen Ventilator und Stuhlstapel. Müde, aber befreit wirkt Milan Peschel, trägt noch die Uniform aus der Volksbühnen-Produktion »Nach Moskau! Nach Moskau«. Bei Angela Winkler spürt man den Ernst ihres Parts in Peter Zadeks »Hamlet« nachwirken: Ein Bündel Papiere hält sie eng an sich, kann nicht loslassen. Martin Wuttke ist nach »Metanoia« an der Lindenoper noch Römer mit Toga und schon halb privat; Klaus Maria Brandauer sitzt mit Getränk nach Steins »Wallenstein« zwischen Kostümen. Peter Simonischek, fast nackt, blutiggemalt, barfuß, stützt sich nach »Jedermann« auf dem Waschbecken ab, aus dem, ebenfall blutigrot, eine Black&Decker ragt.

Es sind jene Momente zwischen Nachklang der Rolle und Übergang zurück in den Alltag, die Broich fixiert und die in dieser Form unwiederholbar bleiben. Niemand posiert, hat Allüren, ist Diva: nicht Isabelle Huppert, zerbrechlich, verletzlich, wunderschön, nach dem Berlin-Gastspiel; nicht Kate Winslet in der Garderobe voller Schminkutensilien, fast düster zu uns gewandt; nicht John Malkovich als Casanova in Frack und Kniebundhose dekorativ vorm Blumenvorhang. Dass neben den Großen, Fendel und Borsody, Hörbiger und Gedeck, Noethen, Rohde, Tukur, Glöss, Groth, Sebastian Koch, Ben Becker, auch Chorsolisten aus »Kiss me Kate« porträtiert sind, so grell überschminkt in kahlem Raum fast grotesk, macht ebenso den Charme der Bilderserie aus.

Bis 30.5., Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Telefon 254 860, Infos unter www.gropiusbau.de

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