Charlotte Noblet
25.03.2011

"Die Franzosen werden über die Kernenergie indoktriniert"

MOBILISIERUNG - Brest, Finistère

Brest
„Die Regierung hat sich dieses Mal nicht getraut, wie bei Tschernobyl über die radioaktive Wolke zu sprechen, bei der uns gesagt wurde, sie beträfe uns nicht und gelange nicht über die Landesgrenzen. Statt dessen wurden Zuckerbrot und Peitsche verwendet. Die Peitsche gebrauchte der Minister für Energie, Eric Besson, als er sagte, es sei „unschicklich" über Atomausstieg zu sprechen. Als Zuckerbrot hingegen wird den Franzosen immer wieder „die größte Transparenz" versprochen."

Christian Bucher aus der Bretagne erzählt, was für eine besondere Bedeutung die Atomfrage in Brest hat: „Hier sind die französischen strategischen Militärkräfte stationiert. Nicht weit entfernt befindet sich die Basis für die Atom-U-Boote Frankreichs. Auch für diesen Umstand wollen wir sensibilisieren. Aber es geht dabei auch um viele Arbeitskräfte und das macht es uns schwer."

Am 15. März sind 200 Personen zur Kundgebung gekommen, 100 Personen sind es am 20. März. Christian Bucher weiß, warum seine Aufrufe nur teilweise erfolgreich sind: „ Die Franzosen werden über die Kernenergie indoktriniert. Das fing mit De Gaulle an und geht heute mit der Militär- und Energie-Unabhängigkeit der Grande Nation weiter …"

Seit den Ereignissen in Fukushima mobilisieren sich in Frankreich Umweltorganisationen, Volksvertreter/innen und Bürger/innen. Sie bekunden öffentlich Solidarität mit dem japanischen Volk und fordern den Atomausstieg. Vor allem besteht das dringende Bedürfnis, eine Debatte über Energieerzeugung in „Nuklear-Frankreich" offiziell zu starten. Die Franzosen wollen ihre Energiepolitik wählen und bestimmen können.Die Reaktionen der französischen Regierung sind unbefriedigend, ihre Antworten auf die Forderungen sind ausweichend.Ich habe Aussagen von Anti-AKW-Kundgebungen-Veranstalter/innen aus vier Regionen Frankreichs gesammelt. An einem Tag habe ich mehr als 20 Antworten erhalten: Der Frust sitzt tief, es wird neidisch nach Deutschland geschaut. Die Hoffnung ist groß, dass sowohl die Anti-AKW-Bewegungen in Deutschland als auch die Energiepolitik Merkels die der französischen Regierung beeinflussen können.

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