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Charlotte Noblet
25.03.2011

Die Entscheidungen Merkels: Ein großer Schritt nach vorn

MOBILISIERUNG - Avignon, Vaucluse

„In Avignon fordern wir einen sofortigen Atomausstieg. Es ist auch eine Frage des öffentlichen Gesundheitswesens. Dieses sollte nicht für politische Manöver missbraucht und dadurch manipuliert werden. Wir wissen mittlerweile, dass sowohl die zivile als auch militärische Nutzung von Atomenergie schädlich ist. Wir wissen von den wiederholten Atomunfällen (2010 waren das mehr als 1000 in Frankreich ), welche für den Alltag, die Gesundheit und die Lebensmittelqualität schlecht sind."

Jean Revest, der schon am 16. März zur Versammlung aufgerufen hatte, ist von den „Nukleokraten von ganz oben" wirklich genervt. „Es geht nur noch um die Macht und nicht mehr um das humanistische Gemeingut! Das ist ein finanzielles Rennen, bei dem sich der französische Atomlobbyismus mit seinem präsidentiellen Handelsvertreter gegenüber dem Schutz des universellen Erbguts behauptet und durchsetzt!"

Das institutionalisierte Antiatom-Netzwerk in Frage gestellt

Laut Jean Revest beeinflussen die deutschen Antiatom-Bewegungen leider kaum die französische Gesellschaft, die noch immer das „wir können es ohne Kernenergie nicht" in den Ohren hat. Durch die Atomkatastrophe in Japan werden die Bürger/innen jedoch langsam wach.

„Die Antiatommobilisierung in Deutschland wird von den Antiatom-Aktivist/innen in Frankreich genau analysiert. Wir sind immer noch zu wenig auf die Straße und viele von uns fragen sich mittlerweile, ob wir gut genug organisiert sind. Wir stellen damit auch die bürokratische und zentralisierte Institutionalisierung des Netzwerks „Raus aus der Kernenergie" in Frage."

Ein sofortiger Atomausstieg werde von dem Netzwerk nicht unterstützt, quasi nicht mehr toleriert: „Viele Politiker/innen und etablierte Organisationen wie Verts, Europe-Ecologie und Greenpeace sind eingestiegen und wollen immer im Sinne von Kompromissen agieren."

Für die aktiven Mitglieder der „Antiatom- Koordinierung in Süd-Ost" seien die Entscheidungen Merkels ein großer Schritt nach vorn: „Langsam nimmt die Idee Formen an, dass sich ein Industriestaat auch ohne Kernenergie weiter entwickeln kann. Selbst die linken Kräfte, wie die KPF und die CGT, die traditionell pro Atom sind, beginnen umzudenken."

Der Kampf in der „atomisierten" Region Europas geht weiter

Vergangenen Samstag versammelten sich die Antiatom-Aktivist/innen vor dem AKW in Tricastin. Morgen, am 26. März, sind sie in Marcoule. Beide Orte liegen im Tal des Rhônes, eine Region mit seismischen Risiken. „Marcoule gilt als die Hochburg für die Herstellung der französischen Atombombe. Es werden dort MOX-Brennelemente hergestellt, mit denen u. a. auch das AKW in Fukushima beliefert wurde. Als Dank dafür kommt nun womöglich eine radioaktive Wolke nach Frankreich zurück in das Land, welches doch selbst den Tod ausstrahlt."

Seit den Ereignissen in Fukushima mobilisieren sich in Frankreich Umweltorganisationen, Volksvertreter/innen und Bürger/innen. Sie bekunden öffentlich Solidarität mit dem japanischen Volk und fordern den Atomausstieg. Vor allem besteht das dringende Bedürfnis, eine Debatte über Energieerzeugung in „Nuklear-Frankreich" offiziell zu starten. Die Franzosen wollen ihre Energiepolitik wählen und bestimmen können. Die Reaktionen der französischen Regierung sind unbefriedigend, ihre Antworten auf die Forderungen sind ausweichend. Ich habe Aussagen von Anti-AKW-Kundgebungen-Veranstalter/innen aus vier Regionen Frankreichs gesammelt. An einem Tag habe ich mehr als 20 Antworten erhalten: Der Frust sitzt tief, es wird neidisch nach Deutschland geschaut. Die Hoffnung ist groß, dass sowohl die Anti-AKW-Bewegungen in Deutschland als auch die Energiepolitik Merkels die der französischen Regierung beeinflussen können.

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