Klaus Bellin 26.03.2011 / Essay

Die ideale Wurstzeitung

Vor 200 Jahren erschienen Kleists »Berliner Abendblätter« zum letzten Mal

Von den »Berliner Abendblättern« ist lediglich ein (fast) vollständiges Exemplar erhalten geblieben. Zu danken ist es der Sammelleidenschaft der Brüder Grimm, die damals nicht einmal in Berlin, sondern in Kassel lebten. Heute befindet sich dieses Original in Schweizer Privatbesitz. Einen Faksimiledruck der Zeitung, herausgegeben von Georg Minde-Pouet, gab es erstmals 1925 in Leipzig. Den letzten reprografischen Druck besorgte Helmut Sembdner für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft in Darmstadt. Er erschien 1970 und noch einmal 1982. Die Editionen der Werke und Briefe bringen nur die Texte, die man Kleist zuordnen konnte. Komplett sind die »Berliner Abendblätter« in der kürzlich abgeschlossenen Brandenburger Kleist-Ausgabe von Roland Reuß und Peter Staengle abgedruckt, die im Stroemfeld-Verlag erschienen ist.

Im März 1811 steht Heinrich von Kleist am Abgrund, wieder einmal. Der Kampf um seine Zeitung, die »Berliner Abendblätter«, ist da endgültig verloren. Die Appelle verpufft, die Bitten ungehört, die Freunde und Mitarbeiter unsichtbar. Er kann nichts mehr tun. Er schreibt – die letzte Pflicht, die noch zu erfüllen ist – eine Anzeige, die die Ausgabe vom 30. März beschließt und den Lesern mitteilt, dass keine weitere folgen wird. Karge Worte. Über die Gründe, die zu diesem Schritt führten, will er nicht sprechen.

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