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Von Caroline M. Buck
07.04.2011
Kino

Die große Chance

»The Fighter« von David O. Russell

Am Ende von »The Fighter« danken die beiden Männer, auf deren Lebensgeschichte dieser Spielfilm beruht, »den Leuten aus Hollywood«, die einen Film über ihre Lebensgeschichte gedreht haben. Auf der Veranda ihres Hauses sitzen sie da, der eine recht ernst, der andere eher albern. Und obwohl sie gar nicht (oder gar nicht mehr) so aussehen wie die beiden Darsteller, von denen sie im Film gespielt werden, weiß man sofort, wer da wer ist von den beiden. Denn man hat den Film ja schon gesehen, der ihre Lebensgeschichte darstellt. Und der kommt angenehm (pseudo-)dokumentarisch daher.

»The Fighter« ist ein Boxfilm, ein Film über eine Familie aus der Arbeiterschicht in einer verfallenden Industriestadt, in der viel Arbeit nicht mehr zu bekommen ist. Lowell, Massachusetts, ein paar Dutzend Kilometer nördlich von Boston, war bis vor etwa hundert Jahren ein Zentrum der US-Textilindustrie. Micky Ward (Mark Wahlberg) und Dicky Eklund (Christian Bale) sind die einzigen Söhne ihrer Mutter (Melissa Leo), flankiert von einem ganzen Chorus Schwestern. Und sie sind Boxer. Oder besser: Dicky war Boxer, bis die Drogensucht seiner mäßig erfolgreichen Karriere den Garaus machte. Jetzt trainiert er Micky, den jüngeren Halbbruder, der eine Box-Karriere möglicherweise vor sich hat. Dickys wichtigster Kampf wurde damals auf dem Bezahlfernsehsender HBO ausgestrahlt. Und auch wenn weiter unklar ist, ob sein prominenter Gegner zu Boden ging, weil er ausrutschte, oder ob Dicky ihm tatsächlich den entscheidenden Schlag verpasste, HBO ist ein wichtiger Bezugspunkt geblieben für Dicky, den Crack-Junkie.

Ein Filmteam von HBO ist es denn auch, das die Brüder zu Beginn ständig filmt. Eine einstündige Fernsehdokumentation wird gedreht, ein Film über drei Einwohner von Lowell, denen es geht wie ihrer Stadt. Die ihre besten Jahre hinter sich haben und nicht wieder auf die Beine kommen. Ein Film über Drogensucht und ihre Folgen für die Betroffenen und deren Familien. Das Filmteam macht keinen Hehl aus seinen Absichten, Dickie aber glaubt, der Film handele von seinem ganz bald in allernächster Zukunft sicher anstehenden Comeback. Als die Reportage schließlich ausgestrahlt wird, ist das Entsetzen allseits groß. Und wieder nimmt HBO, der Bezahlfernsehsender, der nicht nur urbane Schundserien wie »Sex & the City« verbreitet, sondern auch ziemlich viel Qualitätsfernsehen, eine Schlüsselposition ein in Dickys Leben. Der sitzt mittlerweile der Beschaffungskriminalität wegen im Gefängnis, für ziemlich lange Zeit. Und hat vielleicht endlich eine Chance, aus seinem Drogenrausch abzusteigen.

Bruder Micky hat derweil eine neue Freundin, ein paar Einsichten über seine Familie gewonnen, die ihn (er wird von Mutter Alice gemanagt) auch in Kämpfen zu verheizen bereit ist, die zu gewinnen er keine Chance hat – wenn nur das Geld stimmt. Er hat den Trainer gewechselt und wird im Ring endlich nicht mehr nur vermöbelt. Als Dicky aus dem Gefängnis entlassen wird, hat Micky seinem neuen Team längst versprechen müssen, weder ihm noch Mutter Alice Zugang zu seinem Trainingsplan zu geben. Micky, der nette Junge, der Familienmensch, möchte den Bruder, der früher mal sein großes Vorbild war, wieder um sich haben. Aber gewinnen möchte er auch. Und will Freundin Charlene (Amy Adams) nicht verlieren, die als Allererste begriff, dass Dickys Abstieg drohte auch Mickys Chancen auf Erfolg zu versenken.

Mark Wahlberg stammt aus Boston, aus einem ähnlichen sozialen Umfeld wie die Brüder. Er war es, der diesen Film machen wollte, der David O. Russell (»Three Kings«) dazu bewegte, nach Jahren wieder einen Film zu drehen, als frühere Besetzungsversuche für den Regie-Stuhl hinfällig wurden. (Darren Aronofsky soll die allererste Wahl gewesen sein, der Regisseur von »The Wrestler« und »Black Swan«.) Mark Wahlberg war es, der sich Muskeln antrainierte, um den späteren Halbweltergewichtsweltmeister Micky Ward spielen zu können, Jahre, bevor der Film je spruchreif wurde. Und Mark Wahlberg war, Ironie des Schicksals, bei den Oscars so ziemlich der einzige, der für diesen Film nicht einmal nominiert wurde (Christian Bale und Melissa Leo erhielten den Nebenrollen-Oscar).

Was vermutlich daran liegt, dass sein Micky ein so ruhiger Typ ist. Ein loyaler Sohn und Bruder, der lange nicht merkt, wie wenig an seinem Wohl orientiert Mutter und Bruder handeln. Der die ostentierte Bildungsferne seiner Schwestern, ihre krawallige Vulgarität, ihr Stutenbeißen gegenüber Neuzugang Charlene und die blinde Vorliebe der Mutter für ihren älteren Sohn nicht auf sich bezieht. Der verbrauchte Hoffnungsträger Dicky dagegen, der Clown des Film und seine tragische Gestalt, die kettenrauchende Alice mit ihren Miniröcken und blondierten Haaren, die hochtoupierten Schreckschrauben von junk-food-futternden Schwestern, und selbst Charlene, die durchsetzungsfähige, rotmähnige Bardame mit abgebrochener Schulbildung (mehr immerhin, als die Schwestern vorzuweisen haben!), mit Bikinistreifen und Tattoo an exponierter Stelle, sie machen einfach mehr her auf der Leinwand.

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