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Von Karlen Vesper
12.04.2011

Neugier und Nutzen

Die Leibniz-Sozietät erinnerte an den ersten Menschen im All

50 Jahre bemannte Weltraumfahrt feierte die Leibniz-Sozietät mit einer Festsitzung in Berlin. Dr. Sigmund Jähn, der erste Deutsche im All, wurde als erstes Ehrenmitglied in die Gelehrtengesellschaft aufgenommen.

Es war ihm anzumerken: Er freute sich ehrlich, als Dieter B. Herrmann, Präsident der Leibniz-Sozietät, ihm die Urkunde überreichte. Obwohl mit Auszeichnungen seit seinem Flug ins All 1978 reichlich bedacht, empfindet Sigmund Jähn, wie er das professorale Publikum wissen ließ, »diese akademische Ehre, zu der ich nicht wie Sie auf geradem Weg, sondern über den Umweg Weltall gekommen bin, als etwas ganz Besonderes«.

Auch wenn Jähn der Stargast war, im Mittelpunkt der Festsitzung stand Gagarins Flug am 12. April 1961, mit dem »die Ära der bemannten Raumfahrt begann und sich ein alter Menschheitstraum erfüllte«, so eingangs Herrmann. Millionen Menschen weltweit bejubelten Gagarin und die Sowjetunion rühmte den »Genius des Sowjetvolkes«, der einen neuerlichen Triumph im Wettlauf der Systeme und Supermächte einbrachte. »Wir wissen heute jedoch, welche ernsthaften Risiken bestanden«, merkte der langjährige Direktor der Archenhold-Sternwarte in Berlin an.

Auch Johann-Dietrich Wörner, Vorsitzender des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), zollte der sowjetischen Raumfahrt seinen Respekt: Sie hatte lange Zeit die Nase vorn, mit dem ersten künstlichen Satelliten und den ersten Lebewesen im All, mit dem ersten Menschen im erdnahen Weltraum, der ersten Frau im Kosmos und dem ersten frei schwebenden Kosmonauten. Das sowjetische Mondgefährt »Lunochod« empfand Wörner seinerzeit ebenso spannend wie die US-amerikanische Apollo-Mission, die den ersten Menschen auf dem Mond absetzte. Inzwischen ist die Konfrontation der Kooperation gewichen, freuten sich unisono Herrmann wie Wörner. Beide plädierten für die Fortführung bemannter wie unbemannter Raumfahrt. »Ein Entweder Oder gibt es hier nicht«, sagte Wörner. Und Herrmann versicherte, dass die Geo-, Umwelt- und Astrowissenschaftler der Leibniz-Sozietät ihren Beitrag dazu »leisten wollen und können«, wenngleich Möglichkeiten und Mittel der Rechtsnachfolgerin der Gelehrtengesellschaft der Akademie der Wissenschaften der DDR beschränkt sind.

Wörner, nach eigener, koketter Vorstellung ein »einfacher Bauingenieur« (aber mit Professorentitel), zählte wissenschaftlichen wie wirtschaftlichen Nutzen der Raumfahrt auf: für Grundlagenforschung, Medizin, Wettervorhersagen, Mobilität, Kommunikation etc. Ohne Raumfahrt würde in modernen Küchen die Cerankochplatte fehlen. Als erste und entscheidende Triebkraft benannte Wörner indes die Neugier des Menschen. »Die Besteigung des Mount Everest hat keinen konkreten Nutzen gebracht, und doch hat der Mensch die Anstrengung unternommen.«

Wer glaubt, bei Akademikern ginge es nur ernst zu, der irrt. Dieser Abend war vergnüglich und heiter. Wörner reflektierte, wie ihn das Raumfahrt-Fieber erfasst hatte – seit der erste »Sputnik« die Erde umkreiste und der Vater den Dreijährigen auf den Arm nahm, gen Himmel zeigend: »›Siehst du da oben...‹ Ich sah natürlich nichts, aber nickte.« Die Bücher seiner Kindheit waren »Peterchens Mondfahrt« von Gerdt von Bassewitz und Jules Vernes »Reise zum Mond«. Geradezu visionär nannte Wörner die TV-Serie »Space Patrol« von 1966, in einer Zeit kältesten Kalten Krieges gedreht: Das Raumschiff »Orion« wurde von einem internationalen Team gelenkt, Russen und Amerikaner friedlich vereint. So soll es sein, so soll es bleiben.

Wörner würdigte Jähns Betreuung deutscher Astronauten ab Anfang der 90er Jahre und bekannte: »Mir war Sigmund Jähn vom ersten Augenblick an sympathisch.« Herrmann wiederum erinnerte sich, wie Jähn im Kosmonautenhain an der Berliner Sternwarte »überrascht und bleich« erstmals seinem Konterfei, einer vom Bildhauer Gerhard Rommel geschaffenen Büste, gegenüberstand. Jähn seinerseits betonte, mit Eberhard Köllner, seinem einstigen Ersatzmann, in enger Freundschaft seit Anbeginn verbunden zu sein – was jener, an diesem Abend in der ersten Reihe sitzend, bestätigte.

Das neue Ehrenmitglied, das seit Jahren für die Sozietät tätig ist, hielt auch eine Rede, sprach über medizinische Voraussetzungen und Anforderungen an Raumfahrer. Jähn erinnerte sich zudem fast sehnsuchtsvoll an die 16 Sonnenaufgänge am Tag, die er im All erlebt hatte, und zitierte dann Gagarin: »Als ich die Erde in der Raumkapsel umkreiste, habe ich gesehen, wie schön unser Planet ist. Lasst uns diese Schönheit erhalten und vergrößern, nicht zerstören!«

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