Von Marcus Meier
15.04.2011

BP-Vorstand verweigert Schmähpreis

Proteste bei der Hauptversammlung des britischen Ölkonzerns in London

Wenige Tage vor dem ersten Jahrestag der »Deepwater-Horizon«-Katastrophe fand am Donnerstag die Jahreshauptversammlung des BP-Konzerns statt. Kritischen Aktionären wurde der Zutritt verweigert.
Aktivistin Diane Wilson mit dem Schmähpreis für BP
Aktivistin Diane Wilson mit dem Schmähpreis für BP

Axel Köhler-Schnura, Kritischer Aktionär aus Deutschland, ist empört. »Das ist kriminell, das hat mit Demokratie nichts zu tun«, sagt er dem ND. Köhler-Schnura ist einer der Aktivisten, die dem Vorstand des Ölgiganten gestern einen Schmähpreis überreichen wollten.

Doch der Düsseldorfer durfte das Londoner ExCeL Exhibition Centre ebenso wenig betreten wie seine Mitstreiterin Diane Wilson. »Wir wurden schon am Eingang von der Security abgefangen«, so Köhler-Schnura. »Ich bin Aktionär«, hatte der als Vorstands-Schreck bekannte Aktivist gerufen. Wilson, Fischerin in der fünften Generation, war das Stimmrecht von einem Aktionär übertragen worden. Auch ihr hätte damit Zutritt gewährt werden müssen. Weiteren Fischern aus den USA wurde der Zutritt ebenso verweigert. »Sie waren eigens aus den USA eingeflogen, wollten Fragen an den Vorstand stellen«, so Köhler-Schnura. Britische Arbeiter protestierten zudem gegen die Beschäftigungspolitik von BP.

Doch es kam anders: Erst gab es ein kleineres Gerangel mit den Sicherheitsleuten, dann kam die Polizei, berichtet Köhler-Schnura. Der Aktivist wurde nach Zeugenaussagen von vier Polizisten abgeführt. Wilson, die bekannt wurde, weil sie Mitte 2010 bei einer Sitzung des Energieausschusses des US-Senats Öl über sich ausgegossen hatte, wurde in Gewahrsam genommen. Die Polizisten entdeckten bei ihr schwarze Farbe, mit der sie wohl die Statue des Schmähpreises beschmieren wollte. Wilson ist wütend, weil »bei der Sicherheit geschlampt« wurde, »um mehr Profit zu machen«. Dennoch erhalte der Konzern neue Bohrgenehmigungen, statt »aus der Golfregion hinausgeworfen zu werden«.

Der Konzernkritiker Köhler-Schnura ist Vorsitzender der Stiftung Ethecon (»Ethik & Ökonomie«), die seit 2006 jährlich den »Black Planet Award« (»Schwarzer-Planet-Preis«) vergibt. Vorherige Preisträger sind die Konzerne Monsanto und Nestlé.

BP gefährde und ruiniere »unseren Blauen Planeten in verantwortungsloser Weise«, heißt es im Manuskript der Rede, die Köhler-Schnura anlässlich der Verleihung halten wollte. Er wollte die Vorstände auffordern, »die Ausbeutung und den Ruin von Mensch und Umwelt durch BP« zu beenden, statt wie bisher »einzig zum Vorteil persönlicher Macht und privater Bereicherung« zu agieren.

Die Katastrophe auf der Bohrinsel »Deepwater Horizon« wird BP nach eigenen Einschätzungen 41 Milliarden US-Dollar kosten – für die Begleichung von Schäden und Kompensationsansprüchen. Sollte der Konzern wegen grober Fahrlässigkeit verurteilt werden, könnte ein weiterer Betrag in zweistelliger Milliardenhöhe fällig sein. Wegen des Ölplattform-Desasters schrieb BP erstmals seit 20 Jahren rote Zahlen – mit fünf Milliarden US-Dollar nicht zu knapp.

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