15.04.2011
Meine Sicht

Albtraum

Bernd Kammer hat Verständnis für Schlafbedürfnis

»Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da«, hieß es mal in einem Gassenhauer. Für die Anwohner rings um den neuen Flughafen Berlin Brandenburg könnte das Liedchen bald wieder aktuell werden. Geht es nach der Berliner Wirtschaft und dem ihre Interessen vertretenden Regierenden Bürgermeister, wird ihre Nachtruhe künftig auf fünf Stunden begrenzt.

Das mag Klaus Wowereit reichen und auch manchem Unternehmensboss, den Zehntausenden in der Region um Schönefeld ist das zu wenig. Sie fürchten um ihre Gesundheit, vor allem um die ihrer Kinder. Und fragen sich, warum ihnen nicht wenigstens so viel Nachtruhe zugestanden wird wie den Anwohnern von Tegel, wo sieben Stunden nicht geflogen werden darf. Dass Tegel deshalb kein wirtschaftlicher Flop ist, hat gerade die Bilanz der Flughafengesellschaft wieder bewiesen. Sieben Stunden Nachtruhe entspräche auch der Forderung des Bundesumweltamtes.

Als der Streit um die Flugrouten hochkochte, versprach Wowereit, Gesundheit geht vor Wirtschaftlichkeit. In der Diskussion um die Nachtflüge gilt das offenbar nicht mehr. Stattdessen sollen die Menschen ausbaden, dass vor 15 Jahren von der Politik eine falsche Standortentscheidung getroffen wurde. Zu erwarten gewesen wäre vielmehr, dass diejenigen, die diese Entscheidung jetzt umsetzen, zu deutlichen Kompromissen bereit wären. Damit der Flughafen für die Bewohner der dicht besiedelten Gebiete ringsum nicht zu einem Albtraum wird.

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