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Von Robert Meyer 04.05.2011 / Berlin / Brandenburg

Tüte gefällig?

Die Galerie Wagner + Partner präsentiert eine Ausstellung von Eckart Hahn

Da sieht man einfach hin: Ludwig XIV, der Monarch der Monarchen, präsentiert sich mit einer gewaltigen Plastiktüte über dem Kopf! Das in der Galerie Wagner + Partner zu sehende, großformatige und fotorealistisch gemalte Porträt des Sonnenkönigs weicht besonders in diesem markanten Detail vom berühmten Originalbild ab. Beim Betrachten fragt man sich unwillkürlich, ob hier unsere Augen nur mit einem außergewöhnlich kreativen Spiel von Bildformen verwöhnt werden sollen, oder diese Darstellung auch Kritik an Verhältnissen beinhaltet.

Die Ausstellung »Eckart Hahn: Mythos incorporated« provoziert Fragen: Haben große alte Meisterwerke an Aussage verloren, weil die Werte, die vermittelt werden sollen, heute kein Gegenüber mehr haben? Zerstört Kommerz herausragende Qualitäten, weil er sie dem »Gesetz der Masse« unterwirft?

Eckart Hahns Grundgedanke scheint einfach: Plastiktüten sind so allgegenwärtig, dass wir ihnen wenig bewusste Aufmerksamkeit schenken. Diese verdeckte Allgegenwärtigkeit inspirierte den Künstler wohl zu seinen bemerkenswerten Installationen und fotorealistischen Malereien, zu denen auch Hahns »Anbetung der Könige« zählt. Auch dieses weltbekannte Bild verfremdet Hahn: Hier überstülpt der Künstler gleich die ganze Bildszenerie mit Plastiktüten. Beim Ansehen kann sich das Gefühl einstellen, auf ein altes Meisterwerk zu blicken, dem brutal die Stimmung genommen wurde. Die Figuren in Hahns Bild, so ein weiterer Eindruck, sind von der Außenwahrnehmung abgeschnitten – nichts kann mehr miteinander korrespondieren. Sieht man das Bild auf diese Weise, dann kann ein Gefühl von Verlust entstehen und der Begriff Entropie bekommt plötzlich Leben.

Besonders dieses Werk lässt also den Betrachter erfahren, wie es sich anfühlen kann, von einer Welt, die reich an Eindrücken, Kommunikation und Gefühl ist, in eine harte, reduktive und platte Welt zu fallen. Wird man sich dessen gewahr, dann tritt man aus dem eben imaginierten Raum wieder heraus und merkt, wie befruchtend Kunst sein kann, da sie die Erfahrung eines solchen Vergleiches ermöglicht.

Betrachtet man Hahns fantastisch gute Bilder mit diesen Augen, dann kann man die Ausstellung mit dem Gedanken verlassen, dass die Welt reich ist an Zeichen, die uns vermitteln, wie sie funktioniert.

Bis 28.5., Di. bis Sa. 12 bis 18 Uhr, Galerie Wagner + Partner, Karl-Marx-Allee 87

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