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Von Anke Stefan, Athen 06.05.2011 / Gewerkschaftliches

Streik auch in der Hauptsaison

In Griechenlands Tourismusbranche arbeiten 60 Prozent der Beschäftigten ohne Versicherung

Die griechische Tourismus- und Gastrogewerkschaft kritisiert miese Arbeitsbedingungen in der Branche und forderte staatliche Kontrollen.
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Über die Arbeitsbedingungen wissen sie vermutlich nichts – Touristen an der Akropolis.

Insgesamt 18 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden in Griechenlands Tourismus erwirtschaftet. Doch die Arbeitsverhältnisse in der Branche sind äußerst prekär. Nach Aussage des Vorsitzenden der POEEYTE, griechischen Gewerkschaftsvereinigung der in Tourismus und Gastronomie Arbeitenden, haben diese Branchen »die meisten illegalen, schwarzen und brutalsten Formen flexibler Arbeitsverhältnisse in der EU«.

Etwa 60 Prozent der Arbeit würde unversichert geleistet, erklärte Panagiotis Proutzos kürzlich auf einer Pressekonferenz der Gewerkschaft in Athen. So waren nach Zahlen der staatlichen Sozialversicherungsanstalt IKA im Jahre 2010 von den etwa 550 000 in beiden Branchen Arbeitenden nur knapp 230 000 für die Monate der griechischen Tourismussaison, also von Juni bis September, sozialversichert. In den letzten Jahren habe sich die Situation im Vergleich zu früher noch verschlechtert. »Unter dem Vorwand der Krise und mit Hilfe der neoliberalen politischen Inspiration der Regierung findet eine gewaltsame Umgestaltung der Branche zu Lasten der Erwerbstätigen statt.«

Noch vor Beginn der Saison zeichne sich bereits ab, dass 2011 noch weniger Saisonarbeiter zu Tariflöhnen und sozialversichert beschäftigt werden. In den Betrieben informiere man bereits langjährig Beschäftigte, dass dieses Jahr auf ihre Arbeit verzichtet werden könne, so der Gewerkschaftsvorsitzende, und das obwohl die Buchungszahlen im Vergleich zu Vorjahr eine Steigerung von etwa 10 Prozent aufwiesen.

Dabei könne man sich nur durch Qualität im Wettbewerb mit anderen preiswerten touristischen Domizilen behaupten. »Dabei muss der menschliche Faktor unterstützt werden, denn er trägt zur Qualität der Dienstleistungen bei.« Proutzos warf dem griechischen Staat das Versagen bei der Kontrolle der Unternehmer zum Beispiel zur Verhinderung von Schwarzarbeit vor. Auch die staatlichen Schulen für Tourismus und Gastronomie würden sträflich vernachlässigt. Den Unternehmern dagegen wird staatlicherseits kräftig unter die Arme gegriffen. Einen guten Teil der Werbung im Ausland bezahlt die Staatskasse über Kampagnen des griechischen Tourismusverbandes EOT. Außerdem wurde die Mehrwertsteuer auf Hoteldienstleistungen im vorigen Jahr auf 6,5 Prozent gesenkt, während die Mehrwertsteuer für andere Güter und Dienstleistungen im Hauptsteuersatz auf von 19 auf 23 und im ermäßigten Steuersatz von 9 auf 13 Prozent angehoben wurden.

Für die kommende Saison fordert die Gewerkschaft den Stopp der Entlassungen und die Wiedereinstellung der Saisonarbeiter aus den vorigen Jahren zu Tarifbedingungen sowie strenge staatliche Kontrollen für die Einhaltung der Tarifnormen. Zur Bekämpfung der Schwarzarbeit sollte eine Untergrenze von Angestellten je touristischem Unternehmen, abhängig von dessen Wirtschaftsleistung festgelegt werden. Den Absolventen der Schulen für Tourismus und Gastronomie sollte bei Neueinstellungen Vorrang eingeräumt werden. Nach Meinung der Gewerkschaft kann der griechische Tourismus nur so erfolgreich aus der Krise geführt werden. Zur Durchsetzung dieser Ziele ist man bei der POEEYTE bereit, notfalls auch innerhalb der Saison Arbeitskämpfe auszufechten. Diese dürften allerdings nur Gastronomieketten und Großhotels, die sogenannten Bettenburgen im Mittelmeerstaat, betreffen. Nach wie vor machen Familienbetriebe mit wenigen oder gar keinen nicht der Familie angehörenden Angestellten den Großteil griechischer Hotels und Gastwirtschaften aus. Hier tendiert der Organisationsgrad gegen null.

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