Constantin Costa-Gavras, einer der großen europäischen Filmemacher, schuf einen eindrucksvollen Beitrag zum Thema Zuwanderung. Obwohl Abschlussfilm auf der Berlinale 2009, wurde »Eden is West« bislang noch nicht in den deutschen Kinos gezeigt. Doch Interessierte konnten ihn am Mittwochabend im Programmkino Babylon Berlin-Mitte sehen und hinterher mit dem Regisseur darüber diskutieren.
Der Film, mit Riccardo Scamarcio und Ulrich Tukur, zeigt die Odyssee eines illegalen Zuwanderers durch Europa. Auf einem Boot landet er an der italienischen Küste. Fast einem Road-Movie gleich, macht er sich atemlos auf den Weg nach Paris – denn dort vermutet er das Paradies. Er begegnet hilfreichen Menschen, aber auch jenen, die seine schutzlose Lage ausnutzen. Costa-Gavras Werk wirft drängende Fragen auf: Wie gehen wir in Europa mit Zuwanderern um? Wollen wir eine Festung Europa?
Einig war sich die Diskussionsrunde mit Costa-Gavras, Berlinale-Leiter Dieter Kosslick und den Linkspartei-Politikern Lothar Bisky und Luc Jochimsen darüber, dass wir im Jahrhundert der Immigration leben. Länder wie Frankreich oder Deutschland überalterten, erklärt Costa-Gavras. Der französische Außenminister Alain Juppé habe kürzlich gesagt, dass wir 300 000 Immigranten jährlich bräuchten, um dieses Problem zu lösen. »Das hat er dann nicht mehr wiederholt. Das wollte niemand hören«, fügte Costa-Gavras hinzu.
Deutliche Worte fand Bisky: Wir hätten uns den Wohlstand, den wir haben, mit viel Brutalität in dieser Welt genommen und müssten unsere Lebensweise jetzt ändern.
Costa-Gavras, selbst mit 19 Jahren aus Griechenland nach Paris eingewandert, fordert vor allem Respekt für Immigranten: »Ich habe mich entschlossen ein guter Franzose zu werden, weil ich respektiert wurde.«
In welche Zukunft gehe Elias, der Protagonist des Films, fragt Jochimsen. Das Ende seines Films sei voller Hoffnung, erklärt Costa-Gavras. Denn die europäische Gesellschaft habe alle Voraussetzungen für Lösungen – Kultur, Bildung und viel Erfahrung. ast
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
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