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Von Karl-Wilhelm Götte 07.05.2011 / Sport

Olympia 2018 zieht einen Riss durch Garmisch

Am Sonntag stimmen die Bürger über die Winterspiele ab – nur ein klares Votum hilft der Bewerbung

Eines weiß Axel Doering ganz sicher: »Der Ude hat uns sehr motiviert.« Doering ist der Kopf der Olympiagegner in Garmisch-Partenkirchen, die die Bewerbung von München samt Garmisch im Gepäck für die Winterspiele 2018 ablehnen. Christian Ude, der Münchner Oberbürgermeister, hatte aus der 90 Kilometer entfernten Landeshauptstadt Doering und seine Mitstreiter immer wieder verhöhnt und sie zu einer nicht ernst zu nehmenden kleinen Minderheit abgestempelt, die Angst vor einem Bürgerentscheid hätte. Die Gegner konterten sofort. »Die 2400 dazu nötigen Unterschriften haben wir locker eingesammelt«, so Doering. Die mit Spannung erwartete Abstimmung über Olympia findet nun am Sonntag statt.

Auch die Olympia-Befürworter haben die notwendigen Unterschriften für ein Bürgerbegehren eingereicht, was die Abstimmung für die etwa 20 000 Wahlberechtigten etwas komplizierter macht, doch mit einer Stichfrage auf dem Wahlzettel, kann letztlich jeder mit Ja oder Nein für Olympia 2018 votieren. Erschöpfend diskutiert wurde in Garmisch das Thema in den vergangenen Wochen mit Sicherheit. Entsprechend groß ist das Interesse: 4000 Briefwähler haben ihre Stimme bereits abgegeben. »Wir sind mit einer Flut von Werbematerialien und Druckschriften bombardiert worden«, sagt Doering und vermutet auch hier das Bewerbungskomitee in München als treibende Kraft.

Doch auch die Gegner waren nicht untätig. Neben der Initiative um Doering und seine Mitstreiter haben auch die Grundstückseigentümer – 60 von ihnen lassen sich durch einen Anwalt vertreten und weigern sich, ihren Grund und Boden für Olympia abzutreten – noch einmal ihre Positionen in einem Flyer deutlich gemacht. »Der durch Olympia benötigte Flächenverbrauch würde das Ende der heimischen Landwirtschaft bedeuten«, schreiben die Bauern, die vor und nach Olympia mindestens sechs Jahre lang Bautätigkeit fürchten. »Schon lange wird Stück für Stück unsere Heimat verkauft und zubetoniert«, argumentieren die Landwirte weiter. »Das alte Flair unseres Ortes verliert sich.«

Doering, der als Förster arbeitet, bringt seine ablehnende Position noch einmal auf den Punkt. »Wir wollen zwei Katastrophen verhindern«, sagt er, »die Schädigung der Tallandschaft und ein finanzielles Desaster für unseren Ort.« Bei einem Schuldenberg der Marktgemeinde von bereits 100 Millionen Euro sei Olympia ein unverantwortliches Risiko. Allein das IOC, das die Ausrichter mit rigorosen Verträgen knebele, würde von Olympia profitieren. Besonders die geforderte eigene Olympia-Fahrspur auf der Autobahn von München nach Garmisch für Sportler, Trainer und Funktionäre sei eine Anmaßung.

Olympia-Befürworter Peter Fischer sieht das anders. Der ehemalige Bobfahrer und OK-Chef der gerade ausgetragenen Ski-WM will Olympia: »wegen dem Sport als solchem«, wie er sagt. Aber auch weil mit den Spielen Verkehrs- und Infrastrukturmaßnahmen wie Tunnel und Straßen zu zwei Dritteln mit Zuschüssen finanziert werden können. Projekte, die sonst nicht kommen würden, wovon auch das marode Eisstadion und das benachbarte Wellenbad profitieren könnten. Zudem sieht Fischer anders als die Gegner durch Olympia durchaus einen Effekt für den Tourismus, der schnelllebig sei. »Garmisch ist doch bekannt vor allem durch den Sport, durch das Neujahrsspringen und den Skiweltcup.« Fischers Wunschergebnis für die Abstimmung wären 60 Prozent plus x.

»Wir werden mit Straßen und Tunneln erpresst«, argumentiert Olympiagegner Doering. Seit Jahrzehnten ärgert die Einwohner das Garmischer Verkehrsnadelöhr. Er kalkuliert mit 48 bis 52 Prozent für die Gegner. Auch ein sehr knappes Pro-Votum würde der Bewerbung Münchens einen schweren Schlag versetzen, glaubt er.

So oder so rechnet Doering damit, dass die IOC-Vollversammlung am 6. Juli in Durban/Südafrika Pyeongchang zur Olympiastadt küren wird, weil der südkoreanische Wintersportort bereits zum dritten Mal antritt. Annecy und die Montblanc-Region in Frankreich gelten lediglich als Außenseiter. In Garmisch gilt es nach dem Bürgerentscheid erst einmal wieder den Riss zu kitten, der »mitten durch den Ort geht«, so Axel Doering.

Diesen Riss sieht Peter Fischer nicht. »Die Emotionen und die persönlichen Diffamierungen sind vorbei, die letzten Informationsveranstaltungen verliefen doch sehr sachlich.«

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