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Häftling im Hungerstreik gegen verdrecktes Essen

(ND-Nowak). Seit dem 8. Mai befindet sich der in der JVA Sehnde inhaftierte ehemalige Erwerbslosenaktivist Werner Braeuner in einem unbefristeten Hungerstreik. Der Anlass für den drastischen Schritt ist die Auseinandersetzung um das Essen im Gefängnis. Braeuner wirft Mithäftlingen vor, das Essen mit menschlichen Exkrementen zu verunreinigen. Mit der Verweigerung will er erreichen, künftig den Tagesverpflegungssatz für Inhaftierte in Höhe von sieben Euro ausbezahlt zu bekommen, »um mit diesem Geld beim Knastkaufmann einkaufen und mich selbst beköstigen zu können«. »Bereits seit der zweiten Februarwoche 2011 habe ich aus unüberwindlichem Ekel keine in der Knastküche in Kesseln zubereiteten Speisen mehr gegessen«, schreibt er in einer Erklärung aus dem Gefängnis. Seit Sonntag hat er die Nahrungsaufnahme ganz eingestellt. Braeuner war wegen der Tötung eines Arbeitsamtsdirektors 2001 zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt worden (ND vom 23.2.2011).

Die JVA schließt eine Verunreinigung des Gefängnisessens aus. »Die Hygiene der Küche wird täglich durch entsprechend befähigte Mitarbeiter sowie unregelmäßig durch diverse externe Kontrolleure überprüft. Gleiches gilt für die Qualität des Essens«, erklärte die Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit, Ines Leitner, gegenüber ND.

Braeuner weist in seiner Erklärung darauf hin, dass ungenießbar gemachtes Essen ein in allen Gefängnissen auftretendes und bekanntes Problem sei. »Knäste sind Heimstätten der Niedertracht; es gibt dort eine im Vergleich zu draußen weit überdurschnittliche Zahl von persönlichkeitsgestörten bis hin zu verrückten Menschen, die aus geringfügigen Anlässen bisweilen extreme Verhaltensweisen an den Tag legen – z.B. aus allgemeiner Gekränktheit, diffusem Frust, Mißgestimmtheit und auch manchmal ohne irgendwie nachvollziehbare Anlässe.«

Das niedersächsische Landesjustizministerium lehnte Braeuners Antrag auf Selbstbeköstigung ab. Dieser will die Aktion mit allen Konsequenzen durchführen. »Wenn ich von Exkrementen freie Nahrung nur um den Preis erhalte, zuvor meine Gesundheit beschädigt zu haben, ist ein Leben in Würde nicht mehr möglich«, schreibt er.

Unterstützung bekommt Braeuner von anderen Gefangenen. »Er hat gehandelt, wo viele sonst nur reden, fluchen und sich allenfalls zu der Fantasie hinreißen lassen«, kommentiert der in der JVA Bruchsal inhaftiere Thomas Meyer-Falk den Hungerstreik in einem im Internet verbreiteten Brief.

Ein Solidaritätskomitee befürchtet, dass Braeuner die Einweisung in die Psychiatrie oder die Zwangsernährung drohen könnte. Die Initiative ruft dazu auf, mit Briefen und E-Mails an das niedersächsische Justizministerium die Forderung des Hungerstreikenden zu unterstützen. »Es ist uns klar, dass ohne Druck von draußen Werners legitime Forderung nicht durchgesetzt werden kann«, heißt es in dem Appell.

www.political-prisoners.net

www.gefangenen. info

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • drhwenk, 10. Mai 2011 22:01

    Keine Bewährung?

    "Die JVA schließt eine Verunreinigung des Gefängnisessens aus."

    So reagieren Behörden in repressiven Apparaten oft.
    Der Man hat sein Strafe fast abgsessen, ungewöhnlicherweise anscheiened ohne Bewährung. Wenn mein Informationsstand nicht trügt, wird nach 2/3 der Strafe d aml "nachgeschaut".

    Ob die Analyse, es handel sich vrmehrt umd 2Gestörte" Persönlichkeiten,
    dei Foucaults Theorie der ursprünglidchne Einhet des ausschliesnd Dispoistivs Medizin, Psychiarie, Gefängnis, Arbeitsosigkeit, untersteicht,
    zutrifft, oder nicht noch härtere "Organisiationsstrukturen und "-mentalitäten sowohl auf Gefängnis- als auf Gefangenseite
    dabei im Spiel sind, vermag ich nicht zu entscheiden.

    Das Gefänfgns ist schon sehr alt, das sich schon serh viel "herausgebildet", auch in der Neuzeit.

    Selbstverständlcih ist es ganz extrem unegwöhnlcih für einen politischen Protest, isnesbondere auf dr lInken, zu einer Tötung zu greifen, WIE der Delinquent.


    In der Verkürzung des Artikel kommt auch nicht heraus, ob er ein intimer Kenner der Foucaultschen Theorie ist oder "gestörte Persönlichkeiten" nicht noch einfach "eins unter ihm" für ihn sind. Letzteres verwerfe ich mal vertrauensseligerweise.


    Schon Plato malt den Schrecken des "Sklave VON Sklaven" Seins.
    Er hatte da sogar Erfahrungen sammeln können.

    Wohin mit den "Narzissmus", geläufiger der "Selbstachtung", im Verhältnis zur "Wahrnehmung".

    Sind doch die "Meinungen der anderen über uns am Ende doch stärker", wie Foucaults Inspirator Nietzsche wusste.

    Veschlimmbessernd scheint eher die Diagnose des Delinquenten zur Wirkung des Gefängnisses auf die Persönlichkeit zu sein.

    Dass es so schlimm zugeht im Gefängnis und Kritik so einfach abgebügelt wird, ist nicht im Sinne des Souveräns Volk, wie die Vorschriften es auch ausdrücken.

    • Permalink

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