Als 1932 in der österreichischen Kleinstadt Wörgl ein »Freigeld« eingeführt wurde, ahnte wohl auch der Bürgermeister und Initiator Michael Unterguggenberger nicht, dass aus dem ersten großen Feldversuch mit einer Zweitwährung einige Jahrzehnte später ein immer populärer werdendes Mittel regionaler Wirtschaftsförderung werden würde. Das eigentlich erfolgreiche Wörgler Experiment wurde seinerzeit durch Österreichs Nationalbank bald wieder gestoppt, das Freigeld verboten. Doch die Idee überlebte bis heute und hat sich über die Jahrzehnte sogar noch weiterentwickelt. Der Grundgedanke: Innerhalb eines bestimmten geografischen Gebietes wird parallel zum allgemein gültigen Zahlungsmittel eine Zweitwährung im Umlauf gebracht, welche nur in der Region akzeptiert wird und somit auch dieser zugute kommen soll.
Auch zwischen Südbrandenburg und dem Osten des Freistaates Sachsen soll es mit dem »Lausitzer« bald eine Regionalwährung geben. Zu diesem Zweck hat sich eigens ein Verein zur regionalen Wirtschaftsförderung gegründet, welcher für die Entwicklung der neuen Währung verantwortlich ist. Einer der Initiatoren ist Thomas Hempel, der bereits mit der »Havelblüte« ein Regionalgeld für Potsdam und das Umland mitgestaltet hat.
»Das momentane Geldsystem funktioniert nicht«, ist Hempel überzeugt. Selbst die Bundesbank habe mittlerweile eingeräumt, dass es Instabilitäten beim Euro gibt. »Unser Gedanke ist deshalb mehr Stabilität durch Vielfalt«, so das Vorstandsmitglied des Vereins. In Gesprächen werden Hempel und seine Mitstreiter oft belächelt. Zwar finden viele Menschen die Idee einer Regionalwährung erst einmal interessant, doch vielfach hört man Zweifel, ob der »Lausitzer« auch in der Realität umsetzbar sei. Dann verweist Hempel gerne auf die derzeit erfolgreichste Regionalwährung in Deutschland – den »Chiemgauer« in Bayern. Dessen Erfolge können sich sehen lassen. Mehr als 600 Händler- und Gewerbetreibende akzeptieren das Zahlungsmittel, sie erwirtschaften damit einen Jahresumsatz von mehr als drei Millionen Euro.
Ganz so weit ist man in der Lausitz noch nicht. Die Regionalwährung dort soll das erste Mal Anfang Herbst dieses Jahres ausgegeben werden. Momentan bemüht sich der Verein noch um weitere Partner. Mehr als 180 Interessenten gibt es bereits, darunter neben Privatpersonen auch bereits einige Unternehmen, wie etwa eine Bäckerei aus Eibau, ein Ökolandbau aus Hochkirch und eine Anwaltskanzlei aus Bautzen. Ab etwa 500 Teilnehmern würde sich ein Regionalgeld lohnen, schätzt Thomas Hempel die Situation ein.
Doch allein mit der Ausgabe des Regionalgeldes ist es noch nicht getan. Denn würde man nur eine Art Zweitwährung ohne eigene Regeln einführen, hätte man schnell die Probleme einer normalen Währungen. So eignet sich der »Lausitzer« nicht zum Sparen, da durch den ausgebenden Verein eine Umlaufsicherung ins System eingebaut wurde, welche auf einer Liquiditätsgebühr beruht, die in ihrer Funktion einem Negativzins ähnelt. Daher lohnt es sich nicht, den »Lausitzer« daheim zu horten – sinnvoller ist es, ihn wieder auszugeben.
Der Wechselkurs des Lausitzers gegenüber dem Euro soll in Zukunft 1:1 betragen. Ein üblicher Umtauschwert, wie ihn alle 65 derzeit in Deutschland aktiven Initiativen nutzen, zumal dies den Käufern und Händlern viel Mühe bei der Handhabung erspart. Perspektivisch würde Thomas Hempel auch gerne Partner im Nachbarland Polen für die Idee gewinnen. »Das ist aber noch Zukunftsmusik«, sagt er.
Unterstützung seitens der Kommunen erhält der Verein für sein ehrgeiziges Projekt bisher nicht. »Grundsätzlich findet man die Idee gut, aber es fehlt der tatsächliche politische Wille zur Umsetzung«, erklärt Hempel. »Deutschland ist da eher konservativ.«.
Informationen im Netz unter: www.lausitzer.net
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