Von Katja Herzberg
16.05.2011
Brandenburg

Gegen den Mainstream bestehen

Fans des SV Babelsberg feierten die Mannschaft, nicht den Vorstand

Mit dem letzten Spieltag der 3. Liga neigt sich für die Mannschaft des SV Babelsberg 03 (SVB) eine lange Saison dem Ende zu. Aber auch den Fans und engagierten Vereinsmitglieder steht die Sommerpause bevor.

Sportlich hätte die Saison kaum besser enden können. Mit Tabellenplatz 13 erspielte sich die noch junge Mannschaft unter Trainer Dietmar Demuth die Sympathie der Zuschauer. Torwart und Kapitän Marian Unger sowie der Linksaußen Matthias Rudolph aus Niemegk wurden gefeiert, nachdem der SVB mit dem Heimspiel gegen den SV Sandhausen am Sonnabend das letzte Liga-Spiel mit einem 0:0 absolvierte. Für die Leistung des Vereinsvorstands gab es weniger Lob.

Die Eröffnung der neuen Tribüne im Karl-Liebknecht-Stadion nach mehrwöchiger Verspätung Anfang April freute vor allem die Fans der Gruppe »Ostblock Babelsberg«, die seitdem dort gemeinsam mit Familien und Kindern für Stimmung sorgt. Trotzdem kam die Fanszene des SVB nicht zur Ruhe. Denn als der Vereinsvorstand zum Heimspiel gegen Dynamo Dresden dem anderen Teil der Ultras Babelsberg ihren seit fast 20 Jahren angestammten Platz in der »Nordkurve« des Stadions wegnehmen wollte, um dort Gästefans zu platzieren, sorgte dies in der gesamten Fanszene für Unmut. »Das ging zu weit. Da mussten auch wir uns einmischen«, sagte Nico Unkelbach vom Ostblock. Schließlich ruderte die Vereinsführung zurück und beließ die Einteilung der Blöcke in Heim und Gäste wie gehabt.

Doch manchen Fans reicht das nicht. Seit mehreren Spieltagen ist vor allem von Anhängern in der Nordkurve immer wieder die Forderung »Vorstand raus« zu hören. »Es ist immer noch Frust da«, erklärt Roman Böttcher vom Fanbeirat die Situation. Auch andere organisatorische Fragen würden von der Vereinsführung mit dem Vorstandsvorsitzenden Rainer Speer nicht ausreichend mit den Fans besprochen und ließen den SVB unprofessionell aussehen. Das betrifft neben den Verzögerungen beim Stadionumbau vor allem den Betrieb der Flutlichtanlage. Denn die abknickbaren Masten müssen repariert werden. Die Gelder in Höhe von 250 000 Euro werden aber nur gezahlt, wenn nicht der Verein die Schuld an der Havarie trägt. In den vergangenen Wochen wurde mehrfach berichtet, dass es Versäumnisse bei der Wartung der Flutlichtanlage gegeben haben soll. Die notwendige Reparatur verzögert sich daher weiter.

Wie Böttcher erzählt, herrscht bei einigen Fans ebenso Unverständnis darüber, dass im Zuge des Stadionumbaus eine Rasenheizung verlegt werden soll. »Es ist überhaupt noch nicht geklärt, wie hoch die Betriebskosten für die Rasenheizung sind und wer sie trägt«, kritisiert Böttcher das Prestigeobjekt. Dass die Finanzierung des Betriebs noch nicht steht, gab auch Rainer Speer gegenüber dem Stadionheft »Nulldrei« zu.

Neben den unterschiedlichen Vorstellungen über den Stadionausbau tat sich zwischen Fans und Vereinsführung zuletzt auch eine Kluft über das Image des Vereins auf. Im Stadionheft äußerte sich der Aufsichtsratvorsitzende Peter Paffhausen, dass er sich »die Präsentation auch etwas mainstreamiger« wünsche.

Wie noch mehr Zuschauer ins Stadion gelockt werden können, weiß die Vereinsführung aber nicht. »Ich habe keine Idee, was konkret verbessert werden kann«, sagte Speer im selben Gespräch und machte darauf aufmerksam, dass der SVB nur 3,5 Angestellte habe. Dabei sind es gerade nicht diese Mitarbeiter, die sich um die »Präsentation« des Vereins kümmern, sondern die vielen ehrenamtlichen Helfer. »Der ganze Verein ist die Kreativ-Crew«, erläutert der Fanbeauftragte Jens, der seit Jahren zusammen mit Engagierten das Stadionheft erstellt, die Internetseite des Vereins betreut, den Merchandise-Handel sowie die Unterhaltung im Stadion organisiert. Dass gerade diese Menschen keine Kopie von Hertha BSC wollen, machten sie am Sonnabend mit T-Shirts deutlich, die sie während ihres Fanfestes im Anschluss an die Partie trugen. »Mainstream sucks« war darauf zu lesen.

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