Von Hermannus Pfeiffer
21.05.2011

Wetten, dass Griechenland …

Die EU will Leerverkäufe erschweren – ein bisschen und reichlich spät

George Soros hat mit Leerverkäufen in den 90er Jahren die Bank von England ausgetrickst. Jetzt bedrohen solche Wetten ohne Einsatz den Euro und die griechische Wirtschaft gleich mit.

Ohne Euro wäre das nicht passiert? Ein unter Neoliberalen, Rechtspopulisten und wenigen Linken populärer Kurzschluss. Denn die Schulden-Krise hat mehr mit kreativer Buchführung von Finanzministerien zu tun sowie mit dem ökonomischen Niedergang einiger Länder an der EU-Peripherie, während andere boomen. Die Ungleichzeitigkeit des Kapitalismus schlägt auch in Europa zu.

Ohne diese Verwerfungen hätte es keine radikale Spekulation auf Staatspapiere, vor allem solche aus Athen, geben können, denn Zocker brauchen eine Differenz zwischen aktuellen Daten und den Erwartungen für die Zukunft. Aber umgekehrt wäre es ohne diese Zockerei wohl auch nicht zum Knall an den Finanzmärkten gekommen. Erst dieser veranlasste die Euro-Staaten und den Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einem Jahr, eine erste Kredithilfe von 110 Milliarden Euro für Griechenland bereitzustellen.

Neben Kreditausfallversicherungen haben die Spekulanten vor allem Leerverkäufe als Mittel auserkoren. 1992 hatte der Finanzjongleur und spätere Globalisierungskritiker George Soros auf diese Weise gegen die Bank von England gewettet. Er hielt das Pfund Sterling für überbewertet, lieh sich also gegen Gebühr Pfund und tauschte sie in andere Währungen, hauptsächlich D-Mark und Französische Francs, um. Als diese durch die hohe Nachfrage immer teurer wurden und das Pfund immer preiswerter, gewann Soros Milliarden. Die geliehenen, nun billigen Pfund samt Gebühren konnte er leicht aus seinen Kursgewinnen mit D-Mark und Franc zurückzahlen. Kritiker warfen Soros vor, mit dieser damals kaum bekannten Spekulationsvariante den Sturz der britischen Währung ausgelöst zu haben. »Sich selbst erfüllende Prophezeiung« nennen Soziologen den bedrohlichen Effekt, bei dem eine Erwartung das spätere Phänomen erst auslöst. Leerverkäufen wird auch eine Mitschuld am Ausbruch der Weltfinanzkrise ab 2007 gegeben.

Längst wird mit Leerverkäufen gegen griechische, irische, portugiesische und spanische Staatsanleihen gezockt. Auch hier fällt dadurch deren Kurs. Die Folge: Die Länder müssen, wenn sie neue Staatsanleihen auflegen wollen, den Anlegern immer höhere Zinssätze bieten. Ohne neue Schulden lassen sich aber weder die alten tilgen, noch der Staatshaushalt ausgleichen. EU und IWF sprangen mit ihren Rettungspaketen für Griechenland, Irland und Portugal notgedrungen ein.

Im Juni 2010 war die Bundesregierung mit einem Gesetz vorgeprescht, das zumindest »ungedeckte« Leerverkäufe an deutschen Börsen verbietet. Dabei besitzen die Akteure die Wertpapiere, auf deren Kursverfall sie wetten, zunächst gar nicht. Allerdings spielt der Finanzplatz Deutschland bei Währungsspekulationen kaum eine Rolle und andere Börsenwetten blieben erlaubt. Kritiker halten das Gesetz daher für reine Symbolpolitik. In dieser Woche haben die EU-Finanzminister neue Vorschriften für Leerverkäufe beschlossen. Demnach können nationale Aufsichtsbehörden nun ein befristetes Verbot aussprechen, aber nur im äußersten Notfall. Dies gehe nicht weit genug, kritisiert etwa Attac. Das Maßnahmenpaket muss noch durch das EU-Parlament.


Lexikon

Leerverkäufe sind Termingeschäfte. Das »Leer« ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen: Spekulanten handeln dabei mit Wertpapieren, Währungen oder Rohstoffen, ohne diese zunächst selber zu besitzen. Wenn überhaupt leihen sie sich diese bestenfalls. Da Staatsanleihen wie Aktien an Börsen gehandelt werden, kann mit Leerverkäufen auf deren Kursverfall gewettet werden. Der Clou: Spekulanten verkaufen griechische Staatsanleihen, die sie erst Tage oder Monate später liefern müssen. hape

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