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Von Olaf Standke
24.05.2011

Armutszeugnis der reichen Staaten

Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der acht wichtigsten Industriestaaten in dieser Woche im französischen Deauville regelrecht verschanzen, soll es auch um ein besonderes Versprechen gehen. Auf dem Gipfel 2005 im schottischen Gleneagles hatten sich die G8 darauf geeinigt, die weltweite jährliche Entwicklungshilfe im Kampf gegen Hunger und Armut bis 2010 um 50 Milliarden Dollar aufzustocken. Mindestens die Hälfte des Zuwachses sollte dabei allein in die afrikanischen Länder fließen. Ihre Bilanz allerdings ist ein Armutszeugnis, bei dem auch noch peinlich getrickst wird.

Dass man die eigene Vorgabe verfehlt habe, geben auch die reichen Länder zu; aber dies doch nur knapp, wie sie meinen, um 1,27 Milliarden Dollar nämlich. Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam sehen das anders. Sie werfen den G8-Staaten vor, sich die Welt schön zu rechnen, indem sie einfach die Inflationsrate vernachlässigen. Bilanziert man dagegen ehrlich, klafft für die 24 Länder, die heute Entwicklungshilfe geben, eine Riesenlücke von 19 Milliarden Dollar, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt.

Auch Deutschland hinkt deutlich hinterher und hat allein im Vorjahr über vier Milliarden Dollar weniger gezahlt als in Gleneagles zugesagt. 0,51 Prozent des Bruttonationaleinkommens wollte Berlin inzwischen für die Unterstützung der am wenigsten entwickelten Länder ausgeben, in der Realität werden aber nur 0,38 Prozent erreicht. Umso mehr erwarten die Aktivisten von einem der reichsten Staaten nachhaltige Initiativen. Eine könnte die Einführung einer Art »Steuer gegen Armut« sein, indem man Mittel aus einer geplanten Finanztransaktionssteuer zielgerichtet für die Entwicklungshilfe verwendet. Man darf gespannt sein, wie ernst es Bundeskanzlerin Angela Merkel in Deauville mit den Versprechungen ist.

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