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Von Kurt Stenger
31.05.2011

Umschuldung – von sanft bis hart

Es gibt zahlreiche Varianten, wie Gläubiger bei staatlichen Zahlungsschwierigkeiten helfen können

Da es keine internationalen Regeln für den Fall einer Staateninsolvenz gibt, fehlt es an einem geordneten Verfahren. Daher ist Umschuldung nicht gleich Umschuldung. Hier sind zahlreiche Varianten zu unterscheiden:

Schuldenschnitt:
Die Forderungen der Gläubiger werden wie mit dem Rasierer pauschal um den gleichen Prozentsatz gekappt. Für Griechenland ist von einem »Hair-Cut« um 50 bis 70 Prozent die Rede. Der positive Effekt: Die Regierung müsste aus dem knappen Staatshaushalt deutlich weniger für Zinsen und Tilgungen der Kredite aufbringen. Gläubiger bekämen Klarheit. Und die Unsicherheit, die Spekulanten anlockt, wäre von den Finanzmärkten genommen. Das Risiko: Griechenland würde auf den Kapitalmärkten quasi zum Aussätzigen, dem auf absehbare Zeit niemand mehr Geld leihen möchte oder nur zu noch horrenderen Zinsen. Dabei droht auch ein Dominoeffekt: Anleger werden zahlreiche andere Euroländer genauso abstrafen, da sie befürchten, dass das Beispiel Schule macht. Schließlich würden einzelne besonders stark engagierte Banken, vor allem einheimische, den Schuldenschnitt nicht überleben – oder nur mit neuerlichen Staatshilfen.

Sanfte Umschuldung:
Die Gläubigertitel bleiben voll erhalten, aber die Rückzahlungsfristen werden gestreckt oder/und die Verzinsung wird reduziert. Der positive Effekt: Die griechische Regierung bekäme in der Haushaltspolitik etwas Luft zum Atmen; in der Zwischenzeit könnten die Rettungsmilliarden wirken. Und da ein solcher Schritt ohne viel Aufhebens vollzogen werden kann, würden die Märkte nicht panisch reagieren. Zumal die Gläubiger nicht überfordert werden. Das Risiko: Die Probleme Griechenlands werden nicht gelöst, sondern nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Schuldenrückkauf:
Die Regierung in Athen kauft ihre eigenen Staatsanleihen mit einem Abschlag zurück. Damit Gläubiger auf dieses Angebot eingehen, müsste es etwas über dem gegenwärtigen Marktwert liegen. Dieser beträgt bei zweijährigen Papieren gut 70 Prozent, bei zehnjährigen knapp 60 Prozent des ursprünglichen Nennwertes. Das Geld für den Rückkauf käme von der EU – etwa über Eurobonds zu sehr günstigen Zinskonditionen. Der positive Effekt: Die Gesamtverschuldung wird um einen deutlichen Prozentsatz reduziert, und die Zins- und Tilgungszahlungen sinken rapide. Das Risiko: Das Gros der Gläubiger macht nicht mit. Es ist politisch in der EU nur schwer durchzusetzen.

Schulden-Audit:
Die einzelnen Gläubigerforderungen werden nach einem öffentlichen und demokratischen Verfahren in berechtigte und nicht berechtigte unterteilt. Letztere werden nicht mehr bedient. Im Falle von Griechenland könnten das etwa Kredite zum Kauf von Rüstungsgütern sein. Der positive Effekt: Die Schulden sinken, ohne dass jeder Gläubiger gleich dafür büßen muss. Das Risiko ist ähnlich wie beim Schuldenschnitt.

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