Von Christian Klemm
04.06.2011

Fünf Jahre in Adenauers Gefängnis

Die Lebensgeschichte des Kommunisten Jupp Angenfort

Jupp Angenfort mit Frau
Jupp Angenfort mit Frau

Sein Name steht stellvertretend für viele Kommunisten, die in der frühen Bundesrepublik Politik gemacht haben: Jupp Angenfort. Der gebürtige Düsseldorfer war 1951 für die KPD in den Landtag von Nordrhein-Westfalen eingezogen, wurde wenig später wegen Hochverrats angeklagt und unter Missachtung seiner Immunität eingesperrt. In einer spektakulären Aktion ist dem ehemaligen Vorsitzenden der FDJ im Westen die Flucht aus der Strafanstalt München-Stadelheim geglückt. Anschließend wechselte Angenfort auf sicheres Terrain in die DDR.

Seine bewegende Geschichte wurde nun anhand von Tonbandaufnahmen aufgeschrieben und von Hannes Stütz herausgegeben. Sie dokumentiert, was Kommunisten im Kalten Krieg in der Bundesrepublik widerfahren ist. Der erste deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) war ein glühender Antikommunist, der außenpolitisch die Annäherung an die USA und ihre Verbündeten suchte und innenpolitisch eine Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild durchsetzte. Die Kommunisten machten gegen seine Politik der Wiederbewaffnung Front. Die Friedensaktivisten wurden als »Agenten Moskaus« diffamiert, zu Staatsfeinden erklärt und hinter Schloss und Riegel gebracht.

Die wohl entscheidende Zeit für Angenforts politisches Leben beginnt im September 1942, als der junge Mann zur Wehrmacht eingezogen wurde. Zuerst diente er in Belgien und Frankreich, bekam aber wenig später den Marschbefehl zur Ostfront, wo er am 7. Oktober 1943 in Kriegsgefangenschaft geriet. Angenfort beschreibt sich selbst in dieser Zeit als »nationalistisch beeinflusst«, der durch die Front-Erfahrungen an diesem Nationalismus zu zweifeln beginnt. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft beginnt sein Umdenken. Er schließt sich dem nahe Moskau gegründeten Nationalkomitee »Freies Deutschland« an und absolviert eine Antifa-Schule für deutsche Kriegsgefangene. Einer seiner Lehrer damals war Heinz Hoffmann, der unter dem Decknamen »Heinz Roth« für die spanische Republik gekämpft hatte und später Verteidigungsminister der DDR wird. Nach etwa sechs Jahren kehrt Angenfort nach Deutschland zurück und tritt in der Bundesrepublik der KPD und der FDJ bei. Damit endet ein Kapitel der »Geschichten des Josef A.«. Angenforts Kampf gegen den Adenauer-Staat aber beginnt nun erst.

Insgesamt hat der westdeutsche Kommunist fast fünf Jahre im Zuchthaus gesessen. Im Frühjahr 1969 wird er ein letztes Mal verhaftet und sitzt noch einmal als politischer Gefangener für einige Wochen hinter »schwedischen Gardinen«. An dieser Stelle bricht die Lebensgeschichte ab, bleibt unvollständig. Jupp Angenfort ist am 13. März 2010 in Düsseldorf gestorben. So konnte Hannes Stütz ihn nicht mehr nach seiner Tätigkeit für die 1968 gegründete DKP befragen.

Das ist bedauerlich, denn dramatische Zeiten standen den Kommunisten damals bevor: durch die Politisierung und Radikalisierung der Jugend, die Entstehung der RAF und der Außerparlamentarischen Opposition sowie durch die Notstandsgesetze und das Wettrüsten in Ost und West. Die Intervention der Sowjetunion in Afghanistan ab 1979 und die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 brachten die DKP zum Teil in Erklärungsnot. Auch auf den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Abwicklung der DDR durch den Westen und die Auflösung des Warschauer Paktes wird hier nicht eingegangen. Schade, die Gelegenheit, Jupp Angenfort zu befragen, gibt es nicht mehr.

Jupp Angenfort: Sprung in die Freiheit. Die Geschichten des Josef A. Hg. von Hannes Stütz. 232 S., br., 17€.

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