Von Stefan Amzoll
10.06.2011

Icke bin doof!

»Icke – Die Oper« an der Volksbühne Berlin – aber nicht mehr lange

Dit is »Icke«.
Dit is »Icke«.

Icke« ist der Superstar. Sowat braucht die Bühne. Wat der macht, is Theater fürt Volk, wie et riecht und rutscht und leibt und lügt. Jemeinet Volk. Jenau dit Richtje für die Castorf-Volksbühne. Da ballert und kracht et. Die Mäuler kreischen. »Kekse«, »Kekse« ruft eene Frau immer und weist mit Kinderwagen anner Hand uff ihren bedepperten Sohn. Da fliejen die Fetzen. Und die Votzen sind immer uff, weil die Beene immer breit sind. Ne Nutte hat »Icke« natürlich ooch uff de Bühne jestellt. Die is ewig nackt und biegt und befingert sich und die Männer dauernd, dass allet nur uff sie kiekt, wenn's grade nischt Bessret jibt.

Bessret als die Nutte an der Stange – könnta ma glooben – jibs nich. Die Nutte is einsam, einfach wow. Aber die Band is ooch jut. Die lauert uff Zeichen oben hinter Glas, bis se den 4/4-Altschrott abkotzen kann. Oben uff die Wolken vonne Showtreppe thront die glückliche. Ick gloob, die konnte den janzen dämlichen Rummel unten jar nich hörn, wenn ick richtig jekiekt habe, so laut war die. Die haut sich einfach die Ohren selber weg. Is schon richtig, Jungs, wat ihr macht. Und wenn ma' ne langsame Nummer abzufucken is, denn dreht der hinterm Keyboard die Augen zu und döst. Der muss nich denken, wenna die Tasten drückt – ick mein: denken richtich im Kopp. Dit is ja dit Schöne, man hört's denn rieseln, Pusche und Kalk. Dem Volke ins Maul.

Hammerhart die Wirtsleute. Eheleute, die, ehe sie sich versehn, von »Icke«, dem Oberboss dieser messergeilen Story, mit hartem Fuß ins Vokabular des Saustalls befördert werden. Wenn dit volksverführerische Paar loslegt, jibs keen Tabu mehr. Die haun sich allet um die Ohrn. Die versaun einem allet, weil se so versaut sind. Und versaun die restlichen Bühnensäue gleich mit, wenn se noch nich versaut jenuch sind. Die stelzende, stolz-doofe Wirtin hat'n Arsch aus Lappen und Hängetitten, ausjestoppt mit irjendwat, scheißejal, mit wat, wa? Und ne Stimme hat die, ne Stimme, die mal menschlich war und nu uff n Level is, der Volkes Stimme entspricht. Die beeden machen den Ausschank, damit die Bagage ringsum wat zu saufen hat und treiben's übelst. Die Olle keift oder flennt. Der Olle schaukelt unentwegt seinen Stoffpuller. Die zwee labern sich voll und plappern über so wat wie Liebe, wat natürlich Ficken heißt, so als lebten nur brünstige Hengste und Stuten uff de Welt. Volkes Welt quillt über uff de Volksbühne. Leben druffjepackt! Schrotthaufenhoch.

Wenn's von Volkes Icke-Bühne bummsbummstrallawalla-wow macht, johlen die Leute unten. Der Drummer weeß jenau, warum er uff de Trommeln Küchenhandtücher rüberlejt. Damit et, wenna kloppt, schön dumpft und schrumpft. Und damit aus de Mäuler dit NullaBulla noch geiler rauskommt. »Icke« is 'n Matscho – wie Matsch, wenn Regen ist, eina vonna liebensunwürdig-gutdämlichen Sorte, der die Moralinsäure, die er, wenna langsam die Treppe lässig runtertänzelt, Mikro inna Pfote, ablässt wie die Kuh den Fladen.

»Icke« übrigens, Chefkoch dieser Suppe aus Müll mit Zimt, ist kleen von Wuchs, aber stark, trägt 'n Araberbart, feixt cool Achtundsechzjerisch, trägt 'n anjejeiltes Palästinensertuch, roocht wie 'n Schlot, wie alle uff de Bühnenbretter. Erste Raucheroper der Welt. Wenn dit keene Innovassion is.

»Icke« is wirklich bisschen doof. Deshalb fahrn die Frauen so uff ihn ab. Der zeigt dem Volke, wie et zu sein hat – dass et zwar labern und säuseln und sauen darf, aber jefälligst dit Maul zu halten hat.

Letzte Vorstellungen: 11. bis 13.6.