Foto: Burkhard Lange
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Es ist der Sinn der Wege anzukommen/ und sich in Erde wieder zu verwandeln«, schrieb Walter Flegel in einem seiner Rügen-Gedichte. Ein Insulaner aus Passion. Leidenschaft, die er hegte, für die Stille, die Landschaft, die zehrende Mühe der Fischer und Bauern. »Wenn ich die Stille suche,/ geh ich zu den Weiden,/ den Heimwehbäumen meines Lebens«. Leidenschaftlich habe ich den 1934 geborenen Sohn eines schlesischen Zieglers erlebt, lauthals nie. Dass man sich umeinander kümmern muss, damit der Mensch nicht verkümmert. Je karger Brot, Landschaft, Hoffnung manchmal, umso nötiger ist's.
Immer muss einer anfangen damit, sagte sich das Flüchtlingskind, als es sich nach dem Abitur für Kasernierte Volkspolizei und Offizierslaufbahn entschied. Die Erfahrungen bei der NVA boten die Kulisse für zahlreiche Romane und Erzählungen, auch als der Artillerist schon Klubhausleiter, Mitarbeiter des Militärgeschichtlichen Instituts und später freier Schriftsteller geworden war. Sein »Regimentskommandeur« (1971) wurde zum Standardwerk einer nicht nur uniformierten Leserschaft. Weckte Erwartungen, die er neun Jahre später mit »Es gibt kein Niemandsland« erfüllte und durchbrach. Aus der geplanten Verfilmung wurde nichts. Zu viele Zweifel. Zu ihrer Zuspitzung kam es ein viertel Jahrhundert später. »Unter der Schlinge« – ausgekoppelt aus Arbeit, Ehe, Vaterland, muss ein Berufsoffizier sich dem eigenen Leben stellen. Walter Flegel beschreibt das als Chance, die wahrzunehmen schmerzhafter ist, als jähes Sich-Wenden.
»Militärschriftsteller, Offizier, Kommunist« – die Schublade klemmt. Wer nachschaut, was darin verborgen liegt, kriegt sie nicht wieder zu. Sich umeinander zu kümmern, bedeutete für Flegel nicht, Befehle zu erteilen oder entgegen zu nehmen. Weder als Stadtverordneter, noch als Präsidiumsmitglied im DDR-Schriftstellerverband. Es bedeutete auch nicht, National- und Körnerpreis als Beschwichtigung zu betrachten. »Die Inselfischer wissen es seit je,/ dass sie dem Meere unterlegen sind./ Das macht sie sicher, wenn sie sich der See/ zum Fange anvertrauen und dem Wind«, schrieb er über Rügen.
So begründete er Anfang der 90er Jahre das Literatur-Kollegium Brandenburg mit, war lange dessen Geschäftsführer. Im Potsdamer Haus der Begegnung hob er den Literaturklub für Menschen mit und ohne Behinderung aus der Taufe, ermutigte und begleitete die Schreibenden; hundert Lesungen und ein halbes Dutzend Anthologien. Die erste hieß: »Suche deinen Reichtum bei den Schwachen«.
Mit Lust wandte er sich Nachdichtungen aus dem Russischen zu. Ihm selbst fiel es schwer, Klang und Stimme wiederzufinden in der geschäftigen Kakophonie der Neuzeit. Aber die Wege liegen unter dem Fuß, nur manchmal verborgen. Einen Umweg zu den Weinbauern an der Mosel, Wege über die Insel, immer wieder, Anthologien und Bücher für Kinder; denen haben wir was zu erzählen. 1992 erhielt Flegel den Ehm-Welk-Literaturpreis, 1996 den Literaturpreis Eberhard des Kreises Barnim für das Jugendbuch »Darf ich Jule zu dir sagen?«, dem 2001 »Jule ist wieder da« folgte. Zuletzt führte er uns zum »Malvenweg«.
Am 14. Juni erlag Walter Flegel in Potsdam einem Schlaganfall.
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