17.06.2011

Schuldlos schuldig

Kommentar von Kurt Stenger

Als »schuldlos schuldig« wird der antike Tragödien-Held tituliert, der sich nicht aus seiner aussichtslosen Lage zu befreien vermag. Auf den griechischen Premier Giorgos Papandreou trifft dies nicht nur deshalb zu, weil er seit Ausbruch der Schuldenkrise so klingt, als hätte er Euripides als Redenschreiber angeheuert. Sondern auch, weil seine Regentschaft auf ein Fiasko zusteuert: Angetreten war der Sozialdemokrat mit dem Versprechen eines Konjunkturprogramms gegen die Wirtschaftskrise. Kurze Zeit später verkündete er, ohne das Bündnis mit den Linksparteien und Gewerkschaften zu suchen, den brutalen Sparkurs, der Armut und Arbeitslosigkeit noch verschärfte und sehr viele Griechen gegen ihn aufgebracht hat. Zu allem Übel schickt sich die konservative Nea Dimokratia an, vom absehbaren Abgang Papandreous zu profitieren. Dabei war sie es, die das Land an den Rand des finanziellen Abgrunds bugsiert hatte.

Papandreou hat sich in sein Schicksal verstrickt, immer neue Finanzlöcher zu stopfen, um die Pleite zu verhindern. Anders als der Tragödienheld kann er aber nicht auf einen Deus ex Machina hoffen, der alles noch zum Guten wendet. Die EU – unter der Regie von Bundeskanzlerin Merkel – erzwingt immer neue kurzfristige Sparorgien. Diese verhindern aber die mittelfristigen Strukturreformen, die nach jahrzehntelanger Kleptokratie der beiden großen Parteien in Griechenland mit Papandreou erstmals möglich schienen. Schuldlos schuldig eben.