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Von Ulrike Henning 18.06.2011 / Wirtschaft

Modernisierte Vorsorge

Kinderärzte wollen Früherkennung ausweiten

Die Früherkennungsuntersuchungen für Kinder gibt es seit 40 Jahren in Deutschland. Was daran verbessert werden sollte, erklärten Fachmediziner anlässlich des Kinder- und Jugendärztetages an diesem Wochenende in Berlin.
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Vorsorgeuntersuchungen sind eine Erfolgsgeschichte – kaum ein anderes Land hat eine derart dichte Abfolge von regulären ärztlichen Visiten über so viele Altersstufen hinweg. Vor genau 40 Jahren in der Bundesrepublik eingeführt, ist heute bis zur U9, die vor Schuleintritt erfolgt, eine Beteiligung von über 90 Prozent erreicht. Danach sind die Untersuchungen U10 und U11 nur regional begrenzt in Selektivverträgen mit bestimmten Krankenkassen gesichert. Einen Anspruch für gesetzlich versicherte Kinder gibt es nicht. Das wollen die Kinder- und Jugendärzte so schnell wie möglich geändert haben, aber es scheint, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hier nicht handlungsbereit ist.

Weniger gut sieht es auch mit den beiden Untersuchungen für die 12- bis 17-Jährigen aus: Hier werden nur 40 Prozent der Altersgruppe erreicht – genauso viele wie bei Vorsorgeuntersuchungen von Erwachsenen.

Auch modernisiert werden müssten die Gesundheitskontrollen für alle Altersgruppen, so Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes. Sie sollten eine halbe Stunde dauern statt bisher 20 Minuten, abgerechnet würden dann 50 statt 33 Euro. Inhaltlich ginge die Anpassung vor allem in Richtung der primären Prävention. Das bedeutet eine Hinwendung zur Verhinderung von Krankheiten. Bisher liegt der Schwerpunkt bei deren Früherkennung. Zu den »neuen Morbiditäten« zählen Kinderärzte Entwicklungsdefizite der Sprache, der Kognition, des Sozialverhaltens und der Motorik. Hinzu kommen viele übergewichtige Kinder, die früh an Herz- und Gefäßerkrankungen oder Diabetes mellitus leiden. Schon seit Jahren sehen sich die Kinderärzte zudem in der Pflicht, ihre Aufmerksamkeit auf die sozialen Lebensumstände der Heranwachsenden auszudehnen.

Gerade die aktuelle Gesundheitspolitik enttäuscht sie in vielen Punkten. So fühlen sie sich eher vom Verbraucher- und vom Familienministerium wahrgenommen als vom Gesundheitsministerium. Eine aktuelle Stellungnahme des neuen Ministers Daniel Bahr (FDP) zur Prävention im Kinder- und Jugendalter nannte Hartmann enttäuschend. Die FDP setze auf die Eigenverantwortung der Eltern, ignoriere aber, dass in der Bundesrepublik viele Familien Unterstützung bräuchten. Um deren Kindern die nötige Förderung zu geben, müssten nach Uli Fegeler, der als niedergelassener Kinder- und Jugendarzt in Berlin-Spandau arbeitet, Einrichtungen wie Kitas »sozialkompensatorisch besser« werden. Er bedauerte, dass unter anderem die Kitas noch nicht ausreichend auf Kinder mit sozialen und Sprachproblemen vorbereitet seien. Fachkompetente Pädagogik könne dort vermutlich umfassender wirken als der vielleicht übereilte Gang zur Logopädin. Für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren fehlten eher gut funktionierende Jugendclubs als Therapeuten.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 17. Jun 2011 20:03

    Auch Kinderärzte wollen vor allem Geld verdienen

    Was heißt hier "Vorsorgen"? Kaum benimmt sich ein Kind kindsgemäß, will partu nicht stillsitzen, wird Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung diagnostiziert und die hellwache Göre mit Ritalin vollgepumpt.

    Anders herum: Nicht Vorsorge ist angesagt, sondern Ursachenforschung! Lohnt sich aber nicht...

    • Permalink

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