Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
Schnellsuche

Erweiterte Suche

Von Andreas Fritsche 22.06.2011 / Berlin / Brandenburg
Brandenburg

Kein Appetit auf Genmais

Rot-Rot will gentechnikfreien Regionen helfen – Geld dafür gibt es aber nicht

Die meisten Brandenburger lehnen gentechnisch manipulierte Lebensmittel ab, weiß Umweltstaatssekretär Daniel Rühmkorf. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen berge »unkalkulierbare Gefahren für die Umwelt«, erinnerte er gestern. Brandenburg sei ein Vorreiter bei den gentechnikfreien Regionen gewesen – »und so soll es auch bleiben«.

Klimaretter

Acht märkische Regionen bezeichnen sich als gentechnikfrei. Sie liegen im Fläming, in Märkisch-Oderland, in der Prignitz, im Stechlin-Ruppiner Land, im Spreewald, in der Uckermark und im Barnim. Einzelne Regionen reichen über die Landesgrenze hinaus nach Mecklenburg-Vorpommern. Rund 330 Bauern, die zusammen knapp 100 000 Hektar Land bewirtschaften, machen mit. Sie haben sich verpflichtet, keine gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen. Damit werben sie auch bei den Kunden. Es ist längst nicht so, dass nur Biobauern protestieren. Auch Bauern, die konventionell ackern, wehren sich, wenn der Nachbar zum Beispiel Genmais anbaut. Sie fürchten Schaden für ihre eigene Ernte.

Die Bevölkerung wolle keine Gentechnik auf dem Teller, erklärte Steffi Ober vom Naturschutzbund. »Dieses Signal muss die Politik aufnehmen.« Rühmkorf findet, die Verbraucher sollten durch ihr Konsumverhalten Zeichen setzen.

SPD und LINKE haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, den gentechnikfreien Regionen zu helfen. Bislang gibt es allerdings nur moralische Unterstützung. Geld für praktische Maßnahmen sei derzeit nicht eingeplant, verrät Alrun Kaune-Nüßlein, Sprecherin von Umweltministerin Anita Tack (LINKE). Immerhin soll aber eine Ausstellung »Gentechnikfreie Regionen – Bürgerbewegung des 21. Jahrhunderts« vorbereitet werden. Staatssekretär Rühmkorf bittet, dies als einen ersten Beitrag des Umweltministeriums zu werten.

Kommerziellen Anbau von Genpflanzen hat es zuletzt in Brandenburg nicht mehr gegeben. Zwar wollten es im vergangenen Jahr 16 Agrarbetriebe machen. Doch sie durften nicht. Nun sei Bewegung in die Sache gekommen, heißt es. Die EU-Kommission habe angekündigt, den Mitgliedstaaten die Entscheidung über den Anbau zu überlassen.

Lediglich zu Versuchszwecken seien Genmais und Genkartoffeln 2010 bei Herzberg beziehungsweise Falkenberg angebaut worden, erläutert Christof Potthof vom Gen-ethischen Netzwerk. Hinter den Versuchen standen ihm zufolge die Firmen Syngenta und BASF. Mehrere Jahre lang zerstörten Gegner der Agrogentechnik in Brandenburg Felder teils demonstrativ öffentlich und teils im Verborgenen. In den Jahren 2005 bis 2008 war Brandenburg führend beim Anbau von Genmais. Auf 1245 Hektar wurde er 2008 angebaut, bundesweit waren es damals 3168 Hektar. Herkömmlicher Mais wuchs auf 156 000 Hektar märkischen Bodens.

Die LINKE und die Grünen sind gegen die Agrogentechnik. Der SPD-Politiker und Landesbauernpräsident Udo Folgart hält sie dagegen für eine Zukunftstechnologie. Er hat gesagt: »Wir brauchen Ernährungssicherheit auch in Zukunft.« Man müsse die Produktion nachwachsender Rohstoffe sichern. Dabei kann sich Folgart sogar auf den Koalitionsvertrag berufen. Dort steht, die Regierung unterstütze die Forschung zu den Risiken, ebenso aber zu den Chancen der modernen Gentechnik.

Der CDU-Abgeordnete Dieter Dombrowski hat in einer Landtagsdebatte zu Jahresbeginn betont, man benötige die Gentechnik wegen der Jobs in der BRD und wegen des Hungers anderswo. »Wir werden hier in Deutschland immer satt.« Das sei aber im größten Teil der Welt leider nicht so.

Der FDP-Abgeordnete Gregor Beyer witzelte seinerzeit über das Verlangen, wegen möglicher Risiken auf gentechnisch veränderte Pflanzen zu verzichten. Er riet, darüber nachzudenken, was wohl passiert wäre, wenn man bis zur abschließenden Klärung der Gefahren durch Verbrennungsmotoren auf entsprechende Entwicklungen verzichtet hätte. »Wahrscheinlich hätte es dann nie Automobile gegeben.« Er würde den Ministerpräsidenten doch einmal gerne in einer Kutsche vorfahren sehen, gestand Beyer.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Facebook
Twitter
nd im Club

WADANS WELT – Von der Würde der Arbeit

Dokumentarfilm von Dieter Schumann und Jochen Wisotzki
LiMA 2012

Linke Medienakademie

Grenzenlos: Weiterbildung mit Eventcharakter. Der Linken eine Stimme geben.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Klimaretter
Sprungmarken: Seitenanfang.