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Von Klaus Joachim Herrmann
23.06.2011

Rot-Rot bleibt eine »lösbare Aufgabe«

Spitzenkandidat Harald Wolf (LINKE) kündigt Bezirkstouren an und will auch nach Niederlage bleiben

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Harald Wolf

Offen sei der Wahlkampf, sagt Harald Wolf. In einer Journalistenrunde präsentiert der Wirtschaftssenator und Spitzenkandidat der Linkspartei zu den Berliner Wahlen zum Abgeordnetenhaus am Mittwoch eine Grafik. Danach liegt Rot-Rot zum Wochenbeginn mit 45 Prozent gar nicht schlecht und könne »die Nase nach vorn bekommen«. Das Thema Rot-Rot habe sich also nicht erledigt, sagt Wolf und spricht dabei von einer »lösbaren Aufgabe«. Dies sieht er auch so bei der Verteidigung der beiden Bezirke mit Bürgermeistern der LINKEN, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg.

Aufschwünge mit grüner Beteiligung liegen laut Grafik besonders in der Zeit vor der Nominierung ihrer Spitzenfrau Renate Künast und nach dem Atomunfall im japanische Fukushima. Harald Wolf sieht aber »keinen positiven Künast-Faktor«. Der Umfrage-Schub sei vorbei. Man könne sehr wohl seinen Wohnsitz in Berlin haben, müsse sich aber deshalb nicht in den »Tiefen der Landespolitik« befinden. Die Grünen kämen sicher nicht auf Platz Eins, den dürfte die SPD nach dem bisherigen Verlauf des Wahlkampfes erreichen. Aber stark würden sie schon abschneiden, räumt er ein.

Ihr einziges Ziel, Regierende Bürgermeisterin zu werden, könnte Renate Künast dann aber nur in einer Koalition mit der CDU erreichen. Es würde Diskussionen bei den Grünen geben, aber wohl auch eine Mehrheit für Sondierungen, erwartet Harald Wolf. Die CDU sei für eine solche Kombination »opportunistisch genug«. Sie käme wieder an die Macht. Da aber auch die SPD eine Koalition mit der CDU nicht ausschließen mag, sieht der Spitzenkandidat der LINKEN seine Partei als einzige ohne eine derartige Option. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal und für nicht wenige Wähler auch ganz sicher eine Empfehlung.

Auch die soll angesichts der bisher nicht überzeugenden Umfragewerte möglichst rasch zum Wähler getragen werden. Besonders im Osten, wo derzeit Umfrage-Prozente weg von der LINKEN zur SPD gehen, sieht Harald Wolf Aufklärungsbedarf. Da man dort Renate Künast nicht, dafür aber Klaus Wowereit wolle, profitiere von diesem Duell die SPD. Es gehe aber darum, in der rot-roten Kombination die LINKE stark zu machen.

Dafür soll der Basiswahlkampf vor Ort verstärkt werden. Spitzenkandidat Wolf rüstet zu Bezirkstouren noch vor Ende der politischen Sommerpause. Ein Großteil der Wählerschaft sei ja schließlich ebenfalls zu Hause. Dabei sollen nicht nur gewanderte Stimmen zurückgeholt werden. Es geht auch um die Mobilisierung jener Stimmen, die für die LINKE bei der Bundestagswahl mit der Orientierung auf soziale Fragen geholt wurden – das meint Protestwähler und mehr Aktionen vor Jobcentern.

Natürlich stellt Harald Wolf klar, dass alles erst nach den Wahlen am 18. September und nur an Hand des Ergebnisses zu entscheiden sei. Doch während Wowereit und Künast nicht unter einem anderen Regierungschef oder gar in der Opposition arbeiten wollen, bliebe Harald Wolf auch bei einer Niederlage bei der Sache: »Ich kandidiere für das Abgeordnetenhaus. Und wenn es dazu kommt, setze ich mich auch wieder lustvoll auf die Oppositionsbank.«

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