Von Oliver Händler
23.06.2011
Fußball-WM 2011

Rudelgucken an Ort und Stelle

Public Viewing nur in WM-Spielorten

Wer dieser Tage die Straße des 17. Juni im Herzen Berlins entlangläuft, sieht an jeder Laterne das offizielle WM-Plakat hängen. Alles wirkt, als würde das Teilstück zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule sogleich für den Autoverkehr gesperrt, um Platz zu schaffen für die Fußballanhänger und ihre mittlerweile schon zur Tradition gewordene Fanmeile. Doch weit gefehlt. Public Viewing wird es in der Stadt des Eröffnungsspiels nur an wenige kleinen Orten geben. Die Fußballerinnen ziehen mittlerweile viele Fans an, Millionen sind es aber noch lange nicht.

»Das Land Berlin macht nichts, wir haben hier schließlich auch nur das Eröffnungsspiel«, sagt der Marketingleiter der Sportverwaltung im Berliner Senat, Christoph Dahms. »Es sollten ja Städte zum Zuge kommen, die bei der Männer-WM nicht dabei waren«, lautet die eigenwillige Begründung, die zwar für die Auswahl der Spielorte, nicht aber der Fanmeilen galt.

In Frankfurt am Main sieht das ganz anders aus. Zehn Millionen Euro lässt sich der Finalort das Turnier kosten. Schließlich bezeichnen die Stadtoberen die Finanzmetropole als »Herz des Frauenfußballs«. Es mag nicht schaden, dass mit Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) eine Frau an der politischen Spitze steht. »Wir geben genauso viel aus wie für die Männer-WM«, betont sie.

Ähnlich wie 2006 wird es drei auf dem Main schwimmende LED-Leinwände geben. In den »Fußballgärten« am Mainufer werden schon am Samstag vor der WM-Eröffnung 200 000 Besucher erwartet, insgesamt sollen es über eine Million werden.

Das Massenphänomen des »Rudelguckens« wird es so flächendeckend wie 2006 nicht geben. Städte, in denen nicht gespielt wird, verzichten auf zentrale Fan-Feste. So besteht die Gefahr, dass die WM ein lokales Ereignis in Kleinstädten wird.

In Augsburg werden auf dem Bauernmarkt alle WM-Partien live gezeigt. Das »Kulturstadion« am Rathausplatz ist Austragungsort der »City Of Peace«, dem Kulturprogramm zur WM. Unter anderem wird der »Peace-Cup« gespielt, ein Friedensfußballturnier mit Mannschaften aus Ruanda, Israel/Palästina und Kambodscha.

Gleich neben dem Dresdner WM-Stadion wird die Liegewiese eines Freibads zur etwas anderen Fanmeile umfunktioniert: Große Bühne, zwei Leinwände und Liegestühle zum entspannten Fußballgucken der deutschen WM-Spiele. Es soll Platz genug sein für 5000 Fans, doch die müssen schon am 10. Juli, also eine Woche vor WM-Schluss wieder raus. Zum Ferienbeginn fordern die Kinder ihr Spielareal zurück.

Auch in Mönchengladbach beschränken sich die Live-Übertragungen der Fanmeile auf die Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Das Public Viewing auf dem Kapuzinerplatz ist das einzige in ganz Nordrhein-Westfalen, obwohl auch in Bochum und Leverkusen gespielt wird. Hier müssen sich die Fans mit Bildschirmen im Kneipenviertel und einer Einkaufspassage begnügen.

In Wolfsburgs Innenstadt steht ein Zwei-Etagen-Zelt, das sich »WM-Café« nennt. Wer WM-Spiele sehen will, muss ins Einkaufscenter gehen, wo die deutschen Spiele vor erhofften 3000 Besuchern übertragen werden.

In Sinsheim werden zum Public Viewing ähnlich viele Menschen erwartet. Hier gibt es alle Partien zu sehen, die im Stadion der TSG Hoffenheim stattfinden. Das dürfte interessant werden, wenn Deutschland das Spiel um Platz drei bestreitet. Dann platzt der kleine Burgplatz vielleicht aus allen Nähten.

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