23.06.2011
Fußball-WM 2011

Eine Italienerin ist Kanadas Zukunft

Für den Verbleib ihrer Trainerin Carolina Morace wollten die Nordamerikameister sogar die WM boykottieren

Carolina Morace war immer gern die Erste. Der ehemaligen italienischen Fußballerin gelang 1991 der erste WM-Hattrick, später schoss sie als Erste vier Tore gegen die englische Fußball-Nationalelf im Wembley-Stadion. Als Trainerin betreute sie erstmals ein Männer-Profiteam in Italiens dritter Liga, und kürzlich beendete sie das »Kick and Rush« in Kanadas Nationalteam. Sie führte Deutschlands Gegner vom Sonntag damit wieder zurück in die Weltspitze. Als sie wegen Querelen mit dem Verband ihren Rücktritt androhte, wollten ihre Spielerinnen für sie streiken – auch das gab es in Kanada noch nie.

Das Intermezzo bei den Männern im Jahr 1999 beim ASC Viterbo war schon nach zwei Spielen wieder beendet, als sie merkte, was für ein Clown ihr Präsident Luciano Gaucci wirklich war. Da hatte der Exzentriker »zu Ehren Moraces« bereits Tribünen rosa anmalen lassen.

Morace, die als Spielerin elfmal in Folge die italienische Meisterschaft gewann und eine von nur zwölf Spielerinnen weltweit mit mehr als 100 Länderspieltoren ist, fühlt sich als Trainerin von Frauen sichtlich wohler, auch wenn sie immer noch mit Männern in Entscheidungspositionen aneinander gerät. Dem kanadischen Verband, in dessen Exekutive nur Männer sitzen, wirft sie vor, den Frauen zu wenig Geld und Unterstützung zu geben. Immerhin seien ihre Spielerinnen Sechste der Weltrangliste, die Männer aber nur 76. Ein Trainingslager stand auf der Kippe, und auch für die von Morace gewünschte stärkere Jugendförderung ist kein Geld da.

Also kündigte sie ihren Rückzug nach der WM an, und die Spielerinnen schlugen sich auf ihre Seite: »Wir wissen zwar, dass wir noch nie so große Medaillenchancen hatten wie 2011, aber hier geht es um die Zukunft des kanadischen Frauenfußballs. Und für den müssen wir kämpfen«, sagte Stürmerstar Christine Sinclair.

Moraces Kombinationsspiel will Sinclair nicht mehr aufgeben. »Ich denke, so sollte Fußball gespielt werden.« Auf diese Weise gewann Kanada ungeschlagen die Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft. Inzwischen ist der Verband eingeknickt. Morace bleibt bis Olympia 2012. oh

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken