Von Hansdieter Grünfeld
23.06.2011

Der Sound des Schtetls

Das Jüdische Museum präsentiert die Konzertreihe »Jazz & Jewish Culture«

Dank der Zusammenarbeit der Bundeszentrale für politische Bildung mit dem Jüdischen Museum Berlin entstand die Veranstaltungsreihe »Sounds No Walls – Jazz & Jewish Culture«, die heute Abend beginnt. Neun Gruppen und zwei Solokünstler aus Berlin, New York und Tel Aviv werden auftreten, und eine Diskussionsrunde zum Thema »Jazz und jüdische Kultur« ist anberaumt.

Schon im vorigen Jahrhundert prägten Künstler wie Benny Goodman, Artie Shaw oder Dave Brubeck den Jazz ohne ihre jüdische Identität hervorzuheben. Es war die New Yorker Avantgarde, allen voran John Zorn, der die Identitätsfrage aufwarf, und unter dem Begriff »Radical Jewish Culture« mit Kompositionen wie »Madaba« auf das historische Judentum verwies.

Andere jüdische Musiker scheuten hingegen nicht (wie er) den Einbezug des jüdischen Mainstreams, also Klezmer und die Volksmusiken mediterraner Gemeinden, oder setzten sich mit afrikanischen Elementen auseinander, wie der Multiinstrumentalist Elliot Sharp, der mit einem Sprecher gemeinsam auftreten wird.

Im kantoralen Stil hingegen konzipierte der Sänger David Moss seine Komposition »A Canticle for Roy«, die er mit Elektronika und Schlagzeug zur Erstaufführung bringt. Als Botschafterin der »Radical Jewish Culture« lädt Shelley Hirsh zu ihrer Performance »O Little Town of East New York«. Die Musiken der osteuropäischen Schtetls hat dagegen die Gruppe »Charms of the Night Sky« im Programm, zu der auch Akkordeonspieler Guy Klucevsek und Trompeter Dave Douglas gehören.

Mit Free-Jazz und Klezmer gleichsam vertraut, dürfte der Auftritt des Pianisten Burton Greene mit dem Klarinettisten Perry Robinson zu den Höhepunkten der Konzertreihe gehören. Trotz langer Improvisationspassagen hat die Musik des berlinbekannten Trios Bern, Brody und Rodach bisweilen einen kammermusikalischen Charakter, der auch melancholische Stimmungen nicht meidet.

In Triobesetzung und mit dem Programm »Seven Seas« kommt der israelische Bassist und Sänger Avishai Cohen in die Hauptstadt. Enorme Spielfreude ist garantiert, wenn Klarinettist Don Byron mit Gruppe die Musik des jüdischen US-Komponisten Mickey Katz interpretiert.

Konzerte/Diskussion: 23.-26. Juni, diverse Anfangszeiten, Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9-14, mehr zum Programm: www.jmberlin.de; telefonisch: (030) 25 99 33 00

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken